Wirtschaft

Mehr Investitionen für ländliche Räume

Neujahrsempfang des Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer: Rolf Seelheim, IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters, BÜFA-Geschäftsführer Felix Thalmann, Tom Nietiedt, Geschäftsführer der Nietiedt Verwaltungs-GmbH, Peter-Jürgen Schneider, Niedersächsischer Finanzminister, und IHK-Präsident Gert Stuke.

Neujahrsempfang des Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (von links): Rolf Seelheim (Moderation), IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters, BÜFA-Geschäftsführer Felix Thalmann, Tom Nietiedt, Geschäftsführer der Nietiedt Verwaltungs-GmbH, Peter-Jürgen Schneider, Niedersächsischer Finanzminister, und IHK-Präsident Gert Stuke.
Foto: Andreas Burmann

Oldenburg (zb) 750 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung konnte Gert Stuke, Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) Dienstagabend in den Oldenburger Weser-Ems Hallen beim Neujahrsempfang der Kammer begrüßen. In seiner Rede hob er die hohe Lebensqualität der Region sowie Aufgeschlossenheit und Tatkraft hervor. Gleichwohl sieht er eine Menge Hürden, die genommen werden müssen.

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International sieht er Deutschland bei der Modernisierung der Infrastruktur für Verkehr sowie für Digitalisierung lediglich im Mittelfeld, weshalb er mehr Tempo bei der Digitalisierung sowie eine „nationale Strategie für die Netzplanung, ähnlich wie beim Bundesverkehrswegeplan“ forderte, weil „ein leistungsfähiges Glasfasernetz zu den wichtigsten Standortfaktoren für Unternehmen gehört.“ Außerdem sprach er sich dafür aus, „ländliche Räume ganz oben auf die politische Agenda zu setzen.“ Sie seien von den Transformationsprozessen der Wirtschaft und dem demografischen Wandel besonders betroffen.

Schnelles Internet für die Region unverzichtbar

In einer anschließenden Gesprächsrunde, die von Rolf Seelheim moderiert wurde, diskutierten der BÜFA-Geschäftsführer Felix Thalmann und der Unternehmer Tom Nietiedt von der Nietiedt Verwaltungs-GmbH Wilhelmshaven, mit dem Niedersächsischen Finanzminister Peter-Jürgen Schneider. Sie waren sich einig, dass Digitalisierung und ein schnelles Internet für die Region unverzichtbar sei.

„Wir müssen vom Verfall der Infrastruktur wegkommen“, erklärte der Minister. Investitionen in das Straßennetz aber auch Hochbauten sowie die Digitalisierung seien derzeit sinnvoller als Schuldenabbau, auf den ihn der Moderator ansprach. Das Land würde schließlich Schulden in Höhe von 58 Milliarden Euro vor sich herschieben. „Wir dürfen den Verfall nicht weiterlaufen lassen, weil das am Ende viel teurer wird“, erklärte Schneider, der auf die erstmals erreichte schwarze Null des Landes verwies, also keine Neuverschuldung.

Handlungsbedarf im Bildungssystem

Tom Nietiedt forderte eine bessere Anbindung der Schiene an das internationale Bahnnetz. Felix Thalmann meinte, neben der Digitalisierung müsse der Breitbandausbau vorangetrieben und die Cyber-Kriminalität stärker bekämpft werden. Handlungsbedarf sieht der gebürtige Schweizer zudem im Bildungssystem. Die Niveauunterschiede zwischen den Bundesländern seien zu gravierend, befand er.

Außerdem beobachte er den Trend zur Akademisierung mit großer Sorge – nicht zuletzt in Hinblick auf die Gewinnung von Fachkräften. Zuvor hatte der IHK-Präsident bereits davor gewarnt, „dass die berufsbildenden Schulen ein Stück weit zu einem Reparaturbetrieb der allgemein bildenden Schulen geworden sind.“ Der Minister zeigte sich für alle Anliegen offen und spielte den Ball zurück. „Wenn die Steuereinnahmen sprudeln, gibt es immer viele gute Ideen. Da möchte niemand sparen, auch sie nicht. Erst wenn die Lage wieder schlechter wird, kommt die Einsicht, stärker sparen zu müssen.“

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2 Kommentare

  1. W. Lorenzen-Pranger
    13. Januar 2017 um 8.46

    Zitat: „dass die berufsbildenden Schulen ein Stück weit zu einem Reparaturbetrieb der allgemein bildenden Schulen geworden sind.“
    Mag sein, daß das so ist. Wenn das aber so ist, dann sind die Betriebe, vor allem die großen, ein großes Stück mit daran schuldig. Immer mehr wird an der Allgemeinbildung gespart, um ausschließlich die – man kann es nicht anders nennen – Funktion der jungen Leute für die Betriebe zu forcieren. Fragen sie mal Lehrer, wie weit diese Betriebe bereits versuchen auch sie unter Druck zu setzen. Und die, die das tun, das sind dann natürlich genau die, die in Parteien Einfluß nehmen, die von Leitkultur faseln. Das Wissen um die allgemeine Kultur wird aber eben bereits in der Schule ausgehebelt.
    Übrigens: Der Begriff Kultur bedeutet zuallererst einmal alles von Menschen Geschaffene. Wenn die Kenntnis dessen uns leiten soll, dann kann der völlig schräge Kunstbegriff Leitkultur nur die Aufforderung zu lebenslangem Lernen bedeuten. Aber erklär das mal einer diesen ignoranten aber machtgierigen Flachpfeifen…

    • W. Lorenzen-Pranger
      13. Januar 2017 um 9.58

      Und gleich nochn Nachschlag:

      Von Rutschflächen und Schlagloch-Pisten

      Na, dann saniert mal schön. Komisch nur, daß dann schon wieder von leeren Kassen geschrieben wird. Außerdem hätte es zum realen Totalruin so mancher „Straßen“ gar nicht erst kommen dürfen – oder? Immerhin weiß ich jetzt endlich, warum immer mehr Geländewagen hier durch die Gegend rollen – das Ammerland (und nicht nur das) als wilde unbrerechenbare Steppenlandschaft mit Karl-May Romantik…