Creditreform warnt vor Überschuldungswelle

Creditreform warnt vor Überschuldungswelle

Foto: via dts Nachrichtenagentur

Die Zahl der überschuldeten Verbraucher in Deutschland dürfte nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform in diesem Jahr weiter steigen.

„Angesichts des hohen Kostendrucks und des schwachen Arbeitsmarktes halte ich einen weiteren signifikanten Anstieg für möglich“, sagte der Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch, dem „Handelsblatt“. „Für Haushalte, die ohnehin kaum noch Puffer besitzen, kann eine vergleichsweise kleine zusätzliche Belastung den Ausschlag für eine finanzielle Schieflage geben.“

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Das Bundesverbraucherschutzministerium sieht die Entwicklung mit Sorge. Die mit dem Anstieg der Überschuldungsquote verbundenen Sorgen und Nöte der Menschen nehme man „sehr ernst“, sagte eine Sprecherin dem „Handelsblatt“. Mit der Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie seien die Schutzvorschriften bei der Kreditvergabe „erheblich erweitert worden“. Von 2026 bis 2029 stelle der Bund weitere Mittel bereit, um unter anderem den Zugang zur Schuldnerberatung zu erleichtern.

Die Unionsfraktion setzt vor allem auf steuerliche Entlastungen. „Wir wollen Menschen nicht erst helfen, wenn sie überschuldet sind, sondern dafür sorgen, dass sie gar nicht erst in diese Lage geraten“, sagte ihr Verbraucherschutzbeauftragter Sebastian Steineke (CDU) dem „Handelsblatt“. Die geplante Einkommensteuerreform ab 2027 müsse insbesondere kleine und mittlere Einkommen dauerhaft entlasten. Steineke forderte zugleich ein schärferes Vorgehen gegen missbräuchliche und versteckte Preiserhöhungen sowie eine Stärkung des Bundeskartellamts.

Der Grünen-Verbraucherpolitiker Till Steffen dringt dagegen auf einen Ausbau der Schuldnerberatung. „Wenn jeder zwölfte Erwachsene überschuldet ist, Tendenz stark steigend, ist das dramatisch“, sagte er. Betroffene müssten frühzeitig Zugang zu unabhängiger, kostenfreier Beratung erhalten. Steffen verlangte außerdem eine stärkere Regulierung der Mieten und ein Ende der Umlage der Grundsteuer auf Mieter. „Das entlastet sofort und kostet den Staat nichts.“

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