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Schleppende Digitalisierung bremst Kampf gegen Corona-Pandemie

Gesundheitsamt, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Plan von Bund und Ländern, in den Gesundheitsämtern einheitliche, digitale Systeme einzuführen, ist gescheitert. Das zeigt eine Umfrage von „Handelsblatt Inside Digital Health“ in den Bundesländern.

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90 Prozent der Behörden sollten bis Ende 2020 die Systeme Sormas für die Kontaktnachverfolgung und Demis für die Meldewege nutzen, hatten die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel im November als Ziel festgelegt. Die Länder berichten vielfach, lieber auf eigene Lösungen zu setzen oder noch abwarten zu wollen. Die Bilanz: Insgesamt sind nur 111 der rund 400 deutschen Gesundheitsämter in der Lage, Sormas zu nutzen, teilte das Bundesgesundheitsministerium dem Fachdienst mit. Für das Meldesystem Demis hatte der Gesetzgeber zu Jahresbeginn eine Verpflichtung zum Anschluss für Ämter und Labore vorgegeben.

In der Realität wird dennoch noch gefaxt, wie etwa die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein mitteilten. Ein Grund dafür ist, dass die Software, für die das Robert-Koch-Institut (RKI) verantwortlich ist, noch nicht einwandfrei funktioniert. „Noch müssen wir die Positivbefunde parallel an die Gesundheitsämter faxen, da das RKI eine veraltete Postleitzahlen-Liste der Gesundheitsämter zur Verfügung gestellt hatte“, sagte Christian Scholz, IT-Vorstand des Verbands der akkreditieren Labore in der Medizin (ALM), „Handelsblatt Inside“. Demis bestimmt automatisiert auf Basis der Postleitzahl der getesteten Person, an welches Gesundheitsamt die Meldung adressiert werden muss.

Da Postleitzahlen aber auch zwei Landkreisen zugeordnet werden können, kommen immer wieder Fälle auf, in denen nicht klar ist, an welches Amt die Meldung erfolgen muss. Das System wird nun auf die Zuordnung anhand der gesamten Adresse umgestellt, bestätigte das RKI. Ende Januar wolle man damit fertig sein.

Foto: Gesundheitsamt, über dts Nachrichtenagentur

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