Ausstellung

Einblick in Glaubenswelten

Malagan-Figur aus der Papua-Kultur, spätes 19. Jahrhundert, Neu-Irland.

Malagan-Figur aus der Papua-Kultur, spätes 19. Jahrhundert, Neu-Irland.
Foto: Museum

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Oldenburg (zb) – Nach zehn Jahren gibt es im Museum für Natur und Mensch wieder eine völkerkundliche Ausstellung, die bis zum 12. April zu sehen ist. „Eigen und fremd in Glaubenswelten“ heißt sie und verschafft den Besuchern anhand von sieben kulturell universeller Themen wie z.B. Schöpfungsmythos, Körperkult, oder Tod einen Einblick in religiöse Vorstellungen und Praktiken aus aller Welt.

Glauben tut man in der ganzen Welt. Lediglich die Vorstellung, woher wir kommen und wohin wir gehen, unterscheidet sich. Für das Oldenburger Landesmuseum für Natur und Mensch am Damm eine gute Voraussetzung, um sich in einer Sonderausstellung mit dem Thema Glaubenswelten auseinanderzusetzen.

Glenn Ricci, Ethno-Archäologe und Fellow am Landesmuseum für Natur und Mensch, hat die Ausstellung nicht nur kuratiert, er hat zuvor die völkerkundliche Sammlung des Hauses, deren Anfänge auf das Jahr 1843 zurückgehen und seitdem stetig erweitert wurden, rund 7000 Objekte aus aller Welt umfasst, intensiv gesichtet und 300 Exponate für die Sonderausstellung ausgesucht, die größtenteils noch nie zu sehen waren. „Darunter befinden sich äußerst wertvolle Stücke, um die uns andere Museen beneiden“, sagt Museumdirektor Dr. Peter-René Becker.

Der Glaube an etwas Übernatürliches findet sich unabhängig von Epochen oder Kontinenten in allen menschlichen Gesellschaften. Genau das macht die Ausstellung so interessant. Denn ohne Festlegung auf Zeit und Raum deckt sie in vielfältigen Gegenüberstellungen Parallelen und Unterschiede zwischen ihnen auf und bezieht auch die westlichen Kulturen in die Vergleiche mit ein.

Innerhalb der vielfältigen Glaubenswelten finden sich einige universelle Themen. Dazu gehört die Beantwortung der Frage nach der Entstehung des Menschen und der Erde. Es geht aber auch um Übergangsriten, z.B. von der Kindheit zum Erwachsensein, um Opferrituale, der Verehrung von Heiligtümern bis hin zu Festen und Fastenbräuchen, Körperkult sowie dem Umgang mit dem Tod und den Toten. Anhand dieser übergreifenden Teilaspekte gliedert sich die Ausstellung in sieben Bereiche.

So liefern Bumerangs der australischen Aborigines, Pfeil und Bogen aus Nordamerika und der Orang-Utan aus Indonesien Bilder zu Schöpfungsmythologien von Erde und Mensch. Schalen der Stachelaustern, Waffen aus Ozeanien und Schwerter der Massai geben einen Einblick in unterschiedliche Übergangsriten, die z.B. den Übertritt von der Kindheit in die Erwachsenenwelt begleiten. Für die Kopfjagd verwendete Macheten aus Borneo, peruanische Messer, wie sie für den zeremoniellen Aderlass verwendet wurden, und Rauch-Utensilien aus Nordamerika stellen die Motive und Handlungen verschiedener Kulturen bei Opferungen gegenüber.

Unter der Überschrift „Objekte der Verehrung“ zeigt die Ausstellung auch einen indonesischen Dolch – einen sogenannten Kris – aus dem 16. Jahrhundert. Krise haben einen mythologischen Hintergrund und sollen ihrem Besitzer magische Kräfte verleihen. Noch heute, im 21. Jahrhundert, werden sie auf Bali und in vielen Ländern Südostasiens verehrt. Bei dem gezeigten Kris aus dem 14. bis 15. Jahrhundert handelt es sich um ein ganz besonderes Stück. Ricci vermutet, dass er aus Meteoriteneisen gefertigt wurde. „Nach Ende der Ausstellung soll das untersucht werden“, kündigt Becker an.

Einen Einblick in Nahrungstabus und ihre Einbindung in verschiedene religiöse Festivitäten ermöglichen Exponate wie ostafrikanische Milcheimer oder goldfarbene Buddha-Statuen. Verschiedene Formen des Körperkults und die jeweiligen religiösen Hintergründe zeigen sich beispielsweise in Schädeldeformationen der peruanischen Anden-Kultur oder der Verwendung von Schmuck in ostafrikanischen Gesellschaften.

Der vergoldete Kopf einer ägyptischen Mumie aus der römischen Kaiserzeit oder kunstvolle Malagan-Schnitzereien der Papua thematisieren die aufwendige Vorbereitungen von Festen zu Ehren der Ahnen, die die Vorstellungen vom Tod oder einem Leben danach den Umgang mit den Toten bestimmen.

Die Ausstellung nimmt keine Bewertung vor. Stattdessen sollen die Objekte, ihre Bedeutung für die Personen und Gesellschaften im Mittelpunkt stehen, durch die sie geschaffen worden sind. So werden die Glaubensvorstellungen westlicher Kulturen in die interkulturellen Vergleiche eingebunden. „Wir wünschen uns, dass die Ausstellung durch ihre weltweiten Gegenüberstellungen dazu beiträgt, mehr Respekt für scheinbar fremde Glaubenswelten zu entwickeln. Denn aus der Nähe betrachtet sind die Unterschiede oft gar nicht so groß“, bemerkt Becker.

Da die Interpretationen der Objekte, ihrer Bedeutungen und ihres Ursprungs immer auch durch ihre Überlieferungen und die spezifischen Quellen der Informationen bestimmt werden, ermöglicht die Ausstellung Besuchern hier einen neuen Einblick: Anhand von QR-Codes können sie sich mithilfe des eigenen Smartphones über Herkunft und Grundlage vieler der Einordnungen informieren. Die Links führen zu im Internet frei verfügbaren, multimedialen Inhalten, so z.B. zu einzelnen Artikeln, Büchern und Dokumentationen.

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