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Am anderen Ende der Welt

Danielle Zollickhofer auf Rangitoto Island, einer Vulkaninsel vor der Küste von Auckland. Links im Hintergrund ist die Skyline Aucklands zu sehen. Danielle Zollickhofer on Rangitoto Island, an ancient volcano in front of Auckland's shore. The skyline of Auckland can be seen on the left side of the picture.

Danielle Zollickhofer auf Rangitoto Island, einer Vulkaninsel vor der Küste von Auckland. Links im Hintergrund ist die Skyline Aucklands zu sehen.
Danielle Zollickhofer on Rangitoto Island, an ancient volcano in front of Auckland’s shore. The skyline of Auckland can be seen on the left side of the picture.
Foto: Heike Kruschel

Oldenburg (Dominik Laupichler) Neuseeland: das Land der Kiwis, Hobbits und einzigartigen Naturvielfalt. Dorthin zieht es pro Jahr knapp 3,5 Millionen Touristen aus aller Welt. Für ein Land mit einer Population von 4,8 Millionen ist das viel. Rund 100.000 Deutsche sind unter den Besuchern. Eine davon ist Danielle Zollickhofer. Nach dem Abitur verbrachte sie ein Auslandsjahr in Neuseeland. Die OOZ hat sie nach ihren Erfahrungen befragt.

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Die 19-jährige Danielle Zollickhofer lebt in Oldenburg. 2018 hat sie ihr Abitur am Gymnasium Eversten gemacht. Aktuell bereitet sie sich auf ein Journalismus Studium vor, dass sie ab nächstem Jahr ebenfalls in Neuseeland, am Waikato Institute of Technology (Wintec), beginnen möchte. Das Institut befindet sich in Hamilton, einer Stadt auf der Nordinsel Neuseelands, südlich von Auckland. Mit 165.000 Einwohnern ist die Stadt vergleichbar mit Oldenburg (170.000 Einwohner). Das Leben gestaltet sich allerdings komplett unterschiedlich.

OOZ: Wie sind Sie auf Hamilton gekommen?
Danielle Zollickhofer: Ich bin als Au Pair in eine Familie gekommen, die eine Farm für Milchvieh in der Nähe von Matamata hat. Allerdings liegt das mitten auf dem Land. Ausgehen, zum Beispiel ins Kino, ist da nicht. Und Feiern sowieso nicht. Für die ersten paar Monate war das für mich auch in Ordnung, aber auf Dauer? Irgendwann möchte man ja auch mal raus. Und Hamilton ist in der Region, in der ich gelebt habe, die nächstgrößere Stadt – da ist halt was los. Einen Großteil meiner Freizeit habe ich daher in Hamilton verbracht.

OOZ: Was ist in Hamilton anders als in Oldenburg?
Danielle Zollickhofer: Das Stadtbild im Allgemeinen. Ich habe das Gefühl, Hamilton besteht überwiegend aus großen Straßen und Kreisverkehren – es fahren unglaublich viele Autos durch die Gegend und man kann den Stadtkern nur schwer ausmachen. Eine Fußgängerzone gibt es nicht und zum Shoppen fährt man eher in die Einkaufszentren. Auch Gebäude, wie zum Beispiel die Oldenburger Hundehütten oder das Degode Haus, sucht man vergeblich.

OOZ: Gab es etwas, was Sie besonders beeindruckt hat?
Danielle Zollickhofer: Die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen. Sei es nun im Supermarkt, auf der Straße oder im Klamottenladen: Jeder wird begrüßt. Man kann nicht in einen Laden gehen, ohne an einem kleinen Gespräch vorbei zu kommen. Sei es nur über das Wetter oder warum man gerade in dem Ort ist. Und das Interesse ist wirklich ernst gemeint! Insbesondere in den Geschäften hat man das Gefühl, dass der Mensch im Vordergrund steht und nicht der Verkauf.

