Industriekrise: IG BCE warnt vor Massenentlassungen

via dts Nachrichtenagentur

Die deutsche Industrie steckt nach Einschätzung des Chefs der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, in einer „sehr ernsten Lage“.

Bei den Sendern RTL und ntv warnte IG BCE-Chef Michael Vassiliadis am Montag vor weiterem Stellenabbau. Die „harten Zeiten“ in den Branchen seien längst Realität. Für die kommenden Jahre sei bereits beschlossen, rund 40.000 Arbeitsplätze in der Industrie abzubauen.

Den Grund für die Krise sieht Vassiliadis neben geopolitischen Spannungen, wie dem zunehmend unzuverlässigen Verhalten der USA im Handel, vor allem in hausgemachten Problemen in Europa. „Die Zeiten, in denen Deutschland als Exportweltmeister von einer freien Handelsordnung profitierte, sind vorbei“, sagte Vassiliadis. Europa müsse sich stärker auf seinen Binnenmarkt konzentrieren und neu orientieren.

Besorgt zeigte sich der Gewerkschaftschef auch über die jüngsten Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, 100-prozentige Importzölle auf Pharmaprodukte zu erheben. Dies setze die eng verflochtene deutsche und europäische Industrie massiv unter Druck und könne Produktionsverlagerungen in die USA nach sich ziehen. Vassiliadis kritisierte den Einsatz von Handelspolitik als „Waffe für Interessen“ und forderte eine selbstbewusstere europäische Haltung gegenüber Washington.

Gleichzeitig unterstrich er die Bedeutung einer effizienten und kostengünstigen Transformation insbesondere im Bereich der Energiewende, um weitere Arbeitsplatzverluste zu verhindern. Der kürzlich vorgestellte Monitorbericht zur Energiewende sei eine sachliche Diskussionsgrundlage, doch es brauche mehr Offenheit in der Debatte über Fortschritte und Herausforderungen.

Trotz der ernsten Lage bleibt Vassiliadis vorsichtig optimistisch: „Ich sehe einen Weg, es anders zu machen, ob wir ihn gehen, weiß ich natürlich nicht.“ Die deutsche Industrie stehe großen Herausforderungen gegenüber, doch es gäbe Chancen, wenn die richtigen Reformen entschlossen angepackt würden.

dts Nachrichtenagentur

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