Kultur

Roncalli erobert die Herzen

Mit stehenden Ovationen feiert das Oldenburger Publikum, darunter zahlreiche Ehrengäste, gestern die ausverkaufte Circus Roncalli-Premiere.

Circus Roncalli ist in der Stadt. Das Publikum war von der erste Vorstellung begeistert.
Foto: Christian Kruse

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Oldenburg (vs) – Mit stehenden Ovationen feiert das Oldenburger Publikum gestern Abend die ausverkaufte Circus Roncalli-Premiere. Der Zirkus gastiert noch bis zum 6. April auf dem Freigelände der Weser-Ems Hallen. Vorstellungen gibt es von mittwochs bis sonntags.

Roncalli-Gründer und Direktor Bernhard Paul lässt es sich nicht nehmen, das Premierenpublikum persönlich zu begrüßen und darauf einzustimmen, dass es vielleicht zu kleineren Problemen kommen könne. Der Circus käme direkt aus dem Winterquartier und für das teilweise neue Programm „Good Times“ wurde bis zur letzten Minute geprobt. Requisiten aus der Ukraine seien erst drei Stunden vor Vorstellungsbeginn angekommen. Mögliche Probleme mit dem Licht blieben aus oder unbemerkt, so dass das Publikum in den strahlenden Hochgenuss von zweieinhalb Stunden Circus-Kunst der Spitzenklasse kam.

Ein Zirkus der alten Schule ist Roncalli. Das Publikum wird beim Einlass von Artisten begrüßt und geschminkt, mit Bonbons versorgt und erste kleine Einlagen verkürzen die Wartezeit. Das Orchester spielt. Popcorn-Duft liegt in der Luft. Zu entdecken gibt es reichlich bei Roncalli, denn das detailverliebte, historische Ambiente bietet eine Menge an Augenschmaus.

Internationale Artisten begeistern bei Roncalli-Premiere

Illusionist Sergi Buka eröffnet die Vorstellung mit Laserillusionen und überrascht nach der Pause mit amüsanten Schattenspielereien. Temperamentvoll geht es weiter mit wirbelnder Akrobatik vom jungen Circustheater Bingo. Geraldine Philadelphia lässt ihre Hoola Hoop Ringe kreisen. Das Duo Viro gleitet an Tüchern durch die Lüfte der Zirkuskuppel und sorgt für Staunen. Tempojonglage mit Fußbällen präsentiert Jemile Martinez.

Eine gute Pferdedressur zeichnet sich durch die Zurückhaltung seines Dompteurs aus. Genauso verhält es sich bei Karl Trunk, der nur mit leichten Gesten und Worten seine Pferde durch das Rund führt. Sehenswert ist Shire Horse „Sunny“, das mit 1,80 Meter Stockmaß zur größten Pferderasse der Welt gehört. Minishetland-Pony „Maxim“ kann dem sanften Riesen problemlos unter dem Bauch durchlaufen.

Roncalli’s Royal Circus Company sorgt zwischen den Nummern für reichlich Lacher. Mit ihren amüsanten Spielereien in der Manege und mit den Zuschauern ist das Quartett mehr als nur ein Lückenfüller.

Preisträger der Manege wirbeln im Quadrat und Kreis

Muskelkraft, Körperbeherrschung und Eleganz vereinen sich in Perfektion nicht nur beim Trio Laruss. Das preisgekrönte Quartett The Rokashkovs verpackt seine temporeichen Kunststücke am quadratischen Reck in eine romantische Performance um Liebe und Begehren. Wirbelnde Rollschuhakrobatik im hohem Tempo auf kleinem Podest bietet der Nachwuchs von Bernhard Paul. Drei seiner Kinder stehen erstmals gemeinsam in der Manege.

Für Atemlosigkeit sorgt die meditative und zugleich spannende Darbietung von Andreis Jacobs Rigolo. In Zeitlupentempo legt der Amerikaner dreizehn Palmäste in eine schwebend leichte Skulptur. Sekunden vor Ende bricht das Gebilde zusammen. Dennoch spendet das staunende Publikum nicht nur diesem sympathischen Ausnahmekünstler tosenden Beifall.

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1 Kommentar

  1. W. Lorenzen-Pranger
    15. März 2015 um 11.48

    So weit, so schön. Es wäre an der Zeit darauf hinzuweisen, daß es auch kleinere Circus-Unternehmen gibt, die keine Spitzenregisseure und internationale Spitzenartisten bezahlen können, die aber dennoch für eine gute kulturelle Versorgung stehen würden – wenn man sie denn noch ließe.
    Viel kleine Plätze werden inzwischen bebaut und bieten für Puppenspieler (Klasse und mit sehr langer Familientradition die Familie Maatz) und Circus keinen Platz mehr. Selbst traditionelle Dorffeste haben kaum noch irgendwo genug Platz.
    Dabei sind auch die kleinen, meist Familien-, Circusse oft gut. So gewann ein Familien-Mitglied der „Casselys“ einen Clown in Monte Carlo.
    Also, schafft endlich wieder Plätze für die Kultur auch im Dorf und im entlegenen Stadtteil – und geht in den Roncalli eben so wie zu Casselly, Kübler, Kaiser – oder wie sie alle heißen.