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Kliniken weisen Betrugsvorwürfe in der Pflege scharf zurück

via dts Nachrichtenagentur

Im Streit um die Finanzierung des Gesundheitswesens reagieren die deutschen Kliniken empört auf Betrugsvorwürfe des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK). Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, sprach in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ von „unverschämten“ Unterstellungen und forderte die Auflösung des BKK-Bundesverbands.

Zuvor hatte die BKK-Verbandsvorsitzende Anne-Kathrin Klemm der FAZ gesagt, sie halte es für „Betrug“, dass Kliniken ihre Pflegekosten bewusst falsch abrechneten. Sie warf Krankenhäusern vor, Verwaltungsmitarbeiter nur der Form halber zu Pflegeassistenten weiterzubilden, um deren Gehälter über das Pflegebudget abzurechnen. Die stark steigenden Gesundheitsausgaben sind Klemm zufolge auch auf diese Praxis zurückzuführen.

DKG-Chef Gerald Gaß wies die Vorwürfe in der FAZ zurück. „Der Vorwurf des Betrugs im Zusammenhang mit dem Pflegebudget entbehrt jeder Grundlage“, sagte er der Zeitung. Die Budgets würden entsprechend den gesetzlichen Vorgaben von unabhängigen Wirtschaftsprüfern testiert. „Wenn Frau Klemm es nicht wüsste, wäre es ein Zeichen von Inkompetenz. Wenn sie es weiß, will sie offenbar bewusst die Verantwortlichen in den Krankenhäusern verleumden“, so Gaß. Wer von Betrug spreche, müsse konkrete Belege liefern.

Gaß warf Klemm zudem vor, die Abschaffung des unbegrenzten Pflegebudgets nur zu fordern, um Gehaltserhöhungen in der Pflege zu verhindern. Auch Klemms Kritik an der Entbudgetierung der ärztlichen Honorare stößt im Gesundheitswesen auf Ablehnung. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sprach in der FAZ von „reiner Polemik“. Die Aufhebung der Honorarbegrenzungen für Haus- und Kinderärzte sei „überfällig“ gewesen und habe den Zugang der Versicherten verbessert. Bei Fachärzten würden immer noch 40 Millionen Termine im Jahr nicht unvergütet.

Unterstützung erhält Klemm hingegen vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Dessen Vorsitzender Oliver Blatt bezeichnete das neue Jahr in der FAZ als entscheidend für die Stabilisierung der Krankenkassenfinanzen. Die bisherigen Sparbemühungen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) reichten nicht aus. Die GKV-Mehrausgaben für Honorare, steigende Medikamentenpreise und mehr Leistungen bezifferte Blatt für 2026 auf „weit mehr als 20 Milliarden Euro“.

Wie Klemm befürchtet auch Blatt Beitragssatzanhebungen möglicherweise noch im Jahresverlauf. „Ohne nachhaltige Veränderungen müssten sich viele Millionen Versicherte und deren Arbeitgebende darauf einstellen, dass die Krankenkassenbeiträge allerspätestens zum nächsten Jahreswechsel erneut steigen.“

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dts Nachrichtenagentur

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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10 Kommentare

  1. Julian E
    12. Januar 2026 um 12.53 — Antworten

    Vielleicht steigen die Kosten auch weil wir Gott und die Welt eingeladen haben und die vollen Zugang zu unserem Gesundheitswesen haben, ohne jemand eingezahlt zu haben?

    • W. Lorenzen-Pranger
      12. Januar 2026 um 19.31 — Antworten

      Haben sie den Begriff Menschenwürde schon mal gehört? Wir haben niemanden eingeladen, aber wenn jemand Schutz sucht, dann ist es egal für wen eine Pflicht zu helfen. Demnächst könnten sie es ja sein, der mal Hilfe braucht.

    • Markus
      12. Januar 2026 um 22.00 — Antworten

      Wer sagt, dass die nicht einzahlen? Ich kenne viele Geflüchtete und die meisten arbeiten. Der Rest geht zur Schule oder in den KiGa.
      P.S.: Rechte Hetze ist hier unerwünscht.

  2. Michael Hanke
    12. Januar 2026 um 17.02 — Antworten

    Die ständigen Diffamierungen der Krankenhäuser durch die Krankenkassen ohne konkrete Beweise – mal schlechte Qualität mal Abrechnungsbetrug – haben System und dienen dazu ein falsches Bild zu zeichnen. Getreu dem Motto „irgendwas wird schon haften bleiben“.

    • W. Lorenzen-Pranger
      13. Januar 2026 um 11.29 — Antworten

      Dabei sind es ganz andere, die abkassieren. Beispiel: Etwas stimmte mit meinen Horhilfen nicht. Neukosten pro Gerät zweitausend Euro (ich habe zwei Ohren 🙂, also viertausend), ausgestattet mit viel überflüssigen Schnickschnack, den ich nie nutzen werde. Also ab damit in die Reperatur. Siehe da, die gesamte Technik in diesem Gerät auszutauschen sollte nach erster Auskunft zweihundertfünfundssiebzig (!) Euro kosten. O.K. es gibt eine regelmäßige kostenlose Wartung solcher Geräte, die im Durchschnitt keine fünf Minuten dauert, dabei wird ein Plastik-Winzteil ausgewechselt – aber zweitausend Euro pro Stück?
      Unsinn bei der Sache, eine differenzierte Einstellung solcher Dinger geht nur über eine „Äpp“, ich besitze aber gar kein internetfähiges Smartfone, wozu auch noch in meinem Alter.
      Jetzt bot man mir Geräte mit „KI“ an, ich habe gar nicht erst nach dem Preis gefragt..

      • Markus
        13. Januar 2026 um 21.54 — Antworten

        Gerät mit KI? Hört man dann nur noch das, was man hören will?

        • W. Lorenzen-Pranger
          14. Januar 2026 um 21.53 — Antworten

          Nee, das filtert dann „Hintergrundgeräusche“ besser aus, natürlich nur regelbar über Smartphone. Hintergrundgeräusche sind nur dummerweise auf einem Fahrrad, aber nicht nur da, im Straßenverkehr etwas, das zur Oriontierung sehr wichtig sein kann.
          Sowas KANN man basteln, muß man aber nicht.

          • Markus
            15. Januar 2026 um 21.30 — Antworten

            Das Problem wird immer schlimmer, aber vielleicht kommt ja im Strassenverkehr der berühmte Darwin-Award zum EInsatz. Unterwegs zu Fuss, mit dem Scooter oder Fahrrad, dicke Over-Ear-Kopfhörer drauf, natürlich mit ANC – damit man ja NUR die Musik (oder was auch immer sich da in die Gehörgänge geblasen wird) mitbekommt. Letztens ist wieder so eine Nase geradewegs auf mich zugekommen, dicke Kopfhörer, Smartphone in den Fingern und die Augen darin vertieft. Auf mein etwas lauteres „Vorsicht“ KEINE Reaktion und stumpf in mich reingelaufen. Mich dann erst verwirrt angesehen und dann angeblökt, warum ich ihm denn im Weg stehen würde.
            Öh…. Hallo Mac Fly? Jemand zu Hause?

            • W. Lorenzen-Pranger
              17. Januar 2026 um 9.40 — Antworten

              Es gibt zu wenig Verkehrspolizei. Kopfhörer, die Außengeräusche abschirmen sind im Straßenverkehr verboten.

          • W. Lorenzen-Pranger
            15. Januar 2026 um 21.55 — Antworten

            Autsch. Orientierung… 🙂

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