Gesundheit

Prävention in kommunalen Lebenswelten

ans Wolter, Dagmar Sachse und Andrea Mager-Tschira (von links) informierten über Gesundheitsförderung in den Kommunen.

Hans Wolter, Dagmar Sachse und Andrea Mager-Tschira (von links) informierten über Gesundheitsförderung in den Kommunen.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Gesundheit ist mehr als frei von Krankheit und Gebrechen sein. Gesundheit ist unter anderem Bildung, Wohnung, Arbeit, Sozialpolitik und auch Gesundheitskompetenz. So lässt sich das „Gesunde-Städte-Netzwerk“ der Bundesrepublik Deutschland umschreiben. Dabei handelt es sich um ein akkreditiertes Mitglied im Verbund der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Stadt Oldenburg ist seit 2012 Mitglied und in diesem Jahr Gastgeberin der Mitgliederversammlung und eines Symposiums.

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140 Gäste aus Kommunen, von Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und Krankenkassen, aus den Landes- und Bundesministerien sowie zahlreiche Fachreferenten aus der ganzen Republik trafen sich im Kulturzentrum PFL, zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch und um über Gesundheit als Querschnittsgedanke und speziell über das neue Präventionsgesetz und die gesundheitliche Versorgung von Flüchtlingen zu sprechen.

2015 ist das Präventionsgesetz verabschiedet worden. Doch von einer selbstverständlichen Umsetzung sind die Kommunen noch weit entfernt. Durch das neue Gesetz fließt mehr Geld in die kommunale Gesundheitsprävention. Die Krankenkassen müssen zwei Euro pro Versichertem aufbringen. „Für Oldenburg sind das etwa 320.000 Euro, die jedoch nicht in einem Topf zur Verfügung stehen“, erläutert Oldenburgs Sozialdezernentin Dagmar Sachse. „Wir müssen mit den verschiedenen Kassen Gespräche führen, für welche Projekte das Geld in kommunalen Lebenswelten eingesetzt werden soll.“

Das ist mit viel Aufwand verbunden. Dennoch hat Dagmar Sachse erste Ideen, was in der Huntestadt an gesundheitlicher Prävention geschehen könnte. So sollen zum Beispiel möglichst viele Kita-Kinder in den Genuss von Ernährungsangeboten kommen. „Die Stadt bietet das schon an und einige Krankenkassen tun es auch. Das könnte künftig gemeinsam geschehen“, sagt sie. Auf der Konferenz wurde mit den Kassenvertretern über ein mögliches Verfahren gesprochen, wie Kommunen und Kassen künftig als Partner auftreten. Welche Erfahrungen die Kommunen damit machen, darüber tauscht man sich auf der nächsten Tagung aus.

Die gesundheitliche Versorgung von Flüchtlingen ist kompliziert. Syrer hatten zu Hause eine ähnliche Versorgung wie wir. In Eritrea oder Afghanistan verhält es sich dagegen anders. „Unsere Aufgabe ist es, ihnen unser Gesundheitssystem zugänglich und verfügbar zu machen“, sagt Andrea Mager-Tschira vom Sprecherrat. „Wir waren uns einig, dass aufsuchende Arbeit notwendig ist. Das heißt, in den Unterkünften muss es Aufklärung über unser Gesundheitssystem mit all seinen Angeboten geben, denn je gesünder Flüchtlinge sind, umso leichter lassen sie sich integrieren.“

„Wir haben uns klar gegen Doppel- oder gar Zusatzstrukturen für Flüchtlinge ausgesprochen, weil sie Integration verhindern“, berichtet Dr. Hans Wolter, Koordinator Gesunde-Städte-Netzwerke. „Auch Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit macht Flüchtlinge krank“, stellte er klar. Je eher sie unser Hilfesystem verstehen und nutzen, umso stabiler und somit motivierter könnten die Flüchtlinge sich einbringen und somit ihre Zukunft besser planen und angehen.

Kommunen und Regionen können jederzeit Mitglied in Gesunde-Städte-Netzwerk werden, um vor dem Hintergrund der „gesunden Stadt“ sich jährlich mit ihren Kollegen im ganzen Bundesgebiet auszutauschen. „Wir sind nichts anderes als ein Zweckverband für kommunale Gesundheitsförderung“, fasst Hans Wolter abschließend zusammen.

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