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Erste Hilfe: Es gibt es keinen roten Faden

Marcel Colter demonstriert an Stefan Greiber, wie man einen Verband anlegen sollte.

Marcel Colter (rechts) demonstriert an Stefan Greiber, wie man einen Verband anlegen sollte. Das und andere Erste Hilfe wird in einem Kurs vermittelt.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Bei Verkehrsunfällen oder wenn jemand unverhofft zusammenbricht kommt es auf die schnelle Erste Hilfe an. Doch viele beherrschen das Handwerkzeug nicht oder nicht mehr. Zu lange ist der Erste Hilfe-Kurs her, den alle Führerscheinanwärter machen müssen. „Instinktiv tun die meisten Ersthelfer aber das Richtige“, beobachtet Marcel Colter aus der Wesermarsch.

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Seit 20 Jahren ist er dort bei der Johanniter-Unfall-Hilfe hauptberuflich und auch ehrenamtlich aktiv. Der Rettungsassistent ist Lehrer an der Rettungsschule Wesermarsch in Berne, wo er Bundeswehrsoldaten zu Rettungsassistenten ausbildet und in der übrigen Zeit Rettungseinsätze fährt. „Die Leute denken oft, dass wir vor allem zu Verkehrsunfällen ausrücken, das Gegenteil ist der Fall. Die meisten Unfälle passieren im Haus oder im Betrieb“, berichtet er.

Unterm Strich spielt das keine Rolle, die Betroffenen brauchen schnell kompetente Hilfe. Das ist leicht gesagt, aber für einige schwer getan. Sie fürchten sich vor schlimmen Anblicken, können vielleicht kein Blut sehen oder sind in einem Ernstfall vollkommen gestresst. „Auf jeden Fall ist jeder verpflichtet, einen Notruf abzusetzen. Wer sich nicht kümmert, macht sich strafbar. Weil fast alle Handys haben, dürfte das kein Problem sein“, meint Colter. Danach, so rät er, sollte unbedingt die Unfallstelle gesichert werden, indem das Warndreieck aufgestellt und die Warnblickanlage beim eigenen Fahrzeug angestellt wird, damit alle anderen Verkehrsteilnehmer gewarnt sind.

„Auf keinen Fall sollten die Ersthelfer sich sofort an den Unfall begeben“, warnt er. „Wenn der Notruf abgesetzt und das Warndreieck steht, dann erst die Lage mit Abstand betrachten und sich klar machen, was jetzt kommt. Ansonsten sind Ersthelfer oft geschockt“, weiß er aus Erfahrung. Das Argument, ich helfe nicht, weil ich eventuell etwas falsch mache, den Zustand der Verunglückten verschlimmere und womöglich rechtliche Konsequenzen fürchten muss, lässt er nicht gelten. „Fahrlässiges Handeln gibt es hier nicht“, stellt er klar. „Hier gibt es nur Handeln nach bestem Gewissen.“

Mitunter sei es durchaus hilfreich, wenn Ersthelfer Verletzte nur beruhigen, ihnen bis zum Eintreffen der Rettungsfahrzeuge zur Seite stehen, sagt er. „Es gibt ohnehin keinen roten Faden bei der Rettung“, stellt er klar. Jeder Fall liegt anders. Dennoch sei es wünschenswert, wenn viele Menschen Erste Hilfe beherrschen würden, findet er. „Es kann ja auch sein, dass wir selbst mal darauf angewiesen sind. Und das passiert schneller als wir meinen, vor allem in den eigenen vier Wänden bei Haus- und Heimwerkerarbeiten.“

Tatsächlich ist bei den meisten Menschen der Erste Hilfe-Kurs Jahre her. Deshalb rät Stefan Greiber, Pressesprecher der Johanniter-Unfall-Hilfe, Regionalverband Weser-Ems, die Erste Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen. „Es kommt oft auf die ersten zehn Minuten an. Denken wir nur an Menschen, die zu Hause oder auf der Straße einen Herzinfarkt erleiden. Richtige Sofortmaßnahmen können da lebensrettend sein.“

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe, in der alle Hilfsorganisationen vertreten sind, fordern, alle fünf Jahre die Ersten Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen. „Eine gesetzliche Verpflichtung wird es wohl nicht geben“, meint Colter und hält das auch für falsch. „Die Menschen müssen durch eigens Nachdenken selbst dazu kommen“, sagt er. „Wir und alle anderen Hilfsorganisationen stehen für Schulungen bereit.“

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