Geschichte

Vom Chausseebau zur modernen Asphaltstraße

Lars Osterloh und Thomas Mannchen mit der restaurierten Walze aus den 1950er Jahren, die 1985 ihren letzten Einsatz in Oldenburg hatte und zum Tag der offenen Tür wieder aktiviert wird.

Lars Osterloh (links) und Thomas Mannchen mit der restaurierten Walze aus den 1950er Jahren, die 1985 ihren letzten Einsatz hatte und zum Tag der offenen Tür wieder aktiviert wird.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Vor 250 Jahren begann auf dem Gebiet des heutigen Landes Niedersachsen der staatlich betriebene und organisierte Straßenbau. Grund genug für die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Oldenburg, am Sonntag, 25. Mai, zu einem Tag der offenen Tür auf die Straßenmeisterei Oldenburg / Tweelbäke, Lehmplacken, einzuladen.

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1764, also genau vor 250 Jahren, stellte König Georg III., Kurfürst von Hannover, erstmals Geld für den staatlich organisierten Straßenbau auf dem Gebiet des heutigen Landes Niedersachsen zur Verfügung. Er gründete die „Königlich-Churfürstliche Wegbau-Intendance“ als Vorläuferin der heutigen Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr.

Seinerzeit stellte er 12.000 Taler für den Chausseebau zur Verfügung und legte damit den Grundstein für den heutigen Straßenbau. Zunächst waren Ingenieuroffiziere, seit Beginn des 19. Jahrhunderts zivile Ingenieure – so genannte Chaussee- und Wegbauinspektoren – für die technischen Lösungen im Straßen- und Brückenbau zuständig. Erst später gab es den Berufsstand der Straßenbauingenieure.

Wer vor 250 Jahren eine Reise von Hannover nach Oldenburg unternahm, der konnte allerhand erleben. Während wir heute bequem über asphaltierte und gut ausgeschilderte Fahrbahnen fahren, ging es seinerzeit mit der Pferdekutsche über unbefestigte Erdwege eher beschaulich und mitunter gar nicht voran. Spurrillen, Unebenheiten, Stolpersteine und Schlamm mussten die Pferde bewältigen und es kam nicht selten vor, dass Achsen brachen. Für die Instandhaltung der Wege waren die Anlieger zuständig. Sie mussten die Schlaglöcher stopfen, was sie offenbar nur widerwillig taten, wie Sabine Hindelang und Peter Walther in ihrem Aufsatz in dem Buch „Es begann mit 12.000 Talern“ berichten. Die Anlieger warfen Sand, Holz oder Buschwerk in die Löcher. Von einem staatlich organisierten und finanzierten Straßenbau konnte noch lange nicht die Rede sein.

Je mehr Handel und Gewerbe betrieben wurde, umso bedeutsamer wurde der Chausseebau. Und wer sich heute über Maut aufregt, der kann sich trösten. Bereits 1784 gab es eine Wegegeldverordnung, um Chausseebauten und deren Reparaturen finanzieren zu können.

1817 wurde der erste Straßenbedarfsplan erstellt. Oldenburg taucht im Gegensatz zu Bremen, Osnabrück oder Emden dort noch nicht auf. Parallel dazu gewann die Eisenbahn zwischen 1840 und Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. Sie war erheblich schneller als Fuhrwerke und konnte viel mehr Güter transportieren. 1843 wurde deshalb versucht, die Verwaltungen aller öffentlichen Straßen des Königreichs Hannover zusammen zu fassen. Es entstanden verschiedene Instanzen, die sich um die Straßen kümmern mussten.

Bis 1933 war der Straßenbau Sache der preußischen Provinzen bzw. der Länder des Reiches. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde das Straßenbauwesen zentralisiert. 1935 gab es in Oldenburg die beiden Straßenbauämter Ost und West. Nach dem Krieg ordnete die britische Militärregierung eine zentrale Straßenbau- und Verkehrsdirektion mit Hauptsitz in Hannover an.

„Im Gebiet des ehemaligen Landes Oldenburg wurden die mittelinstanzlichen Aufgaben noch bis 1959 vom Präsidenten des Verwaltungsbezirks Oldenburg, Abteilung Straßen, Wasser und Verkehr, wahrgenommen. Erst vom 1. Januar 1960 an wurde die Aufsicht über die Straßenbauämter Ost und West dem Niedersächsischen Landesverwaltungsamt, Abteilung Straßenbau, übertragen, in das die Straßenbaudirektion mit Wirkung vom 1. April 1959 eingegliedert worden war“, schreiben Hindelang und Walther.

1962 wurde in Oldenburg neben den Ämtern Ost und West wegen der Autobahnplanungen ein Autobahnneubauamt eingerichtet. Das wurde 1992, nachdem die meisten Autobahnen im Amtsbezirk gebaut waren, aufgelöst und in das Amt Ost integriert. 2000 wurden die Straßenbauämter Ost und West zusammengelegt.

