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Oldenburg und Ex-Provinz frischen Beziehungen auf

Eine ebenso traditionsreiche wie kuriose Verbindung könnte im Jubiläumsjahr eine unverhoffte Auffrischung erfahren: 200 Jahre nach dem Beginn und 80 Jahre nach der amtlichen Trennung.

Kontakte zum Jubiläum (von links): Claudia Kossendey, Landschaftspräsident Thomas Kossendey, Caroline und Christian von Oldenburg, Landrat Matthias Schneider und Staatsekretär Randolf Stich vom rheinland-pfälzischen Innenministerium im April bei der Festveranstaltung in Birkenfeld.
Foto: Karsten Schultheiß / Kreisverwaltung Birkenfeld

Oldenburg / Birkenfeld (Michael Exner) Eine ebenso traditionsreiche wie kuriose Verbindung könnte im Jubiläumsjahr eine unverhoffte Auffrischung erfahren: 200 Jahre nach dem Beginn und 80 Jahre nach der amtlichen Trennung. Der rheinland-pfälzische Landkreis Birkenfeld, einst Provinz des Großherzogtums Oldenburg, und das Oldenburger Land knüpfen dezent neue Verbindungen.

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Die gemeinsame Geschichte begann als historische Schmonzette. Nach der endgültigen Niederlage Napoleons teilten die Sieger auf dem Wiener Kongress die Beute und entschädigten die vom Franzosenkaiser Gebeutelten. Zu den Entschädigten gehörte Oldenburgs Herzog Peter Friedrich Ludwig. Er gewann bei der Lotterie zwei Preise: das Recht, den Titel Großherzog zu führen (von dem er Zeit seines Lebens keinen Gebrauch machte), und ein Gebiet „mit 20000 Seelen“. Das lag unglücklicherweise 400 Kilometer entfernt im ehemaligen französischen Saardepartement an der Nahe und nicht in Nachbarschaft von Weser und Hunte. Eigentlich hatte der Herzog auf Ostfriesland gehofft, aber England und Hannover waren anderer Ansicht, und die erhoffte Unterstützung vom Vetter Zar Alexander blieb aus. Dem Oldenburger war schon klar, dass sich der Zuwachs eher als Trostpreis darstellte. „Was soll ich mit den Leuten und was sollen sie mit mir“, klagte er und moserte noch über die „klugen Seelenverkäufer in Wien“. Dennoch: Nach einigem Zögern nahm er im April 1817 das „Fürstentum Birkenfeld“ in Besitz.

Es wurde eine glückliche Beziehung, in der die Birkenfelder allerdings den besseren Schnitt machten. Die Oldenburger bauten ein Schloss (wie der Regierungssitz leicht euphemistisch genannt wird), eine Infanteriekaserne (in der nach Einführung der Wehrpflicht die furchteinflößende Streitmacht von 32 Soldaten ständig unter Waffen stand) und das nach der Großherzogin benannte Elisabeth-Krankenhaus; sie reformierten das Bildungswesen und die Landwirtschaft, sie schufen das erste Katasterwerk, und auch die von ihnen gegründete „Ersparungs-Casse“ verriet mit ihrem vorübergehenden Namen „Landesparkasse zu Birkenfeld“, dass die ältere oldenburgische Schwester Modell gestanden hatte.

Die Verbindung überstand Reichsgründung und Ersten Weltkrieg, Novemberrevolution und Weimarer Republik. Sie endete erst 1937, als die Nationalsozialisten mit dem sogenannten Groß-Hamburg-Gesetz eine Gebietsreform einleiteten und dabei auch den Landkreis Birkenfeld verselbstständigten. Die Oldenburger erhielten zum Ausgleich die Stadt Wilhelmshaven, deren Terrain sie 1853 als öden Küstenstreifen an die Preußen verkauft hatten.

Zum Jubiläum knüpfen beide Seiten neue Kontakte. Erst schickten die Birkenfelder im Vorjahr eine Abordnung zum Landschaftstag der Oldenburgischen Landschaft nach Cloppenburg. Dann kam eine Delegation mit Landschaftspräsident Thomas Kossendey an der Spitze zum Gegenbesuch – unter anderem in die Oldenburg-Ausstellung im Landesmuseum Birkenfeld. Kossendey hielt auch die Festrede bei der offiziellen Feier im April in Birkenfeld, an seiner Seite Christian Herzog von Oldenburg und Herzogin Caroline. Im Juli folgte der Oldenburger Landesverein mit einer Gruppe. Ein weiterer Birkenfelder Besuch hierzulande steht an. Und der Landschaftspräsident möchte die mit 28.000 Köpfen größte Stadt des 80.000-Einwohner-Kreises einbeziehen: Idar-Oberstein, ein Edelstein-Zentrum, dem man heute ansieht, dass es vor längerer Zeit mal wohlhabend gewesen sein muss. Kossendey denkt dabei an eine Ausstellung unter dem Motto „Edelsteine aus Oldenburg“.

Möglicherweise ergeben sich aber auch zukunftsweisende Anknüpfungspunkte. Im Kreis Birkenfeld entsteht derzeit (ganzer Stolz von Landrat Matthias Schneider) das größte chinesische Geschäftszentrum Europas. Auf einem acht Hektar großen ehemaligen US-Militärgelände baut eine Investorin aus Shenzen an einem Komplex, der aktuell 160 Firmen beherbergt (mit deren Ansiedlung sich bereits 500 Chinesen im Kreis niederließen) und im Endstadium Platz für 500 Unternehmen bieten soll. Und China ist schließlich in der Stadt Oldenburg seit geraumer Zeit ein Wirtschaftsthema.

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