Oberlandesgericht erlaubt „Judensau“ aus dem 13. Jahrhundert
Naumburg (dts Nachrichtenagentur) – Das Oberlandesgericht Naumburg erlaubt die sogenannte „Judensau“ an der Stadtkirche Wittenberg aus dem 13. Jahrhundert. Die antijüdische Schmähplastik müsse nicht entfernt werden, urteilte der der 9. Zivilsenat in einem Berufungsprozess am Dienstag. Der Kläger, Mitglied einer jüdischen Gemeinde, hatte von der evangelischen Kirchengemeinde die Entfernung der Plastik verlangt, oder wenigstens die Feststellung, dass die Plastik den Tatbestand der Beleidigung erfülle.
Bereits das Landgericht Dessau-Roßlau hatte die Klage abgewiesen. Seit 1988 befindet sich unterhalb des Reliefs ein Mahnmal, das sich auf die Schmähplastik bezieht und die Wirkungsgeschichte des Antijudaismus und des Antisemitismus auf künstlerische Weise thematisiert. Eine sogenannte „Judensau“ ist an etwa 30 Kirchen und anderen Gebäuden vor allem in Deutschland bis heute zu sehen. Das Bildmotiv ist im Hochmittelalter entstanden und sollte Juden demütigen, da das Schwein im Judentum als unrein gilt und einem religiösen Nahrungstabu unterliegt.
Foto: Justicia, über dts Nachrichtenagentur
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