Rund 360 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einschließlich der Straßenwärter sind in der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Oldenburg inklusive der fünf Straßenmeistereien, der drei Autobahnmeistereien und einer Autobahn- und Straßenmeisterei beschäftigt. Sie betreuen 1820 Straßenkilometer. Davon 160 Kilometer Bundesstraßen, 590 Kilometer Landesstraßen und 760 Kilometer Kreisstraßen sowie 310 Kilometer Bundesautobahnen. Rund 100 Millionen Euro setzt die Landesbehörde Geschäftsbereich Oldenburg für Bau, Grunderwerb, Unterhaltung und Betrieb sowie externe Ingenieurleistungen (nicht enthalten: eigene Personalkosten und von hier verwaltete Fördermittel für den kommunalen Straßenbau) pro Jahr um.

Und was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten außer der Technik noch verändert? „Wir müssen immer häufiger und schneller auf öffentliche Anfragen und Kritik reagieren, was wir positiv beurteilen. Damit entsprechen wir dem wachsenden demokratischen Anspruch auf Transparenz der öffentlichen Verwaltung. Allerdings müssen wir höhere Umsätze / Leistungen mit immer weniger Personal erbringen“, gibt Joachim Delfs, Leiter des Geschäftsbereichs Oldenburg der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, zu bedenken und nennt ein Beispiel: „Der Neubau Emstunnel 1984 bis 1989, eigenes Personal vor Ort 14 Personen, Kosten zirka 200 Millionen DM / 100 Millionen Euro; Neubau Wesertunnel 1998 bis 2003, eigenes Personal vor Ort sieben Personen, Kosten zirka 200 Millionen Euro.“ Dafür ist der Fremdvergabeanteil (Ingenieurleistungen, aber auch Betriebsdienstleistungen) heute wesentlich größer als früher. „Wir managen und steuern heute überwiegend das, was wir früher noch selbst gemacht haben“, erklärt der Amtsleiter. Auch in der Straßenbauverwaltung ist man auf der Suche nach dem Königsweg: Personalkosten reduzieren, Effizienz erhöhen und dabei die eigene Fachkompetenz erhalten.

In den vergangenen 50 Jahren erlebte der Straßenbau vor allem eine enorme Technisierung. Moderne Maschinen und Geräte hielten Einzug. Welche Unterhaltungs- und Winterdienstfahrzeuge und -geräte heute im Einsatz sind, darüber informiert der Tag der offenen Tür anlässlich des 250-jährigen Jubiläums von 10 bis 17 Uhr in der Straßenmeisterei in Tweelbäke.

„Wir präsentieren ein vielseitiges Programm“, kündigt Delfs, an. Neben Informationen zur Geschichte des Straßenbaus im Oldenburger Land wird es auch Filmvorführungen zum Bau des Wesertunnels und des Emstunnels geben. Darüber hinaus werden Fahrzeuge und Geräte ausgestellt. Die Besucher können den Wandel vom Besen bis zum Schneepflug, vom Fahrrad bis zum Lkw und von der Chaussee bis zur Autobahn nachvollziehen.

Eine restaurierte Walze aus den 1950er Jahren mit englischem Motor, die noch fahrtüchtig ist und beim Tag der offenen Tür mit einer Kurbel angeworfen wird, ist der besondere Stolz der Straßenmeisterei. Thomas Arndt und Dieter Böschen haben sie eigens zum Jubiläum wieder hergerichtet. Thomas Mannchen hat 1985 die letzte Fahrt mit ihr unternommen. Dass er sie fast 30 Jahre später noch einmal fahren wird, hätte er nicht gedacht.

Wer sich für die Ausbildung zum Straßenwärter interessiert, kann sich beim Tag der offenen Tür ausführlich informieren. Wer den Überschlagsimulator ausprobieren oder Brücken bauen möchte, hat dazu Gelegenheit. Außerdem können die Besucher beim Sägen von Skulpturen mit Motorsägen dabei sein. Kinder können sich auf eine Hüpfburg, ein Glücksrad und eine Riesensandkiste freuen. Auch für das leibliche Wohl ist den ganzen Tag gesorgt. Parkmöglichkeiten gibt es beim Autohaus Rosier an der Bremer Heerstraße.

Geschäftsbereich Oldenburg der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr

Neun Außenstellen: die Autobahnmeistereien Leer, Varel und Oldenburg, die Straßen- und Autobahnmeisterei Wildeshausen sowie die Straßenmeistereien Nordenham, Brake, Oldenburg, Westerstede und Delmenhorst.

Insgesamt 1.820 Straßenkilometer gehören zum Geschäftsbereich Oldenburg im Gebiet der Landkreise Ammerland, Oldenburg und Wesermarsch. Darin enthalten sind zirka 310 km Bundesautobahnen, auch über das Gebiet der genannten Landkreise hinaus (gesamte A28 zwischen der A31 / Leer und der A1 / Stuhr, gesamte A29 zwischen der A1 / Ahlhorn und Wilhelmshaven, A31 zwischen Emden und Papenburg, A1 zwischen Bremen / Brinkum und Cloppenburg sowie die A280 (A31 – Grenze NL) und die A293 (OL-West – OL-Nord).

Weitere Informationen gibt es unter www.strassenbau250.niedersachsen.de

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