Oldenburg

Herbstlaub ohne Hightech räumen

Laubsauger mit Häckselfunktion zerkleinern auch Tiere im Laub.

Laubsauger mit Häckselfunktion zerkleinern auch Tiere im Laub.
Foto: Patrick Kern / NABU

Hannover (am/pm) Im Herbst wirbeln bunt gefärbte Blätter durch die Luft und bedecken Rasenflächen, Blumenrabatte und Bürgersteige. Zur Beseitigung werden immer öfter Laubsauger eingesetzt – mit fatalen Folgen für Flora, Fauna und eine Belästigung für die Ohren der Nachbarn. Der NABU Niedersachsen rät vom Einsatz von Laubbläsern oder -saugern im Garten ab. Denn damit wird Laub, das tierischen Gartenbewohnern als Quartier dient, beseitigt. Viele Laubsauger haben zudem eine Häckselfunktion. Nicht nur das Laub, sondern auch Tiere werden damit zerkleinert.

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Turbinengetrieben blasen Laubsauger neben Blättern auch Zweige und Müll vor sich her und können Laub, Gras, Tannenzapfen und Abfall bis hin zu Getränkedosen aufsaugen. Für den Sog, der alles mitreißt, werden Luftgeschwindigkeiten bis zu 300 Stundenkilometern und Saugleistungen von etwa zehn Kubikmeter pro Minute erzeugt. Wer jedoch im nächsten Jahr den Gesang von Singvögel in seinem Garten genießen will, sollte die Motorheuler in der Ecke stehen lassen. „Wo ein paar Jahre lang alle Blätter weggeputzt wurden, wird man kaum noch Meisen, Schmetterlinge, Käfer und Igel sehen“, warnt Philip Foth vom NABU Niedersachsen.

Laubsauger schädigen die Bodenökologie

Laubsauger lassen nicht nur Blätter und Pflanzensamen verschwinden, sondern auch viele Kleintiere, die am Boden leben und dort eine wichtige Funktion haben: Regenwürmer, Spinnen, Asseln und Tausendfüßler, Springschwänze und Milben verwandeln Laub und Pflanzenreste in Humus. Sie dienen außerdem Vögeln und anderen Tieren als Nahrung. Igel, Spitzmaus und Kröte finden in der Laubschicht Schutz vor der Kälte, Schmetterlingspuppen überwintern dort. Unter Sträuchern und Stauden sollten Blätter unbedingt liegen bleiben, da sie als natürlicher Wintermantel den Boden vor dem Austrocknen und Pflanzenwurzeln sowie Blumenzwiebeln vor Frost schützen. Blätter sind also ein wichtiger Teil im ökologischen Nährstoffkreislauf der Natur.

Außerdem nerven die röhrenden Ungetüme den Gerätebetreiber und die Nachbarschaft mit ihrem starken Lärm – bei etwa 110 Dezibel entsprechen sie der Lautstärke eines Presslufthammers. Laubsauger mit Verbrennungsmotor stoßen darüber hinaus gesundheitsschädliche Abgase wie Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Kohlenmonoxid aus.

Der NABU Niedersachsen appelliert deshalb an Gartenbesitzer und Stadtgärtnereien, auf die Laubsauger zu verzichten und lieber zu Besen und Rechen zu greifen oder das Laub auf Beeten und Rabatten einfach liegen zu lassen. Sinnvoll ist es auch, Laub- und Reisighaufen anzulegen. Igel, die jetzt auf der Suche nach einem Platz für den Winterschlaf sind, nutzen sie gerne als Schutz vor der kalten Jahreszeit. „Wer für Laub- oder Reisighaufen nicht genügend Platz in seinem Garten hat, kann einen kleinen Komposthaufen anlegen“, rät Foth. So kann das Herbstlaub dem Nährstoffkreislauf zugeführt und im nächsten Frühjahr als wertvoller Kompost wieder auf Pflanzenbeete ausgebracht werden.

Tipps zum naturnahen Garten gibt der NABU in seiner Broschüre „Gartenlust – für mehr Natur im Garten“. Sie ist gegen Einsendung von fünf Briefmarken zu 70 Cent beim NABU Niedersachsen, Stichwort: Herbstlaub, Alleestraße 36, 30167 Hannover erhältlich.

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2 Kommentare

  1. Benjamin Zentner
    19. Oktober 2018 um 12.11 — Antworten

    sehr gut. ich überlege ernsthaft eine petition gegen laubsauger und laubbläser ins leben zu rufen. ich höre diese dinger in meiner wohnung so laut als ob ich daneben stehen würde (jeden zweiten tag, 2std bevor ich aufstehen muss um zur arbeit zu gehen = schlafmangel und agressionen), nur habe ich keine kopfhörer auf! der staub is an meinen fenstern und in der wohnung. bakterien werden aufgewirbelt, die die gärtner auch krank machen, die dinger verbrauchen endliche ressourcen und pusten den laub teilweise total unnötig von a nach b. mit dem besen ginge dass leichter, schneller, umweltschoneneder, ressourcen sparender und LEISER!!!

    • Der der weiß was Arbeit bedeutet
      27. Oktober 2018 um 20.37 — Antworten

      Bei allem Verständnis zum Lärm und der Fauna, dass Argument der Arbeitserleichterung für die eh schon schwer schuftenden Berufs-Gärtner (Hobbygärtner hiervon klar ausgenommen) wird hier einfach ignoriert. Die sollen riesige Flächen mit Besen und Co bearbeiten, natürlich in der selben Zeit wie vorher, sonst wirds ja teurer und das will der madige Beschwerer natürlich nicht bezahlen. Komisch dass solche aggressiven Forderungen wie vom Herrn Zentner, nach dem Prinzip laufen sollen: „Schwerer und mühsamer für andere, damit man selber nicht gestört wird“. Bei Hobbygärtnern unterstütze ich den Vorschlag, denn die können eben frei entscheiden was sie machen. Ansonsten ist es nur wieder Gestänker von Leuten die noch nie einen großen Rasen mit der Hand bearbeitet haben…… Unwissende Quatschköppe nannte man es damals gerne. Finde ich passend für solche Leute.

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