Oldenburg

Ahmad Mansour: „Der Preis tut meiner Seele gut“

Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann überreichte Ahmad Mansour heute Abend in Oldenburg den mit 10.000 Euro dotierten Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg.

Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (rechts) überreichte Ahmad Mansour heute Abend in Oldenburg den mit 10.000 Euro dotierten Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) – Ahmad Mansour ist heute Abend mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis der Stadt Oldenburg ausgezeichnet worden. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis für Zeitgeschichte und Politik wird seit 1984 alle zwei Jahre von der Stadt verliehen und soll an den Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky erinnern, der 1938 an den Folgen seiner KZ-Haft gestorben ist.

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Die Jury hatte über mehrere hochkarätige Vorschläge zu entscheiden. „Mit Ahmad Mansour haben wir die ideale Person gefunden“, sagt Jurymitglied Prof. Dr. Sabine Döring. „Bei ihm gibt es keine Trennung zwischen seiner Biographie, seiner Arbeit und seinen Werten“, erklärt sie und hebt sein hohes Maß an Authentizität hervor und „seinen Einsatz bis zur eigenen Verletzlichkeit“.

„Ahmad Mansour fordert eine innere Reform des Islam, eine inner-islamische Debatte um Glaubensinhalte und um das Selbstverständnis eines zeitgemäßen Islam. Seine Position ist deshalb besonders wichtig, weil sie sich von Hysterie nicht differenzierter eifernder Islamgegner unterscheidet“, sagt der Laudator und ehemalige Bundesminister Gerhard Baum. „Wir brauchen dringend eine Versachlichung der Diskussion. Dazu leistet er wesentliche Beiträge in einer Situation, in der Terrorismus und Flüchtlingszug westliche Gemüter in Schrecken versetzt.“

„Ahmad Mansour ist für seinen besonderen Einsatzes für Demokratie, Toleranz und Integration mit dem Preis ausgezeichnet worden“, erklärt Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, der ihm den Preis überreichte. „Mit seiner beispielhaften Präventions- und Aufklärungsarbeit setzt er sich eindrucksvoll für ein demokratisches, gewaltfreies und friedliches, dem Grundgesetz und den Menschenrechten verpflichtendes Zusammenleben ein.“

„Der Preis ist ein Superlativ und tut meiner Seele gut“, sagt der 39-Jährige. Zur Preisverleihung kann er nur mit mehrfachem Personenschutz kommen, denn seine Arbeit wird nicht von allen geschätzt. Es ist sein Islamverständnis, das auf dem Grundgesetz basiert, das anderen nicht passt. Ahmad Mansour, der fast radikaler Islamist geworden wäre, bricht mit patriarchalen Strukturen und dem Anspruch auf den alleinigen Gott. „Der Preis ist eine wohltuende Anerkennung meiner Arbeit“, sagt er und dankt der Stadt dafür.

Mit seiner authentischen Arbeit versucht er, junge Muslime vor der Radikalisierung zu bewahren, ihnen einen Weg mitten in unsere Gesellschaft zu ebnen, wo sie endlich anerkannt werden. „Mein Wunsch ist eine breite gesellschaftliche Bewegung gegen Radikalisierung“, sagt der Psychologe, der auch jungen Extremisten hilft, sich zu deradikalisieren. Jeder in der Gesellschaft könne seinen Beitrag leisten, um Muslime am Wir-Gefühl teilhaben zu lassen. Insbesondere Lehrkräfte hätten hier eine ganz besonders verantwortungsvolle Aufgabe. Sie zu schulen wäre dringend notwendig, damit sie Jugendlichen und deren Eltern helfen und ihnen den Mehrwert, den demokratische Strukturen beinhalten, zu vermitteln.

Gleichwohl weist er darauf hin, dass radikaler Islamismus nicht nur männlich ist. „35 Prozent der von Salafisten angeworbenen Personen in Deutschland sind Frauen. Und patriarchale Strukturen, die vor allem mit Angst arbeiten, funktionieren nur mit Frauen“, stellt er klar. In Deutschland, so kritisiert der Preisträger, sei diese Entwicklung von der Politik erst ernst genommen worden, als die ersten radikalisierten Islamisten nach Europa zurückgekehrt seien. „Welche Dimension das System hat, ist vollkommen verkannt worden“, beklagt er.

Geboren in einem arabischen Dorf in Israel, lebt der Preisträger seit zehn Jahren in Berlin und wurde bundesweit bekannt durch sein Buch „Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“. Sein Studium in Tel Aviv, das er in Berlin fortsetzte, half ihm dabei, sich von der Radikalisierung zu lösen. Neben wissenschaftlichen, publizistischen und beratenden Tätigkeiten engagiert er sich gleichermaßen in seiner praktischen Arbeit gegen Extremismus, Unterdrückung, Antisemitismus und Fanatismus.

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