Ausbildung

Noch 200 unbesetzte Lehrstellen zu vergeben

Auch das Handwerk im Oldenburger Land spürt die abnehmende Nachfrage nach Lehrstellen. Dabei bietet es interessante Karrierewege wie zum Beispiel im Orthopädiebereich.

Auch das Handwerk im Oldenburger Land spürt die abnehmende Nachfrage nach Lehrstellen. Dabei bietet es interessante Karrierewege wie zum Beispiel im Orthopädiebereich.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg (zb) – Kurz nachdem das neue Lehrstellenjahr begonnen hat, sind bundesweit rund 24.000 Lehrstellenplätze in allen Bereichen unbesetzt. Das sind etwa 3000 mehr als im Vorjahr. Auch im Kammerbezirk der Handwerkskammer Oldenburg (HWK) gibt es noch rund 200 unbesetzte Lehrstellen im Handwerk.

„Zum 31. August sind im Kammerbezirk 2578 Lehrverträge im Handwerk abgeschlossen worden. Das waren exakt 17 Verträge oder 0,7 Prozent weniger als im Vorjahr“, berichtet Bildungsreferent Wolfgang Jöhnk. In Delmenhorst und dem Landkreis Oldenburg wurden 287 neue Lehrverträge abgeschlossen, genauso viele wie im Vorjahr. In der Stadt Oldenburg waren es 315, das sind 30 Verträge weniger als 2013.

In der Wesermarsch kann die HWK ein Plus von 23 Prozent feststellen. „Allerdings muss man wissen, dass wir im vergangenen Jahr dort einen Einbruch von 25 Prozent hatten. Das heißt, jetzt haben wir dort wieder normale Verhältnisse“, klärt Jöhnk auf. Im Landkreis Cloppenburg lag die Zahl der abgeschlossenen Verträge bei 543, im vergangenen Jahr waren es 531. Im Landkreis Vechta wurden 438 Verträge abgeschlossen, 24 weniger als 2013.

Grundsätzlich ist Jöhnk zufrieden mit der Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge. Denn die Lage hat sich auch im Bezirk der HWK-Oldenburg spürbar verändert, sagt er. „In der Vergangenheit war es normal, dass sich auf eine Lehrstelle 30 Schulabgänger beworben haben. Heute sind es häufig nur zwei oder drei Bewerber.“ Auch wenn dieser Trend bundesweit viel ausgeprägter ist als in unserer Region, so geht Jöhnk davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit sein wird, bis es auch hier Engpässe bei der Lehrlingsausbildung geben wird.

Manchmal scheitert es am Ort, der für die Jugendlichen nicht erreichbar ist. Doch das ist nicht der Hauptgrund. „Vielmehr ist der Trend zum Studium extrem ausgeprägt“, sagt er, obwohl wir von hohen Abbrecherquoten wissen. Das heißt, die jungen Leute sind dann nur verzögert auf der Suche nach einer geeigneten Berufsausbildung. Manchmal wäre es vielleicht klüger, erst ein Handwerk zu lernen und danach noch zu studieren, um später ins Handwerk zurück zu kehren und einen Betrieb zu übernehmen oder eine Führungsposition zu bekleiden“, meint er.

Doch die Berufswahl hat nach wie vor viel mit Prestige und Image zu tun. Ein Studium halten vor allem auch Eltern immer noch für erstrebenswerter als eine Berufsausbildung, selbst wenn ihre Kinder dort zu scheitern drohen. Dabei steht der Handwerksmeister mit dem Bachelorabsolventen auf einer Niveaustufe. Macht der seinen Fachwirt, steht er mit dem Masterabsolventen auf einem Niveau. Die HWK stellt sich deshalb auf die Studienabbrecher ein und bietet ihnen anspruchsvolle Lehrstellen an. Genau die können derzeit nicht immer besetzt werden, denn dort sind die Anforderungsprofile recht hoch. Das gilt z.B. für Elektroniker oder Anlagenmechaniker.

Dass es in Gymnasien keine Berufsorientierung gibt, bedauert Jöhnk. „Schließlich wollen nicht alle Abiturienten studieren. Da wäre es gut, wenn sie eine Vorstellung von der Vielfalt der Ausbildungsberufe im Handwerk hätten“, findet er. Tatsächlich gibt es viele Bereiche im Handwerk, die sich kaum von der Industrie unterscheiden und nicht nur ausgesprochen anspruchsvoll sind sondern auch interessante berufliche Möglichkeiten beinhalten.

„Die Betriebe können an dieser Entwicklung kaum etwas ändern“, sagt Jöhnk und rät ihnen, sich schnell auf die Mangelsituation einzustellen. „Sie müssen einfach mehr in ihre Azubis investieren, ansonsten gibt es keinen Handwerkernachwuchs. Dass große Betriebe das vielfach schon getan haben, hat sich unter Jugendlichen herumgesprochen. Es seien eher die kleineren Betriebe, die Probleme mit der Lehrstellenbesetzung haben, berichtet Jöhnk.

Er weiß wie stark Jugendliche miteinander vernetzt sind und sich Nachrichten über die Qualität der Ausbildungsbetriebe herumsprechen. „Wichtig ist zudem zu wissen, wie junge Leute ticken“, sagt er. „Die Zeiten haben sich gewandelt und somit auch der Umgang mit ihnen.“ Damit möglichst viele Ausbildungsbetriebe auch den passenden Umgang praktizieren, hat die HWK jetzt eine Qualitätsoffensive gestartet. „In Workshops und Seminaren informieren wir unsere Mitgliedsbetriebe rund um das Thema Ausbildung und geben ihnen konkrete Hilfestellung. Außerdem arbeiten wir an einem Güte- und Qualitätssiegel für Ausbildungsbetriebe. Das ist eine landesweite Aktion. Derzeit finden bereits Pilotprojekte statt“, berichtet Jöhnk.

Für ihn ist klar, nur wer eine gute Ausbildungsqualität bietet, bekommt auch gute Azubis. „Deshalb müssen wir Betrieben dabei behilflich sein, sich optimal für die Lehrlingsausbildung aufzustellen.“ Bis Ende Oktober können die freien Lehrstellen noch besetzt werden. Interessierte können sich an die HWK wenden oder an die örtlichen Arbeitsagenturen.

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1 Kommentar

  1. Jens
    17. Oktober 2014 um 0.00

    Heutzutage muss ja schon ein williger zur Maurerlehre mindestens Abi haben…