Oldenburg/zb – Ohne Migranten würde die Wirtschaft schlecht dastehen. Da sind sich Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, Dr. Thomas Hildebrandt von der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer, Wolfgang Jöhnk von der Handwerkskammer, Dr. Thorsten Müller, Geschäftsführer der Bundesagentur für Arbeit in Oldenburg, sowie Volker Trautmann, Geschäftsführer vom Jobcenter Oldenburg, einig.

Seit vier Jahren sind sie Kooperationspartner und setzen gemeinsam mit der Leitstelle Region des Lernens (RdL) unter dem Titel „Weltoffene Oldenburger Wirtschaft“ (WOW) ein Zeichen für Weltoffenheit, Toleranz und gesellschaftliche Öffnung und zogen jetzt eine sehr positive Zwischenbilanz. „Wir sehen in der wachsenden Vielfalt unserer Gesellschaft eine besondere Chance für unsere Region und unsere Wirtschaft. Viele Oldenburger Unternehmen haben erkannt, dass ohne Internationalisierung die Strukturen des Arbeitsmarktes und damit auch unsere Sozialsysteme nicht funktionieren würden“, sagt Krogmann.

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Durch die enge Zusammenarbeit auf lokaler Ebene werden seit vier Jahren Synergien besser genutzt und die Ausbildungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund verbessert. „Von den Aktivitäten der WOW-Initiative profitieren die Oldenburger Unternehmen, die für die Potenziale aller Jugendlichen sensibilisiert und im Gegenzug bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden und während deren Ausbildungszeit unterstützt werden. Umgekehrt profitieren die Jugendlichen und ihre Familien, die in der Berufsorientierung und im deutschen Ausbildungssystem unterstützt und beraten werden“, erläutert Oldenburgs Integrationsbeauftragte Dr. Ayça Polat.

Insgesamt versteht sich die WOW-Initiative als ein wichtiger Impuls für das Standortmarketing. Die Oldenburger Wirtschaft steht bei der Suche nach Auszubildenden vermehrt in Konkurrenz zu anderen Regionen und Kommunen. Zugleich hat Oldenburg eine wachsende Wirtschaft, die auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen ist. „Je entwickelter die regionale Wirtschaft ist, desto größer wird ihr Bedarf an Facharbeitern und Experten“, sagt Krogmann.

Die Kooperationspartner entwickeln Projekte und unterstützen sich dabei gegenseitig. Dazu gehört auch das Erfolgsprojekt B5. Es steht für Bewerber – Betrieb – Bereitschaft – Beharrlichkeit – Begeisterung. Inhaltlich geht es um betriebliche Ausbildung. Jugendliche mit Migrationshintergrund, schwächere Hauptschüler und Altbewerber wurden durch das Projekt sowohl bei der Qualifizierung ihrer schulischen Abschlüsse, bei der Verbesserung der sozialen Eigenschaften als auch bei der Praktikums- und Ausbildungsplatzsuche gefördert. Parallel wurden Betriebe bei ihrer Suche nach geeigneten Bewerbern unterstützt, besonders die Branchen mit steigendem Fachkräftemangel wie das Lebensmittelhandwerk, die Gastronomie, das Bau-Handwerk und Dienstleistungsberufe wie Friseur, Verkauf oder Pflege. Insgesamt zeigten rund 60 Oldenburger Betriebe Interesse und meldeten ihren Bedarf.

Auf diese Weise schafften in den letzten zwei Jahren 63 Prozent der jugendlichen Zielgruppe den direkten Übergang in die duale Ausbildung ihres Wunschberufes. 36 Prozent der Jugendlichen schafften die Qualifikation für einen Schulplatz zum Erwerb eines höheren Abschlusses. Der neue Baustein der WOW-Initiative, Netwin 2.0, ist ein Projekt im Rahmen des „ESF-Bundesprogramms Bleibeberechtigte und Flüchtlinge II“ und wird durch Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert.

Es hat zum Ziel, Bleibeberechtigte und Flüchtlinge bei der Arbeitsmarktintegration zu unterstützen. Hier werden individuelle Fähig- und Fertigkeiten, Wünsche und Ziele der Teilnehmer erarbeitet und mit Möglichkeiten der Arbeitswelt verglichen. Es findet zudem eine Stärken- und Schwächenanalyse, eine Stärkung der Eigeninitiative sowie Sprachkurse statt.

Die Zusammenarbeit war erfolgreich, lautet das Zwischenfazit aller Beteiligten, die sich weiterhin dafür stark machen, alle in Oldenburg lebenden Menschen auch durch die berufliche Integration an der Gesellschaft gleichberechtigt teilhaben zu lassen.

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