OOZ: Womit haben Sie überhaupt nicht gerechnet?
Danielle Zollickhofer: Da gab es so einiges (lacht). Mit den horrenden Preisen im Supermarkt zum Beispiel. Und mit der Ruhe auf den Landstraßen: Da kann es sein, dass man für eine ganze Weile niemandem begegnet. Mit der großen Vielfalt des Landes auf so kleinem Raum habe ich auch nicht gerechnet. Man fährt 40 Minuten nach Westen und ist am Meer. Möchte man in die Berge, fährt man eine Stunde in die entgegengesetzte Richtung. Im ländlichen Raum trifft man auf wunderschönes Farm-Land und in Hamilton selbst hat man halt das ganz normale Stadtleben.

OOZ: Was war Ihr lustigstes Erlebnis?
Danielle Zollickhofer: Meine Gastfamilie hat sich, als ich bereits ein paar Monate dort war, einen Dobermann-Welpen, Tsavo, zugelegt. Eines Nachmittags kam ich ins Haus, um nach den Kindern zu sehen. Meine Flipflops ließ ich an der Tür stehen. Kurze Zeit später wollten die Kids in den Garten. Als wir nach draußen kamen, sah ich zwei Dinge. Erstens: Tsavo hatte den gesamten Inhalt seines Körbchens nach draußen gezerrt und zerfetzt – die Füllmasse lag auf dem Rasen verteilt. Zweitens: Meine Schuhe waren weg. Zuerst dachte ich, ich hätte gar keine angehabt – bis ich den Racker auf meinem Flipflop rumkauen sah. Er hinterließ darauf Bissspuren wie ein Hai auf einem Surfboard!

OOZ: Und was das Schlimmste?
Danielle Zollickhofer: Der Linksverkehr! Als ich nach Neuseeland gekommen bin, hatte ich gerade erst meinen Führerschein bestanden. Selbst auf deutschen Straßen war ich also noch ein wenig unsicher und dann musste ich mich keine zwei Monate später schon wieder umgewöhnen. Am Anfang habe ich mich so gesorgt, etwas falsch zu machen, sodass ich das Auto weitestgehend gemieden habe. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt.

OOZ: Welche Orte haben Sie außer Hamilton noch besucht?
Danielle Zollickhofer: Ich habe eine Rundreise über beide Inseln gemacht. Unter anderem habe ich mir Auckland, Wellington, Christchurch, Queenstown und Dunedin angesehen. Das sind die größten und bekanntesten Städte. Lediglich die Hawke’s Bay im Westen und die Region New Plymouth im Osten der Nordinsel konnte ich noch nicht besuchen. Aber vielleicht habe ich ja nächstes Jahr die Möglichkeit dazu.

Dann wünschen wir viel Glück und bedanken uns für das Gespräch.

Die junge Oldenburgerin vor dem Wahrzeichen ihrer Heimatstadt.The young woman from Oldenburg in front of the landmark of her hometown.

Die junge Oldenburgerin vor dem Wahrzeichen ihrer Heimatstadt.
The young woman from Oldenburg in front of the landmark of her hometown.
Foto: Dominik Laupichler

Gut zu wissen:
Hamilton liegt im Waikato District auf der Nordinsel Neuseelands und 140 Kilometer südlich von Auckland. Die Stadt selbst und insbesondere die Region sind stark landwirtschaftlich geprägt und als Zentrum der Milchwirtschaft Neuseelands bekannt. Hamilton liegt am Waikato River, Neuseelands längstem Fluss. Als Sehenswürdigkeit sind die Hamilton Gardens sehr beliebt. Wie auch Oldenburg beherbergt Hamilton mehrere Hochschulen: Die University of Waikato und das Waikato Institute of Technology.

Hier berichtet ein Neuseeländer über seine Erfahrungen in Oldenburg.

English Version

On the other side of the world

Oldenburg (Dominik Laupichler) New Zealand – the country of Kiwis, Hobbits and a unique landscape. 3,5 Million tourists from all around the world are visiting the island every year. That is a lot for a country with a population of 4.5 Million inhabitants. About 100.000 of the visitors are German. One of them is Danielle Zollickhofer. After she finished her A-levels, she spent a gap year in New Zealand. The OOZ asked her about her experience.

