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Migration hat es im Oldenburger Land immer gegeben

Michael Brandt, Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft, Wolfgang Martens und Michael Hirschfeld haben das Jahrbuch Oldenburgische Familienkunde vorgestellt.

Michael Brandt, Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft, Wolfgang Martens und Michael Hirschfeld (von links) stellten das Jahrbuch Oldenburgische Familienkunde vor.
Foto: Katrin Zempel-Bley

Oldenburg (zb) Wolfgang Martens, Vorsitzender der Oldenburgischen Gesellschaft für Familienkunde (OFG), älteste Fachgruppe der Oldenburgischen Landschaft, hat das „Jahrbuch Oldenburgische Familienkunde 2015“ vorgelegt. Es wurde von der Oldenburgischen Landschaft gefördert.

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Seit 1959 gibt die OGF eine eigene genealogische Zeitschrift heraus, die „Oldenburgische Familienkunde“. Sie behandelt ein breites Spektrum von Forschungsergebnissen und quellenkundlichen Arbeiten aus dem Gebiet des Oldenburger Landes. 2009 konnte das erste „Jahrbuch Oldenburgische Familienkunde“ vorgestellt werden, jetzt liegt der siebte Band vor.

Unter der Redaktion von Heiko Ahlers und Wolfgang Martens entstand das Jahrbuch, das sechs Beiträge von namhaften Forschern auf 311 Seiten umfasst und im Oldenburger Isensee Verlag erschienen ist. Wolfgang Martens ist mit dem zweiten Teil von „Lüschen– Schohusen – Gramberg, Beiträge zur Geschichte eines oldenburgischen Bauerngeschlechts von Friedrich Schohusen 1882-1937“ vertreten. Während es im ersten Teil um die Familie Lüschen ging, geht es jetzt um die Hof- und Familiengeschichten Schohusen (Sandhatten) und Gramberg (Hatten). Wolfgang Martens hat die Unterlagen von Friedrich A. Schohusen bearbeitet und in eine lesbare Form gebracht.

Dr. Michel Hirschfeld aus Vechta widmet sich in seinem Beitrag nicht ganz zufällig den Arbeitsmigranten aus dem Osten und ihrer Integration in Delmenhorst. „Ich stamme selbst aus einer solchen Familie und die bekommt jetzt ein Gesicht. Es handelt sich um die oberschlesische Familie Kraschon“, verrät er. „Außerdem ist das Thema Migration hochaktuell und mein Beitrag zeigt, es hat sie immer gegeben. Zudem gibt es eine Menge Quellen zur Adelsforschung, über Arbeiter ist hingegen kaum etwas Individualisiertes zu finden“, sagt er.

Zwischen 1887 und 1900 sind rund 2000 Menschen aus Oberschlesien ins Oldenburger Land gekommen. Sie waren oft nicht älter als 14 oder 15 Jahre. Sie wurden angeworben, um bei der Norddeutschen Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei – kurz Nordwolle – in Delmenhorst zu arbeiten. Das war seinerzeit bereits ein bedeutendes Unternehmen. Wer ein Jahr durchhielt, wechselte gerne zu den Linoleumwerken. „Sie kamen, weil sie hier erheblich mehr Geld verdienen konnten als in ihrer Heimat“, berichtet Hirschfeld. „Und trotz der Sprachbarrieren schafften es die meisten, sesshaft zu werden. Wie das funktionierte, beschreibt er eindrucksvoll in seinem Aufsatz, der stellenweise an heutige Zeiten erinnert.

Auch damals dauerte es lange, ehe die Arbeiter ihre preußische gegen die oldenburgische Staatsbürgerschaft tauschen konnten. Sie wollten sesshaft werden und schafften es meisten in der zweiten Generation, sich ein eigenes Haus zu bauen und lukrative Existenzen aufzubauen. Manch einer von ihnen heiratete Einheimische und schließlich gehörten sie selbstverständlich dazu.

Über die Familie Schwoon aus Bockhorn und die Kurhannoversche Amtsjuristen von 1700 bis 1803 in Wildeshausen hat Dr. Hans-Cord Sarnighausen gearbeitet. Der bereits verstorbene Joachim Schrape ist mit einem Beitrag zum französischen Zivilstandsregister des Kantons Westerstede vertreten. Der Niederländer Jos Kaldenbach schreibt über 2000 Oldenburger, die mit der Vereinigten Ostindischen Compagnie nach Asien fuhren. Im Anhang befindet sich ein umfangreiches Orts- und Namensverzeichnis.

53 Jahrbücher sind bereits in die ganze Welt verschickt worden. „Man liest uns in Europa und Übersee“, berichtet Wolfgang Martens, der darauf hinweist, dass Familienforschung sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Über 700 Mitglieder hat der Verein. Im Oldenburger Land sind die Forscher eine eingeschworene Gemeinschaft, die jeden ersten Donnerstag im Staatsarchiv von 14 bis 18 Uhr eine kostenlose Sprechstunde anbietet. Wer Fragen zum Thema Familienforschung hat, wird hier garantiert Antworten erhalten. Das nächste Jahrbuch erscheint zum 90-jährigen Bestehen im nächsten Jahr. Das jetzige kann über den Onlineshop unter www.familienkunde-oldenburg.de zum Preis von 20 Euro bestellt werden.

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