Ausstellung

Verborgene Schätze wachgeküsst

Kuratorin Anna Heckötter vor Edvard Munchs Weib mit rotem Haar und grünen Augen von 1901.

Kuratorin Anna Heckötter vor Edvard Munchs „Weib mit rotem Haar und grünen Augen“ von 1901.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg (zb) – Was Kuratorin Anna Heckötter im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte ans Tageslicht befördert hat, gleicht einer kleinen Sensation. Wahre Kunstwerke aus drei Jahrhunderten, über die selbst die Verantwortlichen des Museums staunten. In der Ausstellung „Von Rembrandt bis Richter“ wird eine Auswahl präsentiert.

Seit ein paar Jahren widmet sich das Oldenburger Landesmuseum intensiv der Erschließung und Erforschung seiner Sammlungen. Fast zwei Jahre hatte die Kunsthistorikerin Anna Heckötter Zeit, die Grafische Sammlung zu sichten und dabei entdeckte sie wahre Schätze. 115 der über 10.000 Arbeiten auf Papier zeigt das Haus vom 12. Oktober bis zum 18. Januar 2015 im Oldenburger Schloss.

Grafische Sammlungen führen häufig ein stiefmütterliches Dasein. Das hängt mit den konservatorischen Anforderungen zusammen, aber auch mit chronischer Personalnot. Mit Hilfe der finanziellen Unterstützung der Niedersächsischen Landesregierung konnte Museumsdirektor Prof. Dr. Rainer Stamm die bislang verborgenen Schätze durch Anna Heckötter heben lassen, die mit ihrer Bildauswahl einen interessanten aber auch faszinierenden Blick auf die Kunstgeschichte der letzten drei Jahrhunderte wirft und betont, dass es ihre Auswahl an Meisterblättern ist und sich weitere echte Schätze in der Sammlung befinden.

Von Rembrandt bis Richter

„Von Rembrandt bis Richter“ heißt die Ausstellung und der Titel bildet die kunsthistorische Klammer. Rembrandt, Meister der Radierkunst, ist mit dem Werk „Die kleine Flucht nach Ägypten“ von 1633 vertreten, an das das Museum rein zufällig gelangte. Es handelt sich um ein Geschenk eines Oldenburger Pastors. „Schweizer Alpen“ von 1969 heißt eine Arbeit von Gerhard Richter, die das Museum 1985 bei einer Auktion erwarb und das jüngste Werk in der Ausstellung ist. Dazu gesellen sich die Oldenburger Hofkünstler des späten 18. und 19. Jahrhunderts, darunter der Hofmaler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, die Brücke-Maler wie Erich Heckel, Ernst-Ludwig Kirchner oder Karl Schmidt-Rottluff, der Maler Preußens Adolf von Menzel der wiederum auf Emil Nolde, Otto Müller, Ernst Barlach, August Macke, Oskar Schlemmer, Otto Dix, Max Pechstein oder Franz Radziwill trifft.

Provenienzforscher Dr. Markus Kenzler hat zuvor die Erwerbsumstände aller gezeigten Arbeiten geprüft und dokumentiert. Und ohne den hauseigenen Papierrestaurator Christoph Clermont wäre die Ausstellung nicht möglich gewesen. Er hat fast jedes Papier in seiner Werkstatt bearbeitet und von großen und kleinen Schäden befreit.

Bei den lichtempfindlichen Arbeiten auf teilweise extrem fragilen Trägermaterialien handelt es sich keinesfalls nur um kleine Blätter. In der Ausstellung sind alle Formate vertreten – von ganz klein bis groß, Bleistift-, Buntstift- und Federzeichnungen sowie Holzschnitte, schlicht und enorm farbig. Tatsächlich war unter den über 10.000 Arbeiten manch eine Überraschung dabei. Kuratorin Anna Heckötter spricht von enormen Werten, die bislang im Museum verborgen waren und jetzt erstmals zu sehen sind. Dazu gehören auf jeden Fall die Arbeiten von Edvard Munch. Anna Heckötter spricht von einer „Sternstunde in der Sammlungsgeschichte“ des Landesmuseums. Gleich zwei Radierungen und drei Lithografien von Munch sind zu sehen, darunter „Madonna“ und „Weib mit rotem Haar und grünen Augen“.

Angesichts der Tatsache, dass der Oldenburger Großherzog Friedrich August 1918 nach seiner Abdankung seine Kunstsammlungen zugesprochen bekam, stand der Gründungsdirektor des Museums, Walter Müller-Wulckow, 1920 vor einer großen Aufgabe. Auch wenn die heutige grafische Sammlung, die er seinerzeit aufbauen musste, durchaus noch Lücken aufweist, so kann sie sich dennoch mehr als sehen lassen. Ab sofort sind alle Blätter in einem Datenbanksystem registriert und können künftig gezielt eingesetzt werden.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, in dem alle 115 Arbeiten aus der Grafischen Sammlung abgebildet und beschrieben sind. Die Ausstellung ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Weitere Informationen gibt es unter www.landesmuseum-oldenburg.niedersachsen.de.

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