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Meeresschutz auf die Fahnen geschrieben

Freuen sich über die HIFMB-gründung (von links): Jürgen Krogmann, Helmut Hillebrand, Gabriele Heinen-Kljajić, Hans Michael Piper und Karin Lochte.

Freuen sich über die HIFMB-gründung (von links): Jürgen Krogmann, Helmut Hillebrand, Gabriele Heinen-Kljajić, Hans Michael Piper und Karin Lochte.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Gestern ist das Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität (HIFMB) offiziell gegründet worden. „Die Universität Oldenburg und das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), bündeln und erweitern damit ihre Forschungsexzellenz auf diesem Feld und überwinden geografische Grenzen“, freute sich Gabriele Heinen-Kljajić, Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur. Sie betonte die Exzellenz der verantwortlichen Wissenschaftler, denen es auf beeindruckende Weise gelungen sei, Gutachter von ihrem Vorhaben zu überzeugen.

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Inhaltlich geht es um die Rolle des Meeres und wie wir es immer stärker nutzen und auch ausbeuten. Einerseits ist es sensibler Naturraum, andererseits dient es als Wirtschaftsraum. Es liefert Nahrung und Rohstoffe, beeinflusst Luftqualität und Weltklima, baut Schadstoffe ab und dient als Ort für Erholung und Tourismus. Die Forscher des HIFMB befassen sich unter anderem damit, wie und warum sich die marine Biodiversität verändert, inwiefern sich mögliche Veränderungen auf marine Ökosysteme und ihre Funktionen auswirken und wie sich die Gesellschaft anpassen oder gar Folgen mindern kann.

„Mit der Gründung des HIFMB entwickelt sich Oldenburg zu einem auch international bedeutenden Zentrum der Meeres- und Klimawissenschaften“, erklärte Gabriele Heinen-Kljajić. „Das Institut ist ein Beispiel für die erfolgreiche Verbindung von exzellenter Grundlagenforschung und gesellschaftlicher Relevanz. Meere sind das weltgrößte und wichtigste Ökosystem.“

Das Land Niedersachsen finanziert das neue Institut, das gegenwärtig in angemieteten Räumen untergebracht ist, in der Aufbauphase bis Ende 2020 mit bis zu 23 Millionen Euro, die unter anderem in einen Institutsneubau fließen werden. Die Stadt Oldenburg hat dafür ein Grundstück ganz in der Nähe der Universität bereitgestellt. „Wir haben als Stadt den Prozess der Ansiedlung von Beginn an engagiert unterstützt und eng begleitet. Vor allem bei der Grundstücksfrage haben wir schnell klargemacht, dass wir uns in der Verpflichtung sehen, diese Ansiedlung zu ermöglichen“, sagte Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann. Er sprach von „einem wichtigen Meilenstein für den Wissenschaftsstandort Oldenburg und von einem Erfolg der jahrzehntelangen Arbeit der Meeresforscher“.

„Wenn wir verstehen wollen, wie ein Ökosystem funktioniert, müssen wir nicht nur die Vielfalt an Arten und deren Funktion untersuchen, sondern auch die Rolle der Menschen in der marinen Umwelt“, betonte AWI-Direktorin Prof. Dr. Karin Lochte. „Eine wissenschaftliche Grundlage für den Meeresschutz und ein marines Ökosystem-Management zu legen, ist eine immens wichtige und drängende Aufgabe und zugleich ein folgerichtiger Ausbau der international ausgewiesenen Biodiversitäts- und Meeresforschung in Oldenburg“, erklärte Universitätspräsident Prof. Dr. Dr. Hans Michael Piper.

Um neuartige Naturschutz- und Managementstrategien zu entwickeln, setzt das HIFMB auf einen integrativen Forschungsansatz. Dieser soll eine naturwissenschaftliche Basis für Schutzkonzepte verbinden mit sozialwissenschaftlicher Expertise in der Analyse gesellschaftlicher und politischer Prozesse. Eine weitere neue Professur für Biodiversitätsinformatik wird die steigende Menge an verfügbaren Daten zur biologischen Vielfalt zum Wohle der marinen Ökosysteme besser nutzbar machen.

„Die insgesamt vier neuen Professuren schließen einerseits Forschungslücken und bilden andererseits wichtige Scharniere zwischen dem vorhandenen Fachwissen in der marinen Biodiversitätsforschung“, so HIFMB-Gründungsdirektor Prof. Dr. Helmut Hillebrand. Vorerst kooperieren in dem Institut insgesamt elf bestehende Arbeitsgruppen der Universität Oldenburg und des AWI, davon sechs aus dem Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) und dem Institut für Biologie und Umweltwissenschaften (IBU) der Universität und fünf aus dem AWI.

Nach der Aufbauphase übernimmt die Helmholtz-Gemeinschaft ab 2021 die Basisfinanzierung des Instituts von rund 5,5 Millionen Euro pro Jahr. Davon stammen 90 Prozent aus Mitteln des Bundes und zehn Prozent aus Mitteln des Landes Niedersachsen. 2022 soll der geplante Institutsneubau am Pophankenweg fertiggestellt sein.

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