Bundesregierung erwartet deutlichen BIP-Einbruch in Russland

Finanzviertel von Moskau, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet damit, dass das russische Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um zehn Prozent einbrechen wird. Bei der Inflation erwartet das BMWK eine Rate von 17 Prozent, berichtet das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ unter Berufung auf eine interne Analyse.

Die Beamten von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) haben dafür Daten des Statistischen Bundesamtes sowie der Forschungsinstitute Consensus Economics und Oxford Economics ausgewertet. „Die wirtschaftlichen Aussichten Russlands haben sich nach dem Kriegsausbruch rapide verschlechtert“, heißt es in dem Papier. Grund hierfür seien insbesondere die von der EU in Abstimmung mit ihren Partnerländern beschlossenen Sanktionen. „Zwar nimmt Russland weiterhin viel Geld durch Energielieferungen ein, aber es kann sich von diesem Geld am Weltmarkt immer weniger kaufen“, so der Text weiter.

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Infolge der Sanktionen seien die deutschen Ausfuhren nach Russland im April 2022 um 64,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresniveau eingebrochen. Insgesamt seien Russlands Importe um gut ein Drittel zurückgegangen, weshalb das Land nun mit einem „Mangel an Vorleistungsgütern, Hightech-Produkten und zentralen Inputs im Produktionsprozess“ konfrontiert sei, so das BMWK. Insgesamt gehe die Industrieproduktion um acht Prozent zurück. Während der private Konsum angesichts des Kaufkraftverlustes der russischen Bevölkerung um elf Prozent sinke, führten der SWIFT-Ausschluss und die gestiegene Unsicherheit über weitere Sanktionen zu einem Einbruch der Investitionen mit Russland als Zielland um 34 Prozent. Allerdings verdoppelt sich der Leistungsbilanzüberschuss (Exporte minus Importe) nach Prognose des BMWK von sieben auf 14 Prozent des BIP. „Denn den hohen Energieeinnahmen stehen kaum noch Ausgaben für Importe gegenüber“, so die Analyse.

Zudem finanziere sich aus den gestiegenen Staatseinnahmen ein hoher Staatskonsum, der um fünf Prozent steige. „Der Überschuss und die hohen Staatsausgaben können die negativen Effekte in den beschriebenen Bereichen jedoch nicht kompensieren, sodass das russische BIP in der Summe deutlich sinkt“, schreiben Habecks Experten. Nach einer ebenfalls vom BMWK ausgewerteten Umfrage des Moskauer Stolypin-Wirtschaftsinstituts machen sich die Folgen der Sanktionen darüber hinaus zunehmend auch durch eine schlechte Stimmungslage in der russischen Wirtschaft bemerkbar: Während zwei Drittel der Unternehmer von einem Rückgang ihres Geschäfts berichten, geben 87 Prozent an, die westlichen Sanktionen jedenfalls zu spüren.

Foto: Finanzviertel von Moskau, über dts Nachrichtenagentur

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