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Neues von der „Drosselkom“

Die Deutsche Telekom sorgte im April für Ärger.
Foto: Acid Pix / flickr.com; Lizenz: CC BY 2.0

Die Deutsche Telekom sorgte im April mit der Ankündigung, eine Daten-Obergrenze von 75 GB monatlich für Festnetz-Flatrates einzuführen, für Ärger. Der Bonner Konzern will ab 2016 nach Überschreiten des monatlichen Volumens die Übertragungsgeschwindkeit stark drosseln – ausgenommen der hauseigene Dienst „Entertain“ und Premiumpartner. Damit zog sich die Telekom die Empörung und den Hohn der User zu. Als Grund gab die im Netz verspottete „Drosselkom“ notwendige Investitionen von mehr als sechs Milliarden Euro für den Netzausbau an. Jetzt reagierte die Telekom auf die Kritik.

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Aktueller Stand: Telekom-Flatrate wird teuer

Jetzt gab die Deutsche Telekom ihre Quartalszahlen bekannt und Telekom-Chef René Obermann überraschte in diesem Rahmen mit einer Ankündigung: „Wir wollen auch in Zukunft Flatrates anbieten.“ Er rechne dafür aus heutiger Sicht für Intensivnutzer mit zehn bis 20 Euro für die Zubuchung von Datenpaketen für ein unbegrenztes Datenvolumen. Obermann sagte weiter, dass die Telekom mit Kritik an der Einführung der neuen Tarifmodelle gerechnet habe. „Wir ignorieren diese Kritik nicht, sondern hören genau hin“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Er erinnerte daran, dass die neuen Tarife technisch frühestens 2016 umgesetzt werden. „Bis dahin werden wir uns die Markt- und Nutzungsentwicklung genau ansehen.“

Wen trifft es?

Die Telekom verwies bereits im April darauf, dass die Tarifänderungen nur für Neukunden gelten. Allerdings dürften aufgrund von Vertragsumstellungen auch Bestandskunden betroffen sein. Obermann wies die massive Kritik zurück, das von den Kunden benötigte Datenvolumen läge meistens unter dem Limit. Ausgegangen wird jedoch vom heutigen Surfverhalten, für die Zukunft wird ein starker Anstieg des Datenvolumens erwarten.

Netzneutralität

Eigene Dienste der Telekom wie die Plattform „Entertain“ sollen nicht betroffen sein (Managed Services). Andere Unternehmen könnten sich als Premiumpartner „freikaufen“. Dies sei ein Verstoß gegen die Netzneutralität, so die Kritiker, denn alle Daten im Netz sollen gleich behandelt und wertneutral übertragen werden.

Mehr als 175.000 Menschen unterzeichneten bisher eine Petition gegen das Vorhaben. Die Verbraucherzentrale (VZ) NRW mahnte jetzt die Telekom wegen der Pläne einer „Flatrate-Drosselung“ ab: „wer Verbrauchern den Saft fürs Surfen dann übers Kleingedruckte derartig abdreht, lässt sie auf der Datenautobahn auf der Standspur stranden und nimmt ihnen damit die Möglichkeit zum diskriminierungsfreien Zugang zu allen Diensten“. Lenkt die Telekom nicht bis zum 16. Mai ein, will die VZ NRW klagen. Auch die Bundesnetzagentur hat angekündigt, die Tarifänderungen zu prüfen, und die Bundesregierung betrachtet das Thema kritisch.

Alternative Anbieter

Nicht nur die Deutsche Telekom will eine Datendrosselung einführen. Einige Internetprovider haben dies schon vollzogen, darunter 1&1 und Kabel Deutschland, so die Verbraucherzentrale NRW. Andere Anbieter halten sich bisher zurück und haben keine konkreten Pläne, wie auch die in Oldenburg ansässige EWE TEL. Wir haben nachgefragt: „Eine Drosselung von Internetgeschwindigkeiten ab einem bestimmten Datenvolumen gibt es bei den EWE TEL DSL-Tarifen nicht und ist auch derzeit nicht in Planung. Natürlich gehört es zu den großen Herausforderungen im Telekommunikations-Markt, die Balance zwischen immer größerem Bandbreitenbedarf, Qualität, Investitionen, Kosten und Marktpreisen zu wahren. Wir beobachten langfristig, wie sich die Marktanforderungen und die Lage im Wettbewerb entwickeln.“ Zudem erklärt die EWE TEL noch, dass man strategisch auf Investitionen in ein stabiles Netz setze. Welches Unternehmen drosselt und welches nicht, kann hier nachgelesen werden.

Kommentar

Die Telekom hat mit ihren Plänen Empörung ausgelöst und musste viel Kritik einstecken. Darauf regierte das Unternehmen jetzt und kündigte eine saftige Preiserhöhung für eine Flatrate an. Und da die Telekom eine Vorreiterfunktion in Sachen Preisgestaltung hat, werden sich andere Unternehmen an den Tarifänderungen orientieren. Preiserhöhungen werden auch bei ihnen folgen. Der Verbraucher hat die Wahl und kann mit den Füßen abstimmen. Wichtiger ist, dass das Problem Netzneutralität noch lange nicht vom Tisch ist. Die Grundprinzipien sollten endlich gesetzlich verankert werden. Dann müsste man der Deutschen Telekom für ihren Vorstoß sogar noch dankbar sein. Die Petition läuft …

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