19 year old Danielle Zollickhofer lives in Oldenburg. In 2018, she finished her A-levels at the Gymnasium Eversten. She is currently preparing for the start of her journalism studies in New Zealand at the Waikato Institute of Technology (Wintec). The institute is located in Hamilton, a city on New Zealand’s North Island, south of Auckland. With 165.000 inhabitants it is comparable in size with Oldenburg (170.000 inhabitants). Life, however, is completely different.

OOZ: Why did you choose Hamilton as your destination?
Danielle Zollickhofer: I worked as an Au Pair for a family with a dairy farm near Matamata, a place in a very rural area. Going out to the cinema or club for example just wasn’t possible. For the first few months I was fine with that but in the long run? Sometimes you just want to get out and Hamilton was the next big city in the region. So, I spent a lot of my free time in Hamilton.

OOZ: What is different in Hamilton compared to Oldenburg?
Danielle Zollickhofer: The townscape in general. I got the impression that Hamilton consists mainly out of wide streets and roundabouts with an insane number of cars driving through the place. One can’t really see the city centre – a pedestrian zone for example doesn’t exist. If you want to go shopping, you drive to the next mall. It is also difficult to find older buildings like the Oldenburger doghouses or the Degode house.

OOZ: Was there something that impressed you?
Danielle Zollickhofer: The friendliness and openness of the people. Whether you went to a grocery store, a boutique or just took a walk through the streets: Everyone greets you. It is impossible to walk into a shop and not get involved in small talk. Even if they just want to talk about the weather or why you’re visiting the place. Especially in the stores you get the impression they are interested in you as a person and not just keen on selling something.

OOZ: What didn’t you expect at all?
Danielle Zollickhofer: There was quite a bit (laughs). The horrendous prices at the grocery stores for example. Another thing was the quietness on the country roads: It is possible to meet nobody for quite a while. Another thing I didn’t expect was the diversity in landscape in such a small place. If you drive 40 minutes west you’re at the sea and if you want to go to the mountains you just drive an hour in the opposite direction. In the more rural areas you will see beautiful farm land and in Hamilton itself you can experience the typical urban city life.

OOZ: What was your funniest experience?
Danielle Zollickhofer: My host family got a Doberman puppy, Tsavo, a couple of months after I started working there. One afternoon I went into the house to look after the children and left my jandals at the door. Shortly afterwards I wanted to go into the garden. As I went outside I saw two things. First: Tsavo had dragged the whole content of his crate into the garden and had torn it apart – the filling of his basket was spread over the whole lawn. Second: My shoes were gone. At first, I thought I didn’t wear any until I saw that little mischief chewing on my jandals! He left bite marks on them like a shark would on a surfboard.

OOZ: And your worst experience?
Danielle Zollickhofer: Driving on the left! I had just gotten my driver’s license when I went to New Zealand. So, driving on German streets was still nerve wrecking for me and just in two months I had to adjust to a new set of rules. At the start I was quite worried, so I avoided using the car. Meanwhile, I have gotten used to it.

OOZ: What places other than Hamilton did you visit?
Danielle Zollickhofer: I did a round trip through both islands. I visited Auckland, Wellington, Christchurch, Queenstown and Dunedin amongst others. These are the biggest and most popular cities in New Zealand. Merely Hawke’s Bay in the West and the region New Plymouth in the East of the North Island were places I could not visit. But maybe I get to see them next year.

We wish good luck and thank you for the talk.

Good to know:
Hamilton is located in the Waikato district on the North Island of New Zealand and 140 kilometres south of Auckland. The city itself and especially the region are defined by agriculture. They are also known as the centre of the dairy industry of New Zealand.
The city lies next to the Waikato river, New Zealand’s longest river. A popular sight are the Hamilton Gardens. Just as Oldenburg, Hamilton is home to a couple of schools for higher education: the University of Waikato and the Waikato Institute of Technology.

Click here to read about the experience of a guy from New Zealand in Oldenburg.

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