Deutschland erhält mehr Impfstoff durch Verzicht anderer EU-Staaten

Impfzentrum, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Weil mehrere Mitgliedstaaten auf ihre Anteile verzichten erhält Deutschland von den beiden Herstellern Moderna und Biontech mehr Impfdosen, als von der EU ursprünglich vorgesehen. Das geht aus vertraulichen Dokumenten hervor, über die der „Spiegel“ in seiner am Samstag erscheinenden Ausgabe berichten wird.

Eigentlich werden die von der EU bestellten Impfdosen nach Bevölkerungsgröße auf die Mitgliedstaaten verteilt. Deutschland stehen demnach 18,6 Prozent aller Dosen zu. Im Falle der bei Moderna bestellten 160 Millionen Dosen sind das 30 Millionen Stück. Tatsächlich bekommt Deutschland aber 50,5 Millionen Dosen, weil andere EU-Staaten ganz oder teilweise auf ihre Kontingente verzichten und diese nun umverteilt wurden.

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Dass auch die 300 Millionen zusätzlichen Biontech-Dosen, deren Bestellung am Freitag bekannt wurde, anders als normal verteilt werden könnten, deutete Hanno Kautz, der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Freitagmittag an, dies werde noch „verhandelt“. Klar ist aber, dass dies bei den zuvor von der EU nachgeorderten 100 Millionen Dosen passieren wird, die zur Hälfte noch im ersten Halbjahr kommen sollen. Hier stünden Deutschland 18,6 Millionen Dosen zu – es werden aber wohl über 25 Millionen Dosen sein. Auch die Franzosen bekommen mehr.

Polen, Belgien, Tschechien, Estland, Bulgarien, Slowenien und Slowakei sollten hingegen nichts bekommen, wie dem „Spiegel“ aus Regierungskreisen bestätigt wurde. Allein aus dem ursprünglich belgischen Kontingent sollte Deutschland über eine halbe Million Impfdosen bekommen. In einigen Staaten regte sich in den vergangenen Tagen erheblicher Widerstand. Vor allem Polen und Belgien forderten offenbar, die Umverteilung zurückzunehmen.

Insbesondere Deutschland und die Niederlande sind laut Regierungskreisen aber nicht bereit, ganz neu zu verteilen: Wer einmal verzichtet habe, könne jetzt nicht mehr nachfordern, heißt es. Im mit der Impfstoffbeschaffung beauftragten Lenkungsgremium der EU kam es deswegen zu „hitzigen Auseinandersetzungen“, berichten Teilnehmer. Am Ende wurden teilweise Lösungen gefunden. Polen erhält offenbar 650.000 Dosen zurück, die bereits auf andere Staaten verteilt waren.

Deutschland will Belgien 150.000 Dosen wieder überlassen. Offenbar gab es verschiedene Gründe für die Nullrunden: Manche Länder hofften, sich bald schon mit anderen Impfstoffen eindecken zu können, andere vergaßen angeblich, rechtzeitig den Finger zu heben für einen Nachschlag. Auch von Druck aus großen Mitgliedstaaten ist die Rede. Das wird allerdings von deutscher Seite energisch zurückgewiesen.

Foto: Impfzentrum, über dts Nachrichtenagentur

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