Theater

Musical-Solo: Melanie Lang brilliert als Zarah Leander

Melanie Lang verkörpert in dem Musical-Solo „Zarah 47“ im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters den UFA-Star Zarah Leander.

Melanie Lang verkörpert in dem Musical-Solo „Zarah 47“ im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters den UFA-Star Zarah Leander.
Foto: Stephan Walzl

Oldenburg (vs) Wenn Melanie Lang in dem Musical-Solo „Zarah47“ als Zugabe singt „Davon geht die Welt nicht unter“ und das Publikum im Takt mitklatscht, ist die Welt draußen für einen Moment vergessen. Dann hat Theater seine Aufgabe erfüllt. Im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters singt und spielt Mezzosopranistin Melanie Lang gefühlvoll, ausdrucksstark und leidenschaftlich Zarah Leander, als hätte sie auf diese Rolle gewartet. Ebenso beeindruckend ist das begleitende Klavierspiel von Kei Sugaya. Der Pianist und musikalischer Leiter des Musical-Solos ist dabei auch in kurzen Sequenzen ihr Mitspieler.

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Regisseur Nils Braun lässt Melanie Lang auf der offen gestalteten Bühne mit wenig Mobiliar in Form von Sessel, Stuhl, Tisch, Lampe und Mikrofon ausreichend Raum und Spielfreiheit, die Sängerin und Schauspielerin Zarah Leander zu verkörpern. Die Rückwand und mobile Seitenwände werden für Filmprojektionen in Schwarz-Weiß genutzt, in denen Melanie Lang live mit ihren Liedern eingespielt wird.

Zarah Leander und ihre Rolle bei den Nazis

Spielort ist das schwedische Landhaus am 15. März 1947, dem 40. Geburtstag der Künstlerin. Allein sitzt sie am Telefon und wartet Glas für Glas füllend auf Gratulationen und resümiert über ihr Leben. Dass die Künstlerin politisch nicht unumstritten war, zeigt der Untertitel des 1992 uraufgeführten Stückes von Peter Lund „Wollt Ihr das totale Lied?“. Ihre Auftritte im Nazi-Deutschland und ihre Treffen mit Hitler und Goebbels gefielen nicht allen Anhängern. Mit Witz und Ironie spielt Melanie Lang die Unterhaltungen mit ihren Unterstützern nach, nicht ohne dabei zu erwähnen, wie lächerlich sie beide findet und nicht ohne zu betonen, sie habe für Geld und nicht für die Gesinnung gesungen. Ihre wahre Gesinnung bleibt ihr Geheimnis. Erst 1943 verlässt der gefeierte UFA-Star Deutschland und zieht zurück nach Schweden. Von den internationalen Konzerthäusern und Auftraggebern wird sie fortan gemieden.

Berührendes Intermezzo von Kei Sugaya

In fließenden Übergängen mit dezent eingesetztem Lichtspiel (Regina Kirsch) lässt Nils Braun das Leben der schwedischen Diva von Lied zu Lied vorüberziehen. Melanie Lang singt die großen Lieder von Zarah Leander mit ihrer eigenen klaren, starken Stimme ohne die weltberühmte Sängerin imitieren zu wollen. In den Spielszenen bekommt Melanie Lang ausreichend Gelegenheit, auch ihr schauspielerisches Talent zu zeigen. Eine Vielzahl aneinandergereihter Kleider, die von der Decke herabschweben, verkörpern die Vielzahl der Auftritte und Rollen. Melanie Lang spielt dabei mit ihnen und schwelgt in ihren Erinnerungen aus vergangenen Zeiten. Das Publikum spürt die Verbundenheit der Mezzosopranistin zu Zarah Leander und spendet immer wieder Szenenapplaus.

Die Inszenierung berührt besonders, wenn in einem kurzen musikalischen Intermezzo Pianist Kei Sugaya alleine am Flügel sitzt und auf einem Gazevorhang nacheinander die Namen bekannter und von den Nazis als entartet verachtete Komponisten wie Kurt Weill oder Friedrich Hollaender erscheinen. Nach und nach verschwinden ihre Namen wieder und werden durch das Wort „Emigriert“ ersetzt.

Erst nach drei Zugaben, stehenden Ovationen und Bravo-Rufen verlässt Melanie Lang dankbar und gerührt mit ihrem Pianisten Kei Sugaya die Bühne.

Am Samstag, 31. Oktober, 18 Uhr, ist der aktuellen Situation geschuldet, die vorerst letzte Vorstellung von „Zarah 47“. Aktuelle Informationen gibt es unter www.staatstheater.de und Telefon 04 41 / 222 51 11.

Update, 30. Oktober, 12.50 Uhr
Es gibt noch eine Chance, „Zarah 47“ an diesem Wochenende zu sehen: Am 1. November wird statt „King Kong“ als vollwertiger Ersatz der Zarah Leander-Abend um 19 Uhr im Kleinen Haus gezeigt. Die für „King Kong“ erworbenen Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit oder können an der Theaterkasse gegen einen Gutschein eingetauscht werden.

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