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Lehrerpräsident erwartet mehr Studien- und Ausbildungsabbrecher

Studenten in einer Bibliothek, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnt vor einer zunehmenden Zahl von Studienabbrechern und Jugendlichen, die ihre Ausbildung nicht beenden. „Zahlreiche junge Menschen werden trotz Schulabschluss nicht die notwendigen Kenntnisse haben, um eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen“, sagte er dem Portal „Business Insider“.

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Hintergrund sind demnach die Bildungsdefizite während der letzten anderthalb Jahre Corona-Pandemie. Die Defizite können laut Meidinger kurzfristig nicht gelöst werden. Mehrere Bundesländer haben sogenannte Sommerschulen eingerichtet, in denen die Kinder verpassten Stoff aufholen sollen. Dafür nehmen Bund und Länder zwei Milliarden Euro in die Hand.

Doch entsprechende Nachhilfe-Möglichkeiten in den Ferien bieten eben nicht alle Bundesländer an, zudem nehmen von zehn Millionen Schülern in Deutschland offenbar die wenigsten das Angebot in Anspruch, schreibt „Business Insider“. Meidinger hat große Zweifel am Konzept der Sommerschulen. Er sagte dem Portal: „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Einen Verdurstenden wird das nicht retten.“

Für jeden Schüler seien in der Pandemie zwischen 350 und 900 Stunden Präsenzunterricht ausgefallen. „Das kann man nicht mit einem zweiwöchigen Sommerkurs ausgleichen.“ Die Politik schaffe eine Erwartungshaltung, die nicht erfüllbar ist. Ein weiteres Problem: Die Sommerschulen werden häufig nicht diejenigen nutzen, die sie am meisten brauchen, sondern diejenigen mit „bildungsaffinen Eltern“, wie er es ausdrückt.

Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, hatte bei den Schulministern der Länder für die Sommerschulen geworben. Vom Konzept sei er überzeugt, auch wenn das Angebot „noch deutlich breiter und besser sein“ könnte, sagte Schramm dem Portal. Doch auch er glaubt nicht, dass die Rückstände bald aufgeholt sind: „Wir brauchen mehr Geld für individuelle Nachhilfe, gerade für Kinder mit schwachem wirtschaftlichen Hintergrund.“

Foto: Studenten in einer Bibliothek, über dts Nachrichtenagentur

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1 Kommentar

  1. W. Lorenzen-Pranger
    14. Juli 2021 um 13.14 — Antworten

    „Wir brauchen mehr Geld für individuelle Nachhilfe, gerade für Kinder mit schwachem wirtschaftlichen Hintergrund.“

    Das wirds auch nicht bringen. An der Schule einer meiner Bekannten gehen im nächsten Jahr fast zwanzig von knapp einhundertsechzig Lehrer in den Ruhestand. Nachwuchs bei den Lehrern ist schon seit spätestens über zehn Jahren rar, die Bundesländer versuchen alles, sich möglichst viele gegenseitig abzuwerben.
    Der Lehrerberuf ist im Vergeich zu ähnlich Ausgebildeten in der Wirtschaft durchgehend viel zu schlecht bezahlt, in keinem anderen Bereich gibts so viel private Eigenleistung die angeschafft werden muß, vom eigentlich privaten Bleistift bis zum Smartphone und Computer, die ganz selbstverständlich mitgebracht werden sollen – und das Ansehen liegt etwa auf dem Nicht-Niveau von besonders zwielichtigen Politikern. Lehrerbashing, selbst in den abstruseten Zusammenhängen, ist Alltag.
    Ich bin mal gespannt, wann sich das ändern wird. Mit „Ministern“, deren Sachkenntnis man getrost in die Tonne kloppen kann, vermutlich nie.

    https://www.spiegel.de/karriere/schule-lehrer-bezahlen-oft-hunderte-euro-im-jahr-fuer-unterrichtsmaterial-a-1208325.html

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