Theater

Letzter Wunsch eines „Superheros“

Das Junge Staatstheater feierte die Premiere des Stücks Superhero: Donald Delpe entwirft Comichelden und wünscht sich nichts mehr als Sex.

Vincent Doddema als Donald Delpe.
Foto: Andreas J. Etter

Anzeige

Oldenburg/nb – Auf der Bühne der Exerzierhalle feierte das Junge Staatstheater am Sonntag die Premiere des Stücks „Superhero“: Eigentlich ist Donald Delpe ein normaler, pubertierender Junge. Er entwirft einen Comichelden und wünscht sich nichts sehnlicher als Sex – was ihn von anderen unterscheidet? Er hat Krebs.

Der 14-jährige Donald ist eigentlich ein ganz normaler Pubertierender. Er hat Freunde, die von ihren unglaublichen Sexerfahrungen erzählen, er hat einen großen coolen Bruder, der von sich selbst in der dritten Person spricht, und er hat Eltern, die ihren Sohn nicht wirklich verstehen. Durch die Chemotherapie hat er keine Haare mehr, für ihn ist klar, er stirbt. Er entwirft einen Comichelden, Miracleman, der nicht sterben kann. Seine Mutter versucht sich mit unzähligen Ratgebern von Amazon zu helfen. Als Donald sich das Leben zu nehmen versucht, geht sie mit ihrem Mann zum Therapeuten. Der spricht mit Donald und setzt am Ende fast seine Zulassung aufs Spiel, um Donald bei der Erfüllung seines größten Wunsches zu helfen: Sex.

Es wirkt wie eine amüsante Pubertätsgeschichte. Mag ein normaler Junge noch sein ganzes Leben vor sich haben, drängt bei Donald die Zeit. Auch sein Umfeld weiß nicht so recht, wie es damit umgehen soll. Sie haben alle ihre eigenen Probleme, auch mit der Krankheit. Donalds Gedankenwelt können sie dabei nicht durchschauen. Das kann man nachvollziehen, es ist auch nur zu verständlich, die Belastungen der Pubertät kommen einem stets bekannt vor. Es gibt kein Regelwerk, keinen Ratgeber, der einem durch die Pubertät hilft und bestimmt keinen, der einem sagt, wie man stirbt. Und selbst sein Superheld Miracleman hat seine Schwächen.

Das Junge Staatstheater bringt mit „Superhero“ den Roman des neuseeländischen Erfolgsautor Anthony McCarten (2007) auf die Bühne. Beschreiben kann man das von Markolf Naujoks inszenierte Stück wohl als sehr amüsant, verrückt und äußerst herzbewegend. Getragen von den Schauspielern, die gleich mehrere Rollen übernehmen, Vincent Doddema, Kristina Gorjanowa, Rüdiger Hauffe und Bernhard Hackmann, ist es ein Stück mit einer rasanten Erzählweise und schnellen Schnitten – wie ein Comic. Durch die gezeichneten Einblendungen aus Donalds Werk des Miraclemans und den vier Erzählern, gibt es auch die Adaption eines Comics in eine Bühnenfassung. Zeitweilig musizierend und singend, zeitweilig nur dasitzend, zeitweilig aus einer Discobox kommend: Die Darsteller führen durch ein stilistisch sehr abwechslungsreiches Bühnenspiel.

Schief geht, was schief gehen kann. Bei der Premiere gab es einen technischen Fehler: Auf der Bühne ist ein großer, rechteckiger Kasten installiert, eine Box, in dem verschiedene Szenen des Stücks spielen. Während der Vorstellung ließ sich eine Klappe bzw. Tür nicht mehr schließen. Die Darsteller bauten es spontan in das Stück mit ein und schlossen sie mit gemeinsamer Kraft, was das Publikum mit einem Lachen begrüßte.

Wünschenswert ist es, dass das die einzige ungeplante Unterbrechung bleiben wird, denn das Stück ist gut und unterhält ungemein. Rührend und amüsant zugleich ist es trotz oder gerade wegen des dunklen Grundtons. Letztendlich ist Donald auch nur ein Junge, der die Liebe sucht und vielleicht auch etwas Sex. Da nimmt man keinen Blatt vor den Mund. Und das ist auch gut so.

Vorheriger Artikel

JugendFilmTage: Jetzt schnell anmelden

Nächster Artikel

Weser-Ems-Bus feiert 25-jähriges Bestehen