Wirtschaft

Gemeinnützige Kfz-Werkstatt: Perspektive durch Ausbildung

Die gemeinnützige Kfz-Werkstatt deine Autowerkstatt in Oldenburg bildet schwer zu vermittelnden Jugendlichen aus.

Das Team von „deine Werkstatt“ (von links): Johannes Remer (Meister), Thomas Janzen (Langzeitpraktikant), Lukas Walter (Langzeitpraktikant), Oliver Elsen (Geselle), Stefan Sinnhuber (Geschäftsführer), Leon Wulff (Geselle) und Christian Hormann (Betriebsleiter und Ausbilder).
Foto: Handwerkskammer

Oldenburg (pm) Bei Stefan Sinnhuber und Christian Hormann, Geschäftsführer und Betriebsleiter von „deine Autowerkstatt“ in Oldenburg-Osternburg, Gutenbergstraße 8, bekommt jeder eine Chance. „Wir sind ein gemeinnütziger Betrieb, der sich auf die Ausbildung von schwer zu vermittelnden Jugendlichen konzentriert“, erklärt Sinnhuber. Der Spruch aus der Imagekampagne des deutschen Handwerks „Bei uns zählt nicht wo du herkommst, sondern wo du hinwillst“ passe also hundertprozentig auf sie.

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Die Werkstatt ist eine GmbH des Sozialwerks der Freien Christengemeinde, deren Gründungsmitglied Sinnhuber ist. „Unser Anspruch ist es, Menschen in ihren Lebenssituationen zu helfen und ihnen wieder eine Perspektive außerhalb des Niedriglohnsektors zu bieten“, so Sinnhuber. Wie könne das besser gelingen, als jemandem, den kein anderer Betrieb einstellen würde, ein Praktikum mit Aussicht auf einen Ausbildungsplatz anzubieten?

Die Jugendlichen kommen von der Arbeitsagentur, dem Migrationscenter, von Schulen oder über Empfehlungen in die Werkstatt in Osternburg. „Jeder bewirbt sich zunächst mit einem Anschreiben und wird dann zum Gespräch eingeladen. Daran schließt sich in den meisten Fällen direkt ein zweiwöchiges Praktikum an. Hier schauen wir, ob der Wille und die Motivation da sind, den Beruf zu erlernen. Wenn wir das erkennen, geht es über die Einstiegsqualifizierung (ein Langzeitpraktikum) zum Lehrvertrag“, erläutert Sinnhuber den Ablauf.

Von den Ausbildern wird viel Fingerspitzengefühl und ein höherer Betreuungsaufwand verlangt. „Es ist eine Gratwanderung zwischen fördern, fordern und motivieren. Man muss ihnen die eine oder andere Chance mehr einräumen, am Ende aber auch konsequent sein“, weiß Hormann, der für die Ausbildung zuständig ist. Dazu gehöre auch, dass häufiger persönliche Gespräche stattfinden. Außerdem ist der Freitagnachmittag komplett dem Nacharbeiten des Berufsschulstoffs gewidmet, da viele keinen Schulabschluss und deshalb Nachholbedarf haben. Dem Betriebsleiter geht es vor allem darum, Werte und den Spaß an der Arbeit zu vermitteln. „Wir möchten den jungen Menschen beibringen, dass ihre Arbeit einen Wert hat und ihnen darüber Selbstbewusstsein geben. Außerdem ist es uns wichtig, dass sie hier ein Wir-Gefühl bekommen: Wir sind alle ein Team und wir ziehen alle am selben Strang.“

Im Arbeitsalltag haben die Jugendlichen dann die gleichen Pflichten wie alle Auszubildende. Denn trotz des integrativen Ansatzes ist die Werkstatt ein ganz normales Unternehmen, das Umsatz erwirtschaften muss, um Kosten zu decken. „Wir nehmen nicht nur jeden als Azubi, sondern auch jeden als Kunden“, lacht Sinnhuber und räumt damit das Vorurteil aus, dass eine gemeinnützige Werkstatt auch nur von gemeinnützigen Einrichtungen genutzt wird. Vom Reifenwechsel über die Reparatur eines Unfallschadens, Wartung oder Inspektion werden alle Arbeiten einer Kfz-Werkstatt durchgeführt.

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