Osternburg

Krabbeliges am Angelhaken

Der Hemmelsbäker Kanal ist ein beliebter Platz zum Angeln. Hier hat Jürgen Roth die Wollhandkrabbe am Haken gehabt.

Der Hemmelsbäker Kanal ist ein beliebter Platz zum Angeln. Hier hat Jürgen Roth die Wollhandkrabbe am Haken gehabt.
Foto: privat

Oldenburg (am) Wer zum Angeln geht, erwartet oder erhofft einen guten Fang – und zwar Fisch. In dieser Woche wurde Jürgen Roth aber davon überrascht, welches Tier an seinem Haken hing.

Anzeige

LzO Beratung

Der Hemmelsbäker Kanal ist neben zahlreichen anderen Stellen ein guter Platz in Oldenburg, um sein Abendessen aus dem Wasser zu ziehen. Karpfen und Rotfedern sollten es sein, als Jürgen Roth am Donnerstag seine Angel auswarf. Mit einem Mais-Köder wollte er nach einigen Fängen ein letztes Mal an diesem Tag sein Glück versuchen. Der Bissanzeiger ging unter, ein Fang! Als er die Angel einholte, staunte er: Eine Wollhandkrabbe hing am Haken. „Ich habe sie erst einmal vorsichtig mit der Zange abgemacht“, berichtet Jürgen Roth, „die Krabben sind nicht ungefährlich“. Handgroß sei die Krabbe gewesen und unglaublich schnell. Trotzdem wurde sie fotografiert, bevor sie wieder ins Wasser verschwinden konnte. Über ähnliche Erlebnisse hätten auch schon Anglerfreunde berichtet, so Roth. Neben anderen Gewässern haben sich die Wollhandkrabben bereits im großen Bornhorster See angesiedelt.

Die Wollhandkrabben

Wer zum Angeln geht, hofft auf einen guten Fang. Jürgen Roth wurde aber davon überrascht, dass eine Wollhandkrabbe an seinem Haken hing.

Die von Jürgen Roth gefangene Wollhandkrabbe.
Foto: privat

Die Wollhandkrabben stammen aus dem asiatischen Raum und wurden zu Beginn des 20. Jahrhundert vermutlich als Larven mit dem Ballastwasser von Handelsschiffen nach Europa eingeschleppt. Im Jahr 1912 wurde die Art, laut Wikipedia, erstmals in der Aller nachgewiesen. In mehreren Schüben verbreitete sie sich invasionsartig über die Nordsee in die Elbe, Weser, Ems und den Rhein. Die Ostseezuflüsse Oder und Weichsel wurden schon 1929/1930 besiedelt. In Basel, Dresden oder Prag und in den Berliner Gewässern wurden die Krabben gesehen. Mittlerweile haben sie die Mittelmeerküste erreicht, sind hier jedoch noch selten.

Die männlichen Tiere tragen einen Pelz an den Scheren, daher kommt ihr Name. Einschließlich der Beine können die Krabben bis zu 30 Zentimeter lang werden. Sie leben in Süßwasser, entwickeln sich jedoch in salzigem Wasser. Die Wollhandkrabben sind Allesfresser: Muscheln, Schnecken, kleine Fische, Wasserpflanzen oder Aas.

Die Wollhandkrabben sind bei Fischern und Anglern nicht beliebt. Sie können Reusen befallen oder die Köderfische am Grund abfressen. Netze und Schnüre werden von den Krabben durchschnitten. Ein anderes Ärgernis ist, dass sie Wohnhöhlen in die Deiche graben. Wenn die Krabben (dann Butterkrebse genannt) weich sind, das heißt sich häuten, können sie von Fischen gefressen werden und dienen mittlerweile oftmals als Köder. In der chinesischen Küche gelten sie als Delikatesse.

Vorheriger Artikel

Evangelisches Krankenhaus in Schieflage

Nächster Artikel

Wahlkampfauftakt von Bündnis 90 / Die Grünen