Unser Oldenburger des Monats: Jörg Pfenning

Jörg Pfenning ist seit zwei Jahren Gemeinde-Notfallsanitäter.
Foto: Finn Gohra
Oldenburg (fg) Das Pilotprojekt der Gemeinde-Notfallsanitäter (GNS) entlastet die medizinische Notfallversorgung. Speziell ausgebildete Sanitäter wie Jörg Pfenning helfen Patienten außerhalb der akuten Lebensgefahr. Das spart Personal, Geld und Ressourcen. Pfenning erhält daher, stellvertretend für alle Gemeinde-Notfallsanitäter der Region, die Auszeichnung „Unser Oldenburger des Monats“.
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Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass mit 13 Millionen ambulanten Notfällen jährlich die Notaufnahmen seit Beginn der Erhebung im Jahr 2018 noch nie so voll waren. Der Ärztemangel und Krankenhausschließungen vergrößern das Problem. Hier setzt das Projekt an. Es wurde im Jahr 2019 in den Regionen Oldenburg, Cloppenburg und Vechta eingeführt und entlastet seitdem den Rettungsdienst und Notaufnahmen vor Ort.
Hilfe für RTW und Notaufnahme
Geht ein Notruf ein, entscheidet die Leitstelle am Telefon, ob der Patient in akuter Lebensgefahr ist und schnellstmöglich in ein Krankenhaus gebracht werden muss. Ist das nicht der Fall, aber die Situation sollte trotzdem abgeklärt werden, rückt statt eines Rettungswagens (RTW) das GNS-Fahrzeug aus. Es ist, anders als ein Rettungswagen, nur mit einer Person besetzt und spart so Personal.
Typische Beispiele für einen GNS-Einsatz sind ungeklärte Bauch- oder Rückenschmerzen oder ein Kind mit Fieber. Zusätzlich beraten Sanitäter wie Jörg Pfenning vor Ort bei chronischen Beschwerden und dürfen Medikamente verabreichen.
Das sorge laut Hendrik Gellhaus, Leiter des Rettungsdienstes der Malteser in Oldenburg Nord, für spürbar weniger Transporte in die Notaufnahmen. „Viele Hilfeersuchende möchten gar nicht unbedingt ins Krankenhaus. Sie möchten nur eine Meinung haben […], ob sie richtig liegen und zu Hause bleiben können. Dann entsenden wir den Gemeinde-Notfallsanitäter. Der kann sich Zeit nehmen, kann den Patienten begutachten und wenn er Hilfe benötigt, kann er [der GNS, Anm. d. Red.] ihm die Hilfe zuführen“, so Gellhaus. Allein im Jahr 2025 rückte das GNS-Fahrzeug rund 2900 Mal im Raum der Großleitstelle Oldenburg aus.
Lücken in der Gesundheitsversorgung
Vor dem Projekt bestand das Problem, dass Patienten, die die 112 gewählt und einen RTW-Einsatz ausgelöst hatten, auch ohne akute Notlage in eine Klinik transportiert wurden. Dadurch musste nicht der Patient die Kosten des RTW zahlen, sondern die Krankenkasse. Die Folgen: vollere Krankenhäuser, gebundene Einsatzfahrzeuge und Mehrkosten. Zudem sind Notfallsanitäter grundsätzlich nicht für geringfügige Gesundheitsprobleme ausgebildet.
Helfer wie Jörg Pfenning wissen durch ihre Zusatzausbildung, ob ein Patient zu Hause bleiben kann, einen Haus- oder Facharzt aufsuchen sollte oder doch in ein Krankenhaus verlegt werden muss. Außerdem entlasten sie indirekt Hausärzte, da sie vor Ort kleinere Wunden behandeln, Krankheitsbilder feststellen und entsprechende Medikamente ausstellen dürfen. Dadurch, dass sich der GNS in seiner Rolle mehr Zeit als ein Notfallsanitäter nehmen kann, erfahren die Einsatzkräfte eine hohe Dankbarkeit.
Nur noch die 112 rufen?
Nein, auf keinen Fall! Diese Nummer ist für Notfälle freizuhalten. Sollten lebensbedrohliche Krankheiten oder Verletzungen vorliegen oder man nicht genau wissen, ob eine Person in Lebensgefahr schwebt, ist der Notruf die richtige Wahl. Es gilt: Lieber einmal zu viel als zu wenig. In dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Situationen kann der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 weiterhelfen. Er ist, genau wie der Notruf, kostenlos und dauerhaft besetzt. Weitere Informationen über Notruf und Ärztlichen Bereitschaftsdienst gibt es unter anderem auf www.malteser.de/notrufnummer





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