Gesundheitsminister wollten Biontech-Impfstoff nicht mehr spenden

Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Gesundheitsminister der Länder haben auf der letzten Gesundheitsministerkonferenz einen Spenden-Stopp für Biontech-Impfstoff erwogen. Das geht aus einem Beschlussentwurf hervor, über den „Business Insider“ berichtet.

Hintergrund war die Ankündigung des scheidenden Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU), aus Kapazitätsgründen Biontech in den Praxen zu rationalisieren. Die Landes-Gesundheitsminister forderten jedoch laut des Beschlussentwurfs, dass Biontech nicht mehr über die Covax-Initiative an Dritte-Welt-Länder gespendet wird, sondern in Deutschland bleibt: „Die Zusage an Covax zur Überlassung von Impfstoff an Drittländer sollte eingehalten werden entsprechend den bisher gegebenen Zusagen, dabei sollten statt dem Impfstoff von Biontech/Pfizer derzeit gleichwertige andere Impfstoffe abgegeben werden.“ Im späteren Beschlusstext fehlte die Passage dann. Relevant ist das auch vor dem Hintergrund der neuen Afrika-Variante, die Experten besorgt und wegen der mehrere Staaten, darunter Deutschland, am Freitag Einreisebeschränkungen für südafrikanische Länder verhängt haben.

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Dass immer wieder neue Varianten des Coronavirus auftauchen, ist an sich nicht überraschend. Beim Übertragen von einem Wirt zum anderen können Viren mutieren, dabei ungefährlicher, mitunter aber auch gefährlicher werden. Auch deshalb raten Experten immer wieder, sich impfen zu lassen, um Übertragungen zu reduzieren. Tatsächlich ist die Impfquote in Afrika jedoch extrem niedrig.

Erst 6,6 Prozent der Bevölkerung sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Afrika hat auch bislang nur rund 403 Millionen Impfdosen beschafft, von denen 55 Prozent verabreicht wurden. Selbst unter optimalen Bedingungen könnte sich gerade mal nur ein Drittel der 1,3 Milliarden Menschen auf dem Kontinent überhaupt impfen lassen. Vor diesem Hintergrund warnen Experten vor Impf-Protektionismus.

Europa habe mit rund 200 Millionen gespendeter Dosen bislang vergleichsweise wenig zur Unterstützung Afrikas getan, bedauerte bereits im Mai Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Er kritisierte daher die Ablehnung der Bundesregierung zur Patentfreigabe bei Impfstoffen: „Mit der Ablehnung der Patentfreigabe verweigert Bundeskanzlerin Angela Merkel ärmeren Ländern einen schnelleren Schutz der Bevölkerung vor Corona. Dies ist einer der schwerwiegendsten Fehler ihrer Kanzlerschaft.“ Und weiter: „Europa und Deutschland schießen sich durch ihre Weigerung der Patentfreigabe nicht nur moralisch, sondern auch wirtschaftlich ins Abseits. Die Corona Pandemie wird für niemanden vorbei sein, solange sie nicht für alle beendet ist.“

Allein in Deutschland kostete die Pandemie bereits mehr als 1,2 Billionen Euro.

Foto: Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer, über dts Nachrichtenagentur

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