Film

Tatort Niedersachsen: „Krieg im Kopf“

Der Tatort „Krieg im Kopf“ wird im April gesendet.

Der Tatort „Krieg im Kopf“ wird im April gesendet.
Foto: Manju Sawhney / NDR

(Achim Neubauer) Erstmal ist sie jetzt in Göttingen heimisch geworden: Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm und ihre aktuelle Kollegin Anais Schmitz werden mit den Folgen eines Bundeswehreinsatzes in Mali konfrontiert, bei dem unter ungeklärten Umständen mehrere Soldaten starben. „Das Erste“ schickt die „Alpha-Frauen“ am 29. März zu den Ermittlungen.

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Bereits drei Sekunden nach Ende des Vorspanns wird Kommissarin Lindholm (Maria Furtwängler) ein Messer an die Kehle gehalten; gut eine Minute später hat Kollegin Anais Schmitz (Florence Kasumba) den Angreifer außer Gefecht gesetzt. Warum ein offensichtlich verwirrter Mann die Ermittlerin bedroht hatte, bleibt zunächst unklar: Es seien „Stimmen im Kopf“ gewesen, mehr ist nicht zu erfahren – und dabei bleibt es erst mal.

Stattdessen bemüht sich der Film, nun zunächst das – immer noch schwierige – Verhältnis zwischen den beiden Ermittlerinnen in der südniedersächsischen Universitätsstadt weiter zu erzählen. Statt miteinander zu reden, psychologische Betreuung zu erwägen, pflegen die Frauen nach außen ihren Auftritt als toughe Kriminalbeamtinnen. Wieder wird – wie im ersten gemeinsamen Fall „Das verschwundene Kind“ – deutlich, wie sehr beider Teamunfähigkeit die Aufklärungsarbeit behindert. So dauert es, bis sich Regisseur Jobst Oetzmann wieder dem eigentlichen Kriminalfall widmet.

Maria Furtwänger und Matthias Lier.

Maria Furtwänger und Matthias Lier.
Foto: Manju Sawhney / NDR

Benno Vegener, der Messer tragende Angreifer, war in einem Auslandseinsatz in Afrika gewesen. Bei einem Einsatz, den er verantwortlich leitete, kamen dann mehrere seiner Kameraden ums Leben. Offenbar hatte die Gruppe dafür neu entwickelte Helme zur Verfügung gestellt gekommen, mit denen ein Rüstungskonzern den Kampf der Soldaten revolutionieren will. Was dabei im Einzelnen falsch gelaufen ist, bekommen die Ermittlerinnen nach und nach heraus.

Der erfahrene Tatortautor Christian Jeltsch stellt in seinem Buch – wie schon so oft in den Fällen, die er für das Bremer Team Lürsen & Stedefreund ersonnen hatte – eine reale technologische Entwicklung dar, die er nur leicht überspitzt weiterdenkt. „Mindcontrol“, also der Versuch, direkt auf die Gehirntätigkeiten Einfluss nehmen zu können, Forschungen um Grenzen zwischen Mensch und Technik aufzuheben; sind die aktuellen Themen der Wissenschaft, die sich nur zu oft hinter dem Stichwort „Künstliche Intelligenz“ verstecken können.

Florence Kasumba (links) und Maria Furtwänger.

Florence Kasumba (links) und Maria Furtwänger.
Foto: Manju Sawhney / NDR

Diese Ernsthaftigkeit des Themas zu transportieren, ist der auf 88:30 Minuten formatierte Tatort allerdings definitiv zu kurz. Verständlich, dass die Redaktion sich bemüht, die lineare Entwicklung der (Zusammen-) Arbeit von Lindholm und Schmitz in der Dramaturgie weiter zu erzählen. Die Konzentration auf deren Befindlichkeiten nimmt diesem Tatort allerdings viel von der Dynamik, mit der der Film beginnt.

Gut zu wissen

  • „Krieg im Kopf“ wurde vom 13. August bis 12. September 2019 in Göttingen und Hamburg inszeniert.
  • Auch dieser NDR- Tatort steht parallel zur Fernsehausstrahlung auch als Audio-Podcast in der ARD-Audiothek zur Verfügung.
  • Christian Jeltsch ist als Autor fasziniert von Verschwörungstheorien, weil sie „voller spannender Geschichten“ sind. Von ihm stammen unter anderem die Bücher zu den Radio Bremen Tatorten „Scheherazade“ (11. September), „Strahlende Zukunft“ (Gefahren durch Mobilfunk), „Puppenspieler“ (bundesweite Killerkommandos). Er erdachte für den Hessischen Rundfunk die Figur von Tatort Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) und entwickelt zurzeit Figuren und Fälle für das neue Bremer Tatort-Team, das im Frühjahr 2021 an den Start gehen soll.
  • „In der Neuroforschung gibt es dramatische Entwicklungen“ zitiert die Pressemappe zum Tatort den Forschungsgruppenleiter Christopher Coenen vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse in Karlsruhe, insofern sei das Drehbuch „ziemlich nah an der Realität“.
  • „National feminin“, der nächste Fall von Charlotte Lindholm und Anais Schmitz (Buch: Daniela Baumgärtl und Florian Oeller wird bereits am 26. April ausgestrahlt.

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