Oldenburg

Opfer der NS-Verbrechen: Erinnerungszeichen in Oldenburg

Setzen sich für die Oldenburger Erinnerungskultur ein (von links): Christiane Cordes, Leiterin des Amts für Kultur, Museen und Sport der Stadt Oldenburg, Dietmar Schütz, Vorsitzender der Oldenburger Bürgerstiftung, Dr. Maximilian Strnad, Koordinierungsstelle | Erinnerungszeichen als Vertreter der Landeshauptstadt München und Farschid Ali Zahedi, Werkstattfilm.

Setzen sich für die Oldenburger Erinnerungskultur ein (von links): Christiane Cordes, Leiterin des Amts für Kultur, Museen und Sport der Stadt Oldenburg, Dietmar Schütz, Vorsitzender der Oldenburger Bürgerstiftung, Dr. Maximilian Strnad, Koordinierungsstelle | Erinnerungszeichen als Vertreter der Landeshauptstadt München und Farschid Ali Zahedi, Werkstattfilm.
Foto: Sascha Stüber

Oldenburg (cb/pm) Die Stadt Oldenburg hat im Gegensatz zu vielen anderen Städten Deutschlands auf die Installation von sogenannten „Stolpersteinen“ an den letzten Wohnorten der in der NS-Zeit verfolgten ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger verzichtet. Dies geschah vor allem aus Rücksicht auf die jüdische Gemeinde, die ein Betreten und Verschmutzen der in den Gehweg eingelassenen Steine ablehnt. In Oldenburg hat man sich nun dazu entschieden, auf Erinnerungszeichen als Form des Gedenkens an die Opfer der NS-Verbrechen zu setzen.

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Dabei folgt Oldenburg dem Vorbild von München: An jenen Orten, an denen Menschen lebten und wirkten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden, werden seit 2018 Erinnerungszeichen auf Augenhöhe angebracht. Entworfen wurden die Erinnerungszeichen von stauss processform GmbH, Prof. Kilian Stauss. Es gibt sie in zwei Ausführungen: als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – auch Bilder.

Nach der Kontaktaufnahme der Oldenburger Bürgerstiftung mit den zuständigen Stellen in München haben Oberbürgermeister Dieter Reiter und Oberbürgermeister Jürgen Krogmann vereinbart, die in München etablierten Erinnerungszeichen auch in Oldenburg zu installieren. Oldenburg ist damit nach München und Ingolstadt die dritte Stadt, in der Erinnerungszeichen entstehen.

Jürgen Krogmann, Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg: „Mit der Installation von Erinnerungszeichen statt Stolpersteinen als Mahnmale für NS-Opfer folgen wir vor allem dem Wunsch der jüdischen Gemeinde in Oldenburg. Diese neue Form des Erinnerns und Begegnens auf Augenhöhe ist mehr als nur ein symbolischer Akt. Sie teilt das Schicksal der Verfolgten und Ermordeten auf eine besonders ehrenvolle Weise in unserer Innenstadt. Die geplante Website über das Leben und Wirken der Opfer trägt die Erinnerung zusätzlich virtuell an die Menschen heran, um so zusätzlich gegen das Vergessen anzukämpfen.“

In Oldenburg werden die Erinnerungszeichen von der Stadt und der Oldenburger Bürgerstiftung in enger Zusammenarbeit mit Werkstattfilm errichtet. Dabei wird die Stiftung mit Unterstützung der Oldenburger Bürgerinnen und Bürger die Anfertigung der Erinnerungszeichen finanzieren, während die Stadt die Aufstellung und Anbringung übernimmt und für den Erhalt der Erinnerungszeichen sorgt.

Unter www.erinnerungszeichen-oldenburg.de wird die Oldenburger Bürgerstiftung zusammen mit Werkstattfilm eine weiterführende Website zu Leben und Wirken der Menschen aufbauen, die mit den Erinnerungszeichen gewürdigt werden.

Standorte der Erinnerungszeichen

Im ersten Schritt sollen im November Erinnerungszeichen in der Innenstadt an folgenden Adressen angebracht werden:

  • Achternstraße 38 für Lion Bukofzer
  • Achternstraße 48 für das Haus der Mode von Alex Goldschmidt
  • Brüderstraße 30 für Levi Weinberg und Bertha Behr
  • Gartenstraße 34 für die Familie Goldschmidt
  • Kurwickstraße 5 für Berta Berlowitz und Gertrud Grünberg
  • Kurwickstraße 33 für Julius Parnes
  • Schüttingstraße 7 für Moritz und Walter Landsberg
  • Die Erinnerungszeichen für die Familie Goldschmidt werden als Beispiel für die anderen am 15. November im Beisein von Martin Goldschmidt, des Enkels von Alex Goldschmidt, an die Öffentlichkeit übergeben. Die Gedenkveranstaltung mit Oberbürgermeister Jürgen Krogmann sowie dem Vorsitzenden der Oldenburger Bürgerstiftung Oberbürgermeister a.D. Dietmar Schütz, findet um 15 Uhr in einer kleinen Runde im Ratssaal statt. Stadtrat Thomas Lechner nimmt in Vertretung von Oberbürgermeister Dieter Reiter für die Landeshauptstadt München an der Veranstaltung teil.

    Weitere Erinnerungszeichen sind in Vorbereitung. Informationen unter www.erinnerungszeichen-oldenburg.de.

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    1 Kommentar

    1. W. Lorenzen-Pranger
      10. November 2021 um 23.30 — Antworten

      Ab wann werden die Sinti und Roma, die Sozialdemokraten, die Schwulen, die Kommunisten, die Jenischen usw. einbezogen? Oder ist das eher nicht vorgesehen?

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