Jette Steckel glaubt nicht an Wirkung des Theaters

Anhaltisches Theater, über dts Nachrichtenagentur

Hamburg (dts Nachrichtenagentur) – Theaterregisseurin Jette Steckel hält die Bühne für ein unwirksames Mittel im Kampf gegen Extremismus und Klimawandel. „Ich glaube nicht mehr daran, dass das Theater wirklich etwas bewirken kann“, sagte Steckel der „Zeit“ (Hamburg-Ausgabe). Sie sei nicht resigniert, aber desillusioniert.

„Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin zu alt, um zu glauben, ich könnte etwas verändern“, so die Regisseurin. „Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass ich daran glauben muss – weil ich nicht anders leben kann.“ Theater betrachte sie vor allem als eine Art Lebenshilfe – „für alle, die sich nicht damit abfinden können, dass sie auf ein paar wesentliche Dinge keinen Einfluss haben“. Ihr eigener Blick auf die Zukunft sei von Pessimismus geprägt. „Wenn ich ehrlich bin, glaube ich, dass wir Menschen uns in irgendeiner Weise eines Tages erfolgreich selber abschaffen werden“, sagte Steckel weiter. Vielleicht ertrage man das nur mit dem Gefühl, „immerhin eine kleine Gesinnungsgenossenschaft um sich herum zu beeinflussen“. Die Entwicklungen im Großen seien jedoch gerade so massiv, dass sie überhaupt nicht das Gefühl habe, „wir können dem erfolgreich etwas entgegensetzen“. Seit 15 Jahren arbeitet Steckel am Hamburger Thalia Theater, darunter lange Jahre als Hausregisseurin. Zuletzt hatte an dem Haus ihre Inszenierung von William Shakespeares Drama Hamlet Premiere. „Hamlet ist wie ein Schwamm“, sagte Steckel. „Das Stück – und auch die Figur – kann jede Zeit und jeden Zeitgeist in sich aufsaugen, ohne dass der Inhalt Schaden nimmt.“ Das mache es tauglich für viele verschiedene Interpretationen. „Und Gründe, aus denen ein Mensch zum Täter werden will, wird es wohl leider immer geben.“ Mit dem Stück verbinde die Regisseurin eine besondere Beziehung. „Die Übersetzung, mit der wir arbeiten, stammt von meinem Vater, der auch Regisseur ist. Er hat sie vor 25 Jahren für seine eigene Inszenierung erarbeitet.“ Dies sei ihre erste Begegnung mit Hamlet gewesen. „Ich war noch ein Kind, aber ich habe mich damals sehr in diese Figur verliebt. Sie ist eine Art Leitfigur für mich gewesen, sie hat mich wahnsinnig fasziniert“, sagte sie. „Mein Vater hat sehr viel Shakespeare gemacht, ich bin sozusagen damit groß geworden.“

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Foto: Anhaltisches Theater, über dts Nachrichtenagentur

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