Oldenburg

Kinderschutz ist mehr wert

Thomas Feld, Angela Könnecke und Mareike van’t Zett wissen, wie wichtig die Arbeit des Kinderschutz-Zentrums Oldenburg für die Region ist.

Thomas Feld, Angela Könnecke und Mareike van’t Zett (von links) wissen, wie wichtig die Arbeit des Kinderschutz-Zentrums für die Region ist.
Foto: Anja Michaeli

Oldenburg (am) Kinder haben ein Recht auf Gesundheit, auf die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse und auf ein Leben ohne Gewalt. Sie müssen beschützt werden. Das sind Aufgaben, die unser Staat und unsere Gesellschaft zu leisten haben. Dafür stehen im Kinderschutz-Zentrum Oldenburg – eine von drei Einrichtungen in Niedersachsen – vier Vollzeitstellen für sieben Mitarbeiterinnen zur Verfügung. Unter dem Leitsatz „Vertrauen, schützen, stärken“ beraten sie Kinder, Familien und Fachkräfte bei Kindesmisshandlung, Vernachlässigung sowie sexueller und häuslicher Gewalt. Sie bilden aus, machen Präventionsarbeit, bieten „Frühe Hilfen“ an, begleiten stationäre Einrichtungen und bringen Programme wie Kinderschutz in ländlichen Gebieten an den Start. Das alles wird mit den wenigen finanziellen Mitteln, die zur Verfügung stehen, umgesetzt – seit 30 Jahren.

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LzO Beratung

Von der Initiative zum Kinderschutz-Zentrum

1986 hat eine Initiative von Ärzten, Krankenschwestern, Sozialarbeitern und Pädagoginnen zusammen mit der Diakonie den „Verein zur Verhütung von Kindesmisshandlung“ gegründet. Anlass waren durch Gewalt verletzte Kinder, die in den Krankenhäuser behandelt und ohne weitere Unterstützung entlassen wurden. Gewünscht wurde eine niederschwellige Beratungsstelle nach niederländischen Vorbildern. Aus dem Verein heraus entstand die Vertrauensstelle Benjamin, die sich im Laufe der Jahre zum Kinderschutz-Zentrum Oldenburg entwickelte und professionalisiert wurde. Heute nehmen die Mitarbeiterinnen eine Vielzahl an Aufgaben war und können ihre Erfahrungen an andere pädagogische Fachkräfte weitergeben. Für die Stärkung aller Akteure hat der Gesetzgeber vor vier Jahren gesorgt.

2015: 105 Kinder unter sechs Jahren getötet

Mit der Verabschiedung des Bundeskinderschutzgesetzes 2012 wurden bestehende Lücken im Kinderschutz geschlossen und erstmals fundierte statistische Daten erhoben. „Viele Zahlen wurden früher nicht erhoben“, weiß Mareike van’t Zett, Geschäftsführende Leitung des Kinderschutz-Zentrum Oldenburg. Wie dramatisch die Situation auch heute noch ist, zeigt die Kriminalstatistik 2015: In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 105 Kinder unter sechs Jahren getötet. Bundesweit wurden 3929 gegen Kinder gerichtete körperliche Misshandlungen erfasst. Mit 13.928 Fällen wird sexuelle Gewalt am häufigsten verzeichnet. Das ist das sogenannte Hellfeld, Fälle die bekannt wurden. Es wird geschätzt, dass die Häufigkeit um ein Zehn- bis 20-faches höher liegt (Dunkelfeld). „Ich denke, dass sie in manchen Bereichen sogar noch höher ist“, betont Mareike van’t Zett.

Neuanmeldungen seit Jahren konstant

Konstant ist die Anzahl der Beratungen in Oldenburg: Jährlich werden 220 Neuanmeldungen verzeichnet. „82 Prozent der Kinder in der Beratung sind unter zehn Jahre alt“, berichtet Mareike van’t Zett. „Die hohen Zahlen der Kriminalstatistik zeigen, dass die Arbeit der 29 Kinderschutzzentren in Deutschland immer noch benötigt wird“, so Mareike van’t Zett. Hier werde Kindern, Jugendlichen und Familien Gehör geschenkt. Das könnten die Jugendämter wegen der Falldichte nicht mehr leisten. „Es wäre eine Revolution für die Kindern, wenn noch Zeit und Ressourcen für die Familien angeboten werden würden“, sagt Mareike van’t Zett. Und Diakonie-Vorstand Thomas Feld betont die Wichtigkeit der Netzwerkarbeit und Schulungen: „In vielen Einrichtungen der Kinder-, Jugend- und Behindertenhilfe sind mit Hilfe des Kinderschutz-Zentrums besondere Schutzmechanismen installiert worden.“

Flüchtlinge werden Hilfen benötigen

Von minderjährigen Flüchtlingen und geflüchteten Familien kamen bisher nur wenige Meldungen. „Die äußere Sicherheit geht erst einmal vor“, erklärt Feld. Der Bedarf sei wahrscheinlich riesig, so Mareike van’t Zett. Sie wünscht sich eine zusätzliche Stelle für die Traumabegleitung und die Betreuung der Flüchtlinge.

Politik muss sich kümmern

Das Kinderschutz-Zentrum wird aus Mitteln des Landes, der Stadt Oldenburg und des Landkreises Oldenburg finanziert. 20 Prozent der Summe erwirtschaftet das Team durch Fortbildungen. „Die Sorge um die Finanzierung ist geblieben“, so Mareike van’t Zett. Projekte wie Prävention für Grundschüler oder die Begleitung von Kindern durch Studierende unter dem Titel „Balu und Du“ können nur durch Spenden realisiert werden. „Um guten Kinderschutz zu gewährleisten, braucht man eine Politik, die dafür sorgt“, mahnt Angela Könnecke, Diplom-Sozialpädagogin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin im Kinderschutz-Zentrum.

30 Jahre Kinderschutz-Zentrum Oldenburg

Am 15. September, ab 15.30 Uhr, feiert das Kinderschutz-Zentrum Oldenburg sein 30-jähriges Bestehen im Friedas-Frieden-Stift, Philosophenweg 17. Neben den Grußworten wird Prof. Dr. Thomas Klatetzki von der Universität Siegen den Vortrag „Ein Fall, mehrere Geschichten. Von der erzählerischen Konstruktion sozialer Probleme im Kinderschutz“ halten.

Weitere Informationen gibt es unter www.kinderschutz-ol.de.

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