IG-Metall-Chef sieht Analogie zu 1945

Stahlproduktion, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Angesichts von Digitalisierung und Dekarbonisierung fordert IG-Metall-Chef Jörg Hofmann eine stärkere Einbeziehung der Arbeitnehmervertreter. „In vielen Branchen wird kein Stein auf dem anderen bleiben“, sagte der Erste Vorsitzende der größten deutschen Gewerkschaft der „Welt“ (Mittwochausgabe). „Man könnte eine Analogie ziehen zur Aufbauphase nach 1945.“

Damals habe der Prozess nur funktioniert, weil Betriebsräte und Gewerkschaften Verantwortung übernommen hätten. „Im Ergebnis stand eine hochinnovative und beschäftigungsstarke deutsche Industrie, getragen von einer qualifizierten und engagierten Arbeitnehmerschaft“, sagte Hofmann. „Ohne diesen Vergleich überzustrapazieren: Das Thema Mitbestimmung hat auch jetzt wieder eine riesige Bedeutung dafür, wie wir die Sicherung des Standorts Deutschland hinkriegen, ohne den Arbeitsmarkt weiter zu spalten.“ Die Transformation müsse so gestaltet werden, dass die Beschäftigten eine Perspektive haben. „Viele Betriebe sind überhaupt nicht oder nur schlecht vorbereitet“, sagte Hofmann. In der aktuellen Tarifrunde fordert die Gewerkschaft deshalb sogenannte betriebliche Zukunftstarifverträge, „um Beschäftigung, Investitionen und Standorte zu sichern“. Es sei Zeit für eine grundlegende Veränderung. „Wir wollen nicht mehr erst dann ins Spiel kommen, wenn die Unternehmen in einer existenziellen Krise sind“, sagte Hofmann. „Das heißt dann im Regelfall, dass die Belegschaft Opfer bringen muss, um die Karre aus dem Dreck zu ziehen und wir dann tarifvertraglich Zugeständnisse machen müssen.“ Daher sei es wichtig, dass die Arbeitnehmervertreter viel früher in der Strategieentscheidung dabei seien. Hofmann kritisierte zudem die zunehmende Regulierung seitens der Politik. Die sich ständig ändernden Vorgaben wirbelten die Industrie durcheinander. „In der Autoindustrie galt erst das CO2-Reduktionsziel 30 Prozent bis 2030. Auf diese Marke waren die gesamten Investitionspläne ausgerichtet“, sagte der IG-Metall-Chef. Nun habe man das neue Ziel von 37,5 Prozent. Die Entwicklung eines Fahrzeugs brauche aber mindestens sechs bis sieben Jahre. „Und jetzt, knapp ein Jahr nach dieser Festlegung, droht eine erneute Debatte aus Brüssel für eine weitere Verschärfung der Flottenwerte. So schnell können die Unternehmen ihre Investitionen gar nicht umsteuern“, so Hofmann. Weiter bemängelte der IG-Metall-Vorsitzende Teile der von der Bundesregierung beschlossenen Regeln zum Kurzarbeitergeld im Zuge der Corona-Epidemie. „Dass man die Unternehmen nun bis 2021 von allen Sozialbeiträgen befreit, ist sehr weitgehend“, sagte Hofmann. „Wenn Arbeitgeber ihre Lohnkosten vollständig entsprechend des Arbeitsausfalls absenken können, Beschäftigte aber nur einen Teilausgleich bekommen, entsteht eine soziale Schieflage.“ Entschieden zu handeln sei richtig. Jedoch stelle sich die Frage „von Zeitraum und sozialer Balance solcher Maßnahmen“. Hofmann formulierte die klare Forderung: „Wir erwarten von den Unternehmen, dass sie bei Kurzarbeit die Nettoentgelte über Zuzahlungen absichern. Es wäre problematisch, wenn in der jetzigen Situation zusätzlich die Binnennachfrage einbricht.“

Anzeige

Foto: Stahlproduktion, über dts Nachrichtenagentur

Mehr aus diesem Ressort
NachrichtenSPD droht Mineralölkonzernen mit KonsequenzenNachrichtenDröge offen für Grün-Rot-Rot im BundNachrichtenMerz überraschend in die Ukraine gereist
StartseiteKommentieren
Weitere Artikel
BlaulichtPolizei sucht Zeugen nach Einbruch in ElsflethNiedersachsenSachbeschädigungen an mehreren PKW in DelmenhorstNiedersachsenSchwerer Unfall und mehrere Straftaten im HeidekreisNiedersachsenFeuer in Zeven, Einbruch und Reifendiebstahl beschäftigen die Polizei im Landkreis RotenburgNiedersachsenTrittin fordert Verbot von AfD-LandesverbändenNiedersachsenPolizei sucht Zeugen nach Überfall auf 77-Jährige in Neustadt am Rübenberge

Anzeige

StellenmarktJobs in OldenburgAktuelle Stellenangebote aus Oldenburg und der Region.LokalesNachrichten aus OldenburgAlle Meldungen aus der Stadt auf einen Blick.Immer informiertWhatsApp-KanalDie wichtigsten Nachrichten direkt aufs Handy.MenschenOldenburger/in des MonatsJeden Monat ein besonderes Gesicht der Stadt.
Im FokusTopthemenKommunalwahl 2026UOdMVerkehrFilmfest
Social MediaFolge unsFacebookInstagramYouTubeTikTok