Kultur

TATORT Bremen: „Liebeswut“

Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) wird im neuen Tatort „Liebeswut“ von den Schatten ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt.

Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) wird im neuen Tatort „Liebeswut“ von den Schatten ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt.
Foto: RB / Claudia Konerding

(Achim Neubauer) Liv Moormann und Linda Selb ermitteln in Bremen diesmal ohne ihren Kollegen Mads Andersen. Sie werden zu einer ausgebrannten Wohnung gerufen und finden dort eine Frauenleiche, die eine Schusswunde aufweist. Im Fortlauf der Ermittlungen werden beide Kommissarinnen mit den Schatten ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert; am 29. Mai sendet das Erste den neuen Fall aus der Stadt an der Weser.

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„Auf meiner Liste der Tatmotive ganz oben steht die Liebe“, stellt Kommissarin Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) am Anfang des Films fest und setzt damit den Rahmen für einen Tatort, der weder im Thema, noch in der Inszenierung Kompromisse eingeht. Leuchtendes Rot, Trommelmusik, harte Schnitte .. noch bevor Jasna Fritzi Bauer energisch den Weg zum Tatort geht, hat Regisseurin Anne Zohra Berrached („Der Fall Holdt“) klar gemacht, dass sie beim aktuellen Beitrag von Radio Bremen keine realistische Darstellung der Polizeiarbeit abliefern will. Sie spricht selbst davon, dass sie mit ihrem Kameramann Christian Huck zusammen eine „kaputte Bildsprache“ entwickelt habe, damit sie den Figuren „tief in die Seele“ schauen könne.

Und so wird zunächst mal Liv Moormann von den Schatten ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt. Sie wird getriggert vom roten Hochzeitskleid einer Frauenleiche. Offensichtlich sind es Kindheitserinnerungen, die ihr im Kopf begegnen; einordnen kann sie das zunächst nicht. Für Linda Selb (Luise Wolfram), die analytische BKA-Ermittlerin ist dagegen klar: Frauen bringen sich nicht mit Kopfschüssen um! Und überhaupt: Wo befinden sich die Kinder der toten Susanne Kramer? Constanze und Therese sind verschwunden. Entführt? Getötet? Vielleicht sind sie in der Gewalt eines Verbrechers.

Luise Wolfram und Jasna Fritzi Bauer in „Liebeswut“.

Luise Wolfram und Jasna Fritzi Bauer in „Liebeswut“.
Foto: RB / Claudia Konerding

Ausschließlich ganz seltsame Figuren begegnen den Ermittlerinnen nun bei ihrer Arbeit. Thomas Kramer (Matthias Matschke), der geschiedene Ehemann der Toten und seine schrille, neue Lebensgefährtin Jacqueline; die besorgten Eltern der Toten. Joachim Conradi, der Hausmeister der Schule, die die kleinen Mädchen besuchen, gerät in Verdacht. Schließlich ist da noch Gernot Schaballa (Aljoscha Stadelmann) ein ständig eisschleckender Nachbar, der eine Etage unter dem Mordopfer tiefer wohnt.

Matthias Matschke als Thomas Kramer, der geschiedene Ehemann der Toten, in „Liebeswut“.

Matthias Matschke als Thomas Kramer, der geschiedene Ehemann der Toten, in „Liebeswut“.
Foto: RB / Claudia Konerding

Die Ermittlerinnen verrennen sich – alle beide. Während Liv Moormann durch Schaballa an irgendetwas aus der eigene Kindheit erinnert wird, setzt die kühle Linda Selb einen anderen Verdächtigen so sehr unter Druck, dass der in den Selbstmord flüchtet.

Aljoscha Stadelmann in „Liebeswut“

Aljoscha Stadelmann in „Liebeswut“.
Foto: RB / Claudia Konerding

Wieder einmal verlässt die Bremer Tatort-Redaktion um Thomas von Bötticher ausgetretene Pfade und bietet Raum für einen Film, der nicht alle Erwartungen der Sonntag-Abend-Krimi-Schauer erfüllen kann … und will. Nur wer sich Berracheds cineastischer Auflösung des Buchs von Martina Mouchot öffnet, wird „Liebeswut“ als surrealen Psychothriller genießen können, in dem vor allem Aljoscha Stadelmann aus dem Ensemble herausragt.

Mit dem dritten Film der neuen Bremer Mannschaft sind dann erst mal in einer „tour de force“ die biographischen Hintergründe von Andersen („Und immer gewinnt die Nacht“) und Moormann geklärt. Es bleibt allein zu hoffen, dass Linda Selb ihr Geheimnis behalten kann, weil das Rätselhafte für ihre Persönlichkeit konstitutiv ist.

Wohin sich das Bremer Team (mit Dar Salim als Kommissar Mads Andersen oder ohne ihn?) nun allerdings entwickeln wird, das bleibt weiterhin eine spannende Frage.

Gut zu wissen

  • „Liebeswut“ wurde mit dem Arbeitstitel „Das Ende der Zuversicht“ vom 26. Oktober bis zum 24. November 2021 in Bremen und Umgebung gedreht.
  • Der nächste Tatort von Anne Zohra Berrached „Das kalte Haus“ vom MDR wird schon eine Woche nach „Liebeswut“ ausgestrahlt.
  • Unter dem Arbeitstitel „Donuts“ wird – nach Informationen der Webseite „wiewardertatort.de“ – der nächste Radio Bremen Tatort vorbereitet; zusammen mit Mathias Schnelting hat Sebastian Ko, der auch Regie führen wird, das Buch geschrieben. Informationen dazu sind – außer auf der o.g. Website – z.Zt. nicht zu finden.

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