Wie sicher ist Oldenburg? Zwischen Zahlen und Sicherheitsgefühl

Wie sicher ist Oldenburg – und wie sicher fühlen sich Menschen im öffentlichen Raum? Die OOZ geht der Frage in einer neuen Serie aus verschiedenen Perspektiven nach.
Foto: Christian Kruse

Sicherheit spielte im Oldenburger Kommunal- und Oberbürgermeisterwahlkampf eine sichtbare Rolle. Dabei ging es unter anderem um mehr Videoüberwachung, stärkere Präsenz im öffentlichen Raum und Prävention. Die Wahl ist vorbei, die politischen Fragen bleiben. Für die OOZ ist das der Anlass, genauer hinzuschauen: Wie sicher ist Oldenburg tatsächlich – und deckt sich die messbare Kriminalitätslage mit dem Sicherheitsgefühl der Menschen?

Besonders deutlich wurden die unterschiedlichen Ansätze bei der Videoüberwachung. Die SPD forderte in ihrem Kommunalwahlprogramm zusätzliche überwachte Bereiche am Lappan und am Schlossplatz. Die CDU sprach sich für eine gezielte Ausweitung an klar definierten Kriminalitätsschwerpunkten aus, insbesondere in der Innenstadt. Der künftige Oberbürgermeister Jascha Rohr, von Bündnis 90/Die Grünen nominiert und von der CDU unterstützt, setzt in seinem eigenen Wahlprogramm einen anderen Schwerpunkt: Er will den Präventionsrat stärken und Citywache sowie Ordnungsdienst abgestimmt einsetzen – auch abends und am Wochenende dort, wo es nötig ist.

Anzeige

Weniger Straftaten – aber nicht überall

Die jüngsten vollständigen Zahlen für Oldenburg stammen aus der im März 2026 veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik und beziehen sich auf das Jahr 2025. Im Stadtgebiet wurden 12.772 Straftaten registriert. 2024 waren es 13.898. Die Fallzahl ging damit um 8,1 Prozent zurück. Auch die Häufigkeitszahl, also die Zahl der registrierten Straftaten je 100.000 Einwohner/innen, sank von 7.959 auf 7.232.

Hinter dem Gesamtwert verbergen sich allerdings gegenläufige Entwicklungen. Einen erheblichen Anteil am Rückgang hatten die Diebstähle: Ihre Zahl sank von 5.599 auf 4.694 Fälle. Damit machten sie weiterhin knapp 37 Prozent aller registrierten Straftaten aus.

Bei den sogenannten Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit ging die Entwicklung dagegen nach oben. Dazu zählen unter anderem Körperverletzung, Raub, Erpressung, Bedrohung, Nötigung und Nachstellung. Die Polizei registrierte 2.242 Fälle nach 2.107 im Vorjahr. Allein auf Körperverletzungen entfielen 1.472 Fälle.

Auch die Zahl der polizeilich registrierten Fälle häuslicher Gewalt nahm zu. Für das Stadtgebiet weist die Statistik 618 Fälle aus, 2024 waren es 525. Das entspricht einem Anstieg um 17,7 Prozent. Von den registrierten Körperverletzungen standen 415 im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt.

Damit lässt sich aus dem Rückgang der Gesamtzahl allein weder ableiten, dass jedes Kriminalitätsproblem kleiner geworden ist, noch dass Oldenburg generell unsicherer geworden wäre.

Wo Oldenburg im Vergleich steht

Auch die Häufigkeitszahl braucht einen Vergleich. Für Niedersachsen insgesamt lag sie 2025 bei 6.329 Straftaten je 100.000 Einwohner/innen und damit unter dem Oldenburger Wert von 7.232. Ein Vergleich von Großstadt und Landesdurchschnitt ist allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig, weil in den Landeswert auch ländliche Gebiete mit deutlich geringerer Kriminalitätsbelastung einfließen.

Unter den acht kreisfreien Städten Niedersachsens liegt Oldenburg mit einer Häufigkeitszahl von 7.232 dagegen unter dem gemeinsamen Wert von 8.116. Niedrigere Werte weisen lediglich Delmenhorst und Salzgitter auf.

