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Mehr Wissen über das Alter

Heimke Möhlenhof hat sich den Alterssimulationsanzug übergezogen und versucht mit Hilfe von Delia Balzer und Regina Neuke aus dem Sessel zu kommen.

Heimke Möhlenhof hat sich den Alterssimulationsanzug übergezogen und versucht mit Hilfe von Delia Balzer (links) und Regina Neuke aus dem Sessel zu kommen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Die „Zukunft erleben“ konnten im Rahmen eines Workshops Bürgermeister, Ratsmitglieder und Verwaltungsmitarbeiter bei Gemeinden, Städten und Landkreisen. Die Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag (LINGA) hatte ins Oldenburger Informatikinstitut Offis eingeladen, wo die kommunalen Entscheider in eine generationengerechte Zukunft unterwegs waren.

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„Uns geht es um vielfältige Anregungen und praktische Beispiele für die eigenen kommunalen Herausforderungen“, sagt Projektleiterin Delia Balzer von LINGA. „Also um soziale Innovationen für alle Generationen, denn das, was älteren Menschen nützt, tut oft auch jüngeren Leuten gut“, sagt sie und hält nichts davon, das Alter oder Altwerden zu stigmatisieren. „Wir wollen für die Chancen sensibilisieren und sowohl Wissenschaft als auch Wirtschaft mit ins Boot holen.“

Die Wissenschaft hat die Herausforderungen längst erkannt. Deshalb fand der Workshop im Offis statt, weil hier ein „Wohnlabor“ existiert, indem sich die Teilnehmer intensiv umgesehen haben. Die Zwei-Zimmerwohnung sieht aus wie jede andere Wohnung. Tatsächlich denkt sie aber unaufdringlich mit. In dem Moment, wo sie abgeschlossen wird, sind automatisch auch alle Herdplatten, Bügeleisen oder sonstige Gefahrenquellen außer Kraft gesetzt. Selbst Fenster können so geschlossen werden. „Es geht darum, die Wohnung nach dem Verlassen sicher zu machen und davon können auch jüngere Menschen profitieren, denn jeder von uns kann mal etwas vergessen“, sagt Jochen Meyer, Bereichsleiter Gesundheit im Offis.

Um die Verantwortlichen in den Kommunen für die Anforderungen des Alters zu sensibilisieren, setzt LINGA auch den Alterssimulationsanzug „GENIAAL Altern“ ein. Der Anzug macht die Wahrnehmungswelt älterer Menschen durch Einschränkung des Sehens, Bewegens, Hörens und der Kraft, erlebbar. Heimke Möhlenhof, Seniorenbeauftragte aus Bassum, stellt fest, wie schwer es ist, mit dem Anzug aus einem tiefen Sessel aufzustehen. „Das ist schon beeindruckend, für eine begrenzte Zeit buchstäblich in neuen Zustand zu schlüpfen. Man wird sensibler“, sagt sie.

„Diese Zeitreise in die Zukunft des Alters hilft, Bedürfnisse Älterer besser zu verstehen und Ideen zu entwickeln, wie Wohnumfeld, Produkte und Dienstleistungen generationengerecht gestaltet werden können“, findet Regina Neuke, Bürgermeisterin aus Lemwerder, die durch den Workshop sehr viele Ideen mitgenommen hat. „Hier haben wir die generationenfreundliche Brille aufgesetzt, Probleme konstruktiv gelöst und nicht das Rad neu erfunden“, fasst sie zusammen.

Dass das nötig ist, belegen auch die Zahlen. 2030 werden ein Drittel der Deutschen älter als 65 sein. „In Lemwerder mit seinen 7000 Einwohnern sind es gegenwärtig rund 20 Prozent und in 15 Jahren 30 Prozent“, bestätigt Regina Neuke. Um auf den demografischen Wandel gut vorbereitet zu sein, können Kommunen bei der LINGA Beratung und Unterstützung anfordern.

„Durch innovative Ansätze bei der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen und unter Einbeziehung moderner Technologie, birgt der Wandel unserer Gesellschaft auch vielfältige Chancen“, macht Delia Balzer klar. „Deshalb will die Landesinitiative in Niedersachsen ein Bewusstsein für die neuen sozialen und wirtschaftlichen Chancen einer Gesellschaft des langen Lebens schaffen.“

Produkte und Dienstleistungen, so räumt sie ein, seien allerdings bei weitem nicht an die Bedürfnisse älterer Menschen angepasst. „Hier liegt eine Vielzahl ungenutzter Potenziale, die innovativen Unternehmen neue Chancen eröffnet“, sagt sie und hofft, dass Unternehmen schnell reagieren und den Zukunftsmarkt für sich entdecken.

Über LINGA

Seit 2006 arbeiten unter dem Dach der LINGA mehr als 70 Unternehmen, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, Initiativen, Wirtschaftsverbände und Seniorenvertretungen auf Landes- und Bundesebene zusammen. Das kostenfreie Netzwerk wird durch das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration gefördert. Projektträger ist die Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum GmbH (BITZ). Weitere Informationen unter www.linga-online.de.

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