Oldenburg

Schwangerschaftsabbruch aus sozialen Gründen

Doris Kern und Antje Heinemann-Sanders von pro familia hören zu und beraten.

Doris Kern und Antje Heinemann-Sanders (von links) von pro familia hören zu und beraten.
Foto: privat

Oldenburg (zb) Schwangere Frauen, die sich für eine Abtreibung entscheiden, geben als Grund häufig soziale Probleme an. Das geht aus dem Jahresbericht 2013 der Oldenburger Beratungsstelle von pro familia hervor, der jetzt vorgestellt wurde.

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Auch im 40. Jahr des Bestehens der Beratungsstelle standen die Bereiche Schwangerschaftskonfliktberatung und Schwangerenberatung im Mittelpunkt der Arbeit. Insgesamt führte das Team im vergangenen Jahr 1974 Beratungen durch. Der Großteil, 1126, entfielen dabei auf den Bereich der Schwangerenberatung, 375 auf die Schwangerschaftskonfliktberatung.

Während im ersten Bereich die Fragen und Beratungen rund um das Thema Schwangerschaft im Vordergrund stehen, zum Beispiel nach Ansprüchen auf Leistungen, dreht sich in der Konfliktberatung alles um die Frage eines Schwangerschaftsabbruchs. In der Schwangerenberatung handelte es sich überwiegend um verheiratete Paare zwischen 22 und 34 Jahren.

284 Ratsuchende hatten bereits ein oder mehrere Kinder, die Mehrzahl war entweder Vollzeit erwerbstätig oder arbeitslos gemeldet. Der Anteil der Minderjährigen zwischen 14 und 17 Jahren fiel mit 32 Personen gering aus.

„Die berufliche Situation stellt das Hauptproblem dar“, berichtet Antje Heinemann-Sanders, Leiterin von pro familia. „Viele der betroffenen Frauen haben gerade eine Ausbildungsstelle gefunden bzw. ein Studium aufgenommen oder nur befristete Verträge. Wegen ihrer beruflichen Unsicherheiten und der daraus resultierenden unsicheren finanziellen Lage entscheiden sich die meisten für einen Abbruch.“ Nicht selten befänden sich die Frauen zudem in privaten Umbruchsituationen wie die Trennung vom Partner.

Fehlende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder seien nicht mehr das Hauptproblem. „Es gibt aber auch zahlreiche Frauen, die sich trotz aller Hürden für das Kind entscheiden und sich bei uns über Hilfen und Zuschüsse informieren“, sagt Heinemann-Sanders.

In der Konfliktberatung wurden 375 Ratsuchende gezählt. 158 waren allein lebend mit oder ohne Kind, 105 lebten in einer ehelichen Gemeinschaft, 92 davon mit Kind. Das Gros entstammte der Altersgruppe 27 bis 34 Jahren, zwölf waren minderjährig. „Minderjährige sind in der Beratung in der Minderzahl“, berichtet Heinemann-Sanders. Regional gesehen kommt die Mehrheit, etwa 63 Prozent der Ratsuchenden, aus der Stadt Oldenburg und der Rest aus dem Umland.

Das Schulprojekt „Partnerschaft und verantwortliche Elternschaft“, das von der Stadt Oldenburg finanziert wurde und seit vier Jahren fester Bestandteil im Lehrplan der weiterführenden Schulen ist, wurde gut angenommen. 75 Schüler haben sich 2013 zur Teilnahme entschieden. Im Bereich der Sexualpädagogik wurden im abgelaufenen Jahr 1299 Schüler in der Beratungsstelle rund um Fragen zu Freundschaft, Partnerschaft, Liebe, Sexualität und Aids beraten.

„Die Schülerinnen und Schüler wissen theoretisch Bescheid“, sagt Psychologin Doris Kern. „Doch in der Praxis stellt sich vieles oft anders dar.“ Jugendliche müssten eine eigene Haltung zu Beziehungen entwickeln und lernen, dass Sex- und Lebenspartner nicht ständig zur Verfügung stünden, was ihnen – vor allem auch im Internet – gerne suggeriert würde. Die Beratungsstelle hilft Jungen und Mädchen im Rahmen der sexualpädagogischen Projekte bei ihren Themen und Fragestellungen.

Ein neues Thema ist die vertrauliche Geburt. Statt der bisher nur anonymen Geburt können Schwangere seit dem 1. Mai eine Beratung durch eine Beratungsstelle in Anspruch nehmen. Im Anschluss kann der Ort bestimmt werden, wo das Kind zur Adoption gegeben werden soll. „Die Berater sind die einzigen, die die Person kennen“, erklärt Heinemann-Sanders. Beim Land werden die Daten dann unter einem Pseudonym hinterlegt, das wiederum nur die Berater kennen. Mit 16 besteht die Möglichkeit für die Kinder, die Mutter kennenzulernen. Sie kann das allerdings im Vorfeld auch ablehnen. „Bei diesem Verfahren steht die Frau im Vordergrund. Sie kann entscheiden, was geschehen soll“, sagt Heinemann-Sanders. Zudem solle mit dem Gesetz verhindert werden, dass Kinder einfach ausgesetzt würden.

Die Beratungsstelle feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Vor 40 Jahren war sie eine von vier Modellberatungsstellen in Niedersachsen. Insgesamt sei es ein langer Weg bis zur heutigen Stellung gewesen. „Heute erhalten wir gute Rückendeckung seitens der Stadt und der Politik“, sagt sie zufrieden. Entsprechend zuversichtlich blicken sie und ihr Team in die Zukunft.

Weitere Informationen unter www.profamilia.de.

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