Geschichte

Der Lappan – Ein Wahrzeichen mit Geschichte

Eine Postkarte des Lappans in der Oldenburger Innenstadt von zirka 1905.

Eine Postkarte des Lappans von zirka 1905.
Foto: Stadtmuseum Oldenburg

Oldenburg (am) Am Dienstag hat die Oldenburg Tourismus Marketing GmbH (OTM) ihre neuen Räume im Lappan eröffnet – im Wahrzeichen Oldenburgs. Damit hat nach vielen Umzügen auch die Oldenburg-Info in der Lange Straße 3 die passende Adresse gefunden, wenn es darum geht, Gäste in der Stadt zu begrüßen. Die Geschichte des erstens Kirchturms der Stadt begann 1350 mit der Pest …

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14 bis 16. Jahrhundert

Als 1350 die Pest in Oldenburg gewütet hat, stiftete die Bürgerschaft zur Linderung der schlimmsten Not das Heilig-Geist-Armen- und Siechenhaus (1350) und die hölzerne Kapelle „Zum Heiligen Geist“ (1356). Als Standort wurde ein – damals noch – abgelegenes Grundstück am nördlichen Stadttor gewählt. Das Heiliggeist-Haus wurde erstmals am 5. Januar 1351 erwähnt, als die Grafen Johann und Konrad von Oldenburg bekundeten, dass die Vorsteher des Hauses dem dortigen Kappelan Dethard Smutte und seinen Nachfolgern Renteneinkünfte von acht Mark als jährliches Einkommen zu überwiesen hätten, der Überschuss sei zum Nutzen der Armen bestimmt. Davon berichtete heute der Leiter des Stadtmuseums Dr. Andreas von Seggern im Rahmen der OTM-Eröffnungsfeierlichkeiten. 1394 entstand die steinerne Heilig-Geist-Kirche. 1467/68 habe die Kapelle eine gotische Haube erhalten, der markante Glockenturm wurde errichtet. Es war der erste Kirchturm der Stadt, denn die St. Lamberti-Kirche besaß damals nur ein niedriges Glockenhaus. „Lapp-an. So bezeichnete der Volksmund zunächst das an die Kapelle ‚angelappte‘ (niederdeutsch für ‚angeflickt‘) Armenhaus“, so von Seggern. Der Turm wurde damals nicht so bezeichnet.

Der Komplex bestand im Mittelalter aus drei Teilen: Armenhaus zum heiligen Geist, Kapelle und Turm mit einem gotischem „Helm“. Das benachbarte, später angelegte Stadttor erhielt deswegen auch die Bezeichnung „Heiligengeisttor“. Es wird vermutet, dass das Armenhaus bereits im Mittelalter geschlossen wurde. Im Zuge der Reformation wurde die Kapelle säkularisiert (verweltlicht), an die Stadt übergeben und das Kirchenschiff diente nicht mehr kirchlichen Zwecke. Zuerst wurde hier das Folterwerkzeug der Stadtgerichtsbarkeit gelagert, später zog ein Ratsdiener ein. Das Kapellengebäude wurde zur Soldatenunterkunft. 1581 wurde vor den Stadttoren bei St. Gertrud ein neues Siechenhaus gestiftet, so dass auch das Heilig-Geist-Spital aufgegeben wurde. Um die laufenden Kosten für den Unterhalt des Komplexes bezahlen zu können, war die Stadt auf weitere Einnahmen angewiesen. Ende des 16. Jahrhunderts wurde der untere Raum des Turmes als Schenke eingerichtet und verpachtet. Um die Turmuhr musste sich der Pächter kümmern.

17. bis 19. Jahrhundert

Der Lappan im Jahr 1820.

Der Lappan im Jahr 1820.
Foto: Stadtmuseum Oldenburg

Der Komplex samt Turm wurde während des großen Stadtbrandes 1676 stark beschädigt. Die heutige „welsche“ Renaissance-Haube erhielt der Lappan erst 1709 im Zuge des Wiederaufbaus, 100 Jahre später wurde sie mit Kupferplatten bedeckt. Die Gesamthöhe des Turms beträgt etwa 35 Meter, die des Unterbaus aus Backstein knapp 16 Meter. Damit ist das Dach höher als der Unterbau. Die im Lappan-Turm hängende Glocke hängt dort seit 1731. Ihre Inschrift lautet „Gott lasse meinen Klang ergehen zu seines Namens Ehr und Besten dieser Stadt“. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts werde die Gebäudegruppe als „Lappan“ bezeichnet, so von Seggern. Zu dieser Zeit wird ein erster geplanter Abriss von Herzog Peter Friedrich Ludwig verboten. Bis 1845 stand am Lappan das Heiligengeisttor, eines der fünf Stadttore Oldenburgs. Im Laufe der nächsten Jahre nahm der Verkehr in der Innenstadt stark zu und der Turm wurde zum Engpass. Wieder geht es um den Abriss. 1853 und 1891 wehren sich engagierte Bürger gegen die Pläne.

20. Jahrhundert

1909 wurde der Lappan restauriert, wodurch er seine heutige Gestalt erhalten hat. Die alten Gebäude wurden abgerissen und durch ein Wohn- und Geschäftshaus mit großen Schaufenstern ersetzt. Lange genutzt wurde es von der Kunsthandlung Carl G. Oncken (als Hofkunsthandlung 1867 gegründet). Der Lappan diente der Papier- und Kunsthandlung als Geschäfts-, Wohn- und Ausstellungshaus. Die erste Ausstellung im Lappan zeigte Werke von Max Liebermann und der Brücke-Maler wie Erich Heckel. Der aus Sachsen stammende Maler, Grafiker und Mitbegründer der „Brücke“, Erich Heckel (1883-1970), gehört zu den Wegbereitern einer Revolution in der bildenden Kunst. Er war und ist vor allem für seine frühen blockhaften Holzschnitte bekannt. Er entwarf ein Plakat für die Kunsthandlung Oncken und machte den Turm, in dem die Ausstellungen stattfanden, sogleich damit berühmt. In großen Lettern prangt der Name „LAPPAN“ unten auf dem Plakat. Seit den 1960er Jahren diente das Wahrzeichen als Sitz des Verkehrsvereins und eines Reisebüros.

Weitere umfangreiche Renovierungsarbeiten am Gebäude erfolgten 1989 (Erneuerung des Kupferdaches, Ausbesserung der Holzkonstruktion) und in diesem Jahr, um den Lappan für den Einzug der Oldenburg-Info vorzubereiten. Die Innenräume wurden saniert und ein barrierefreier Zugang geschaffen.

Herzlichen Dank für die Unterstützung des Stadtmuseums und der OTM.

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