Wirtschaft

Fernbusse: Mitfahrzentralen sind größte Konkurrenz

Zogen eine Zwischenbilanz zur Liberalisierung des Fernbusverkehrs: Dr. Christiane Ratjen-Damerau, Patrick Döring und Christoph Marquardt.

Zogen eine Zwischenbilanz zur Liberalisierung des Fernbusverkehrs (von links): Dr. Christiane Ratjen-Damerau, Patrick Döring und Christoph Marquardt.
Foto: Anja Michaeli

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Oldenburg/am – Vor einem halben Jahr wurde der Fernbuslinienverkehr liberalisiert. Gemeinsam mit Patrick Döring (Generalsekretär der FDP) und Dr. Christiane Ratjen-Damerau (MdB, FDP) zog Publicexpress-Chef Christoph Marquardt in Oldenburg eine Zwischenbilanz. 158 Liniengenehmigungen seien bisher bundesweit erteilt worden, 61 Anträge noch offen, so Döring. Trotz der positiven Entwicklung hat Marquardt Forderungen an die Politik.

Publicexpress ist vornehmlich im Norden unterwegs. Die Hauptlinien fährt zwischen Bremen und Groningen (fast) im Zwei-Stunden-Takt. Es wurden Anschlussstellen nach Hamburg, Berlin und Aurich eingerichtet, außerdem wird die Strecke Mannheim – Straßburg befahren. „Wir sind dabei die Linien weiter auszubauen“, so Marquardt. Die meisten seiner Fahrgäste sind unter 30 oder über 50 Jahre. Pendler, Flugreisende und Menschen ohne Auto nutzen das Busangebot.

Aber es gibt Probleme. Die Busbahnhöfe und Haltestellen sind in vielen Städten häufig unzureichend oder gar nicht vorhanden. Zahlreiche Städte weigern sich regelrecht, Verbesserungen vorzunehmen. Die Infrastruktur müsse dringend verbessert werden, fordert Marquardt. Das gelte auch für die Haltestellen in Oldenburg, insbesondere in der Karlstraße. „Es gibt dort jeden Tag brenzlige Situationen zwischen den Ein- und Aussteigenden, den Fußgängern und Radfahrern“. Es müsse gehandelt werden. „Die öffentliche Hand kann sich da nicht aus der Verantwortung ziehen. Die Kommunen profitieren massiv von dem Angebot. Dabei fahren wir ohne jegliche Zuschüsse und müssen nicht auch noch für die Infrastruktur sorgen. Wir bringen Kaufkraft in die Städte.“ Döring stimmt ihm zu: „Zentrale Omnibusbahnhöfe sind klassische kommunale Aufgaben. Wenn Oldenburg Planungen anstrebt, einen Investor findet oder selbst invenstiert, kann die Stadt Mittel anmelden. Von Bundesseite aus gesehen, ist erst einmal alles da.“

Weiter fordert Marquardt einen diskriminierungsfreien Zugang zu den öffentlich finanzierten bundesweiten Fahrplanauskunftssystemen. „Das ist überfällig“. Die Fahrplandaten müssten auf Bundesebene übernommen werden. Das Management würde über die Länder öffentlich finanziert und müssen allen Betreibern zur Verfügung stehen. Die Integration aller Fahrplandaten unternehmsübergreifend ist eine Notwenigkeit für verbraucherfreundliche Information. Diese Initiative wird von der Deutschen Bahn, als Dienstleister der Länder, bislang behindert und geblockt.

Auf die Befürchtungen der Bahn Passagiere an die Billigkonkurrenz zu verlieren antwortet Marquardt mit statistischen Zahlen: „Die Zahl der Bahnverkehrskunden wuchs um 345.000 auf 30,7 Millionen. Die Verkehrsleistung nahm gar um 2,1 Prozent zu und erreichte 8,5 Milliarden Personenkilometer. Das bedeutet: Allein der Zuwachs, den die Bahn im Vergleich vom ersten Quartal 2012 mit dem ersten Quartal 2013 erreichte, lag bei mehr als 60 Prozent der Kundenzahl, die der Fernlinienbus überhaupt erreicht.“ Die Bahn hat ihr Ergänzungsangebot zum Schienenverkehr „BEX“ und „Autobus“ mit „IC Bus“ im Frühjahr ausgebaut. „Einige sind immer noch streng schienengläubig, obwohl der Verkehr auch bei der Bahn wächst. Ich habe nie verstanden, warum der Widerstand so groß war“, sagt Döring, „die Deutsche Bahn ist jetzt der zweitgrößte Anbieter der Fernbuslinien“. Bewiesen sei, dass der Fernbuslinienverkehr den Fernbahnverkehr nicht verdrängt.

Heute streben zudem die Post und der ADAC auf den Markt. Mittlerweile gäbe es auch Angebote mehrerer internationaler Großkonzerne, so Marquardt, zurzeit würde eine Spezialisierung hin zu Komfort oder zu günstigen Fahrten einsetzen. „Unsere größte Konkurrenz sind die Mitfahrzentralen und die privaten Pkw“, betont der Publicexpress-Chef.

Auf die Zukunft in Sachen Verkehr aus liberaler Sicht angesprochen, erklärt Döring, dass nach den Erfahrungen in Mainz jetzt erst einmal sichergestellt werden müsste, dass kein Geld mehr aus den Infrastrukturmitteln des Bundes zweckentfremdet wird.

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1 Kommentar

  1. robert nähle
    16. September 2014 um 14.38