Ausstellung

Geschichte eines verlorenen Bildes

Max Liebermann, Reiter am Strand, 1909, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, Dauerleihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München.

Max Liebermann, Reiter am Strand, 1909, Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See, Dauerleihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München.
Foto: privat

Oldenburg (zb) Nach 75 Jahren kehrt das Ölgemälde „Reiter am Strand“ vorübergehend ins Oldenburger Prinzenpalais zurück. Einst befand sich das Bild im Besitz des Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte in Oldenburg ehe es 1941 verkauft wurde. Eine Kabinettschau erzählt jetzt die Geschichte des Gemäldes.

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„Liebermann – Gurlitt. Die Geschichte eines verlorenen Bildes“, heißt der Titel der Schau, die vom 5. Juni bis 9. Oktober im Landesmuseum gezeigt wird. Sie handelt von Max Liebermanns Ölstudie „Reiter am Strand“ von 1909, die sich einst im Bestand des Landesmuseums befand. 1941 wurde das Gemälde an den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, den Vater des 2014 verstorbenen und in die Schlagzeilen geratenen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt, verkauft. „Die Ausstellung erzählt die vollständige Geschichte eines Gemäldes von seiner Entstehung über den Verkauf im Nationalsozialismus bis zu seinem heutigen Verbleib“, sagt der Provenienzforscher des Landesmuseums Dr. Marcus Kenzler.

Ab 1923 wurde das Gemälde „Reiter am Strand“ im neu eröffneten Landesmuseum im Oldenburger Schloss als Teil der „Galerie der Moderne“ präsentiert, nachdem es 1914 durch den „Galerieverein“ erworben worden war. „1937 blieb es zunächst von der nationalsozialistischen Beschlagnahmeaktion ‚Entartete Kunst‘ verschont, obgleich die Werke des jüdischen Malers Liebermann verfemt wurden“, berichtet Kenzler. Bis 1938 hing das Gemälde in einem Salon des Oldenburger Schlosses, der als repräsentatives Besprechungszimmer, der heutige Blaue Salon mit Blick auf den Schlossplatz, eigens für NS-Funktionäre eingerichtet wurde.

Am 11. Juni 1941, als der Handel mit „jüdischer“ Kunst bereits untersagt war, wandte sich der einstige Museumsdirektor Hildebrand Gurlitt auf der Suche nach bedeutenden Bildern von Liebermann an das Landesmuseum. Er suchte Liebermann-Werke für einen Sammler. „Das geht aus Unterlagen aus dem Kunstfund 2013 von Cornelius Gurlitt in München hervor“, berichtet Kenzler.

korrespondenz-zwischen-hildebrand-Gurlitt-und-dem-landesmuseum-oldenburg

Korrespondenz zwischen Hildebrand Gurlitt und dem Landesmuseum Oldenburg, 1941, Landesmuseum Oldenburg.
Foto: Marcus Kenzler

Hildebrand Gurlitt gehörte trotz seiner Kritik an den Nazis zu den einflussreichsten Kunsthändlern des Dritten Reichs und war später unmittelbar in den NS-Kunstraub involviert. Im Juli 1941 kam es zum Verkauf des „Reiters am Strand“. 5400 Reichsmark bezahlte Gurlitt dafür. So gelangte es in die Privatsammlung eines Hamburger Versicherungskaufmanns, der schon mehrfach von den Nazis verhaftet und wieder freigelassen worden war.

Mit dem Erlös des Bildes erwarb das Landesmuseum zwei Werke des ostfriesischen Landschaftsmalers Julian Klein von Diepold, die ebenfalls in der Kabinettschau zu sehen sind, aber heute nicht annähernd so viel wert sind wie der „Reiter am Strand“. 1945 ist der Hamburger Kaufmann gestorben und in den 1950er Jahren gelangte das Liebermann-Gemälde schließlich in die Sammlung des Malers, Verlegers und Autors Lothar-Günther Buchheim. Als Eigentum des Bayerischen Staates gehört es heute zur Sammlung des 2001 eröffneten „Buchheim Museum der Phantasie“ am Starnberger See.

„Die tragische wie kuriose Geschichte des Bildes ist ein verblüffendes Zeugnis der Kunstpolitik und des Kunsthandels im Nationalsozialismus“, sagt Kenzler. „Ihre geschichtliche Dimension reicht bis in unsere Zeit und verweist unmittelbar auf den ‚Schwabinger Kunstfund‘ von Cornelius Gurlitt.“

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