Auch das beantwortet die Frage nach der Sicherheit einer Stadt nicht abschließend. Die PKS erfasst nur Straftaten, die der Polizei bekannt werden. Taten, von denen sie keine Kenntnis erhält, erscheinen nicht in der Statistik. Zudem wird ein Fall erst nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen bei der Abgabe an die Staatsanwaltschaft statistisch erfasst.

Sicherheit und Sicherheitsgefühl sind nicht dasselbe

Auf Anfrage der OOZ verweist die Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland genau auf diese Trennung. Die Polizei erfasse die ihr bekannt gewordenen Straftaten und könne auf dieser Grundlage Aussagen zur objektiven Sicherheitslage treffen. „Das subjektive Sicherheitsgefühl kann hiervon durchaus abweichen“, teilte die Polizei mit. Dieses werde von ihr nicht erhoben, belastbare Angaben dazu könne sie deshalb nicht machen.

Landesweit gibt es allerdings Daten dazu. Erst Ende September veröffentlichte das Landeskriminalamt Niedersachsen die Ergebnisse seiner Befragung zu Sicherheit und Kriminalität 2025. Rund 16.900 Menschen nahmen daran teil. Gegenüber der vorherigen Befragung haben Unsicherheitsgefühl und Kriminalitätsfurcht zugenommen – die höchste Unsicherheit wurde nachts im öffentlichen Nahverkehr festgestellt. Die Ergebnisse sind unter anderem auf Ebene der sechs niedersächsischen Polizeidirektionen repräsentativ, erlauben aber keine Aussage speziell für die Stadt Oldenburg.

Damit beginnt die eigentliche Frage. Ob Frauen bestimmte Wege nach Einbruch der Dunkelheit meiden, wie Menschen den Bahnhof oder einzelne Plätze erleben oder welchen Einfluss Beleuchtung, sichtbare Präsenz und Videoüberwachung haben, lässt sich aus der Oldenburger Kriminalstatistik nicht ablesen. Umgekehrt lässt sich aus einem als unangenehm oder bedrohlich empfundenen Ort allein noch keine besondere Kriminalitätsbelastung ableiten.

Die OOZ geht der Frage weiter nach

Deshalb wird die OOZ das Thema Sicherheit in den kommenden Wochen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Ein ausführliches Gespräch mit Thomas Weber, dem Leiter der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland, soll sich unter anderem mit Kriminalitätsschwerpunkten, Prävention sowie den Möglichkeiten und Grenzen polizeilicher Arbeit beschäftigen.

Auch die Sicherheit bei einer großen Veranstaltung soll Thema der Serie werden. Dafür will die OOZ den Lamberti-Markt in den Blick nehmen.

Eine weitere Perspektive soll ein Stadtspaziergang für Frauen durch die Oldenburger Innenstadt eröffnen. Dort geht es um Orte, die Unsicherheit auslösen können, und um die Frage, welche Rolle etwa Dunkelheit, Gestaltung und Übersichtlichkeit des öffentlichen Raums spielen.

Die Ausgangsfrage bleibt bei allen Teilen dieselbe: Wie sicher ist Oldenburg – und woran lässt sich das überhaupt festmachen?

Mehr aus diesem Ressort
OldenburgÜber eine Million Besucher beim Oldenburger KramermarktOldenburgOfener Straße drei Wochen voll gesperrtOldenburgLandesmuseum zeigt Realität und Visionen
StartseiteKommentieren
Weitere Artikel
NachrichtenDax weiter im Plus – Belastungsfaktoren bleibenNachrichtenFlughafen Nürnberg wegen „Luftnotlage“ gesperrtNachrichtenViel Streit bei EU-Gipfel erwartetNachrichtenGespräch zwischen Linkspartei und Vonovia-Chef abgesagtNachrichtenSöder fordert nach Bas-Rücktritt mehr Tempo von der KoalitionNachrichtenBGH bestätigt Urteil wegen Kokain-Schmuggel durch Hamburger Hafen

Anzeige

StellenmarktJobs in OldenburgAktuelle Stellenangebote aus Oldenburg und der Region.LokalesNachrichten aus OldenburgAlle Meldungen aus der Stadt auf einen Blick.Immer informiertWhatsApp-KanalDie wichtigsten Nachrichten direkt aufs Handy.MenschenOldenburger/in des MonatsJeden Monat ein besonderes Gesicht der Stadt.
Im FokusTopthemenKramermarktUOdMVerkehr
Social MediaFolge unsFacebookInstagramYouTubeTikTok