Geschichte

„Oldenburg konkurrenzlos“

Michael Hopp und Verleger Florian Isensee präsentierten das Buch Oldenburg konkurrenzlos.

Michael Hopp (links) und Verleger Florian Isensee präsentierten das Buch „Oldenburg konkurrenzlos“.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg/zb – „Das beste Temperament der Welt zeichnet den Oldenburger aus. Er ist gutmütig und willig.“ So manch ein Oldenburger mag sich jetzt auf die Schulter schlagen, doch nicht er ist gemeint, sondern die Pferderasse.

So augenzwinkernd wie dieses Zitat des Hippologen Gustav Rau aus dem Jahr 1925 geht es durchgängig in dem jetzt von Michael Hopp vorgelegten Buch „Oldenburg konkurrenzlos“ zu, das im Isensee Verlag erschienen ist. Michael Hopp kennt nicht nur die Huntestadt in- und auswendig, er weiß auch viel über die Stadtgeschichte und sichtet gern alte Fotos und Postkarten.

Davon hat der Isensee Verlag ein ganzes Archiv, aber auch die Oldenburgische Landschaft kann mit ihren Beständen maßgeblich dazu beitragen. Und so ist ein Buch mit 120 Schwarz-Weiß-Fotos aus der Zeit zwischen 1865 bis 1975 entstanden, das den Leser in alte Zeiten zurück und mancherorts ins Grübeln versetzt. Wo soll das sein, fragt man sich und blickt oft erst auf den zweiten oder gar dritten Blick durch.

Michael Hopp hat sich auf die Suche gemacht, ob sich nicht auch dort gewisse konkurrenzlose Merkmale finden lassen, die nicht den Oldenburger Rössern, sondern Oldenburgs menschlichen Zweibeinern, also den Einheimischen, ähnlichen Glanz verliehen haben. Tatsächlich ist er fündig geworden und kommt zu dem Schluss: „Wer ohne Konkurrenz ist, kann sich ohne Leistungsdruck von außen durchs Leben begeben – oder er kann´s lassen.“ Herausgekommen ist ein Museum der Erinnerungen.

„Natürlich sind es die Pferde, die den Namen Oldenburg erfolgreich und überzeugend in die Welt trafen“, sagt Michael Hopp. So treffen sich 1905 vor dem Hauptbahnhof Menschen von Stand. Prinz Eitel Friedrich von Preußen und Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg natürlich in der Kutsche gezogen von Oldenburgern. Reichspräsident von Hindenburg lässt sich 1927 vor dem Reichsministerium – heute dem Sitz der Regierungsvertretung – in der Kutsche gezogen von Oldenburgern feiern. Und Kranich, das Lieblingspferd des Grafen Anton Günther, hat es schon 1976 – allerdings nicht aus Bronze sondern aus Gips – passend zum Stadtfest gegeben.

Der Titel des Buches ist einem Oldenburger Notgeldschein aus dem Jahr 1922 entnommen. „Oldenburg: konkurrenzlos“ steht darauf geschrieben. Und wo heute pausenlos die Autos rollen, nämlich am Stautor Café, besser bekannt als Rondell, da wurde 1955 noch Boot gefahren. Fast ein bisschen wie auf Chinas Straßen sieht es auf dem Pferdemarkt aus. Das Auto tritt gerade seinen Siegeszug an, doch Passanten und Fahrradfahrer nehmen sie noch nicht so ernst wie heute. Autos halten an, weil Fußgänger die Straße queren wollen.

Oldenburg war das erste Land im deutschen Reich, in dem die Nazis bereits 1932 bei den Landtagswahlen die absolute Mehrheit erhielten. 1937 mussten Hunderte von Jugendlichen auf den Dobbenwiesen beim Gautag der NSDAP stramm stehen für ein Volk, ein Reich, ein Führer. Und mitten im Nachkriegsoldenburg steht eine Litfaßsäule am Stau, die für Poffi-Knödelpulver und Vati-Accesoires wirbt.

„Es sind beeindruckende Motive und liebenswürdige aber auch denkwürdige Momente, die durchaus etwas Konkurrenzloses haben und denen ein Ehrenplatz in jedem privaten Museum der Erinnerungen gebührt“, findet Michael Hopp. Fakten und Daten des konkurrenzlosen Oldenburgs sind präzise recherchiert. Und so kann der Betrachter lernen und schmunzeln zugleich.

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