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Lernlabor Wattenmeer: Tag der offenen Tür

Auch dieser Seehund lebt im Wattenmeer.

Auch dieser Seehund lebt im Wattenmeer.
Foto: Jens Kählert

Oldenburg (zb) Schüler ab der 5. Klasse können sich auf einen neuen und ganz besonderen außerschulischen Lernort freuen – das „Lernlabor Wattenmeer“.

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Mit einem Tag der offenen Tür eröffnen die Biologiedidaktik und das Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg am Samstag, 8. März, 10 bis 16 Uhr das in seiner Art bundesweit einmalige „Lernlabor Wattenmeer“. Nach der Grünen Schule im Botanischen Garten und der Sinnesschule am Uhlhornsweg ist es das dritte Lehr-Lern-Labor der Biologiedidaktik.

Gemeinsam mit Studierenden des Lehramts Biologie können Schüler dort spannende Experimente rund um das Thema Wattenmeer durchführen und dabei spielerisch das Weltnaturerbe von einer ganz anderen Seite kennenlernen. Der Besuch des Lernlabors verspricht nicht nur zahlreiche Aha-Erlebnisse, er macht vor allem Spaß. Das haben bereits einige Schulklassen aus dem Oldenburger Land im Vorfeld getestet, denen die weltweite Bedeutung des Wattenmeers nicht bewusst war.

„Das Wattenmeer bildet die weltweit größte zusammenhängende Fläche aus Schlick- und Sandwatt. Insgesamt macht es 60 Prozent aller Tidegebiete in Europa und Nordafrika aus. Neben der reinen Wattfläche gehören zahlreiche andere Lebensräume, wie zum Beispiel Salzwiesen, Marschflächen, Dünen und Sandbänke zu der eingerichteten Schutzzone“, berichtet Imke Zwoch vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

„Die außergewöhnlich große und einzigartige Artenvielfalt sowie die ökologische Bedeutung des Wattenmeeres waren ausschlaggebend für die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste“, erinnert Biologiedidaktikerin Prof. Dr. Corinna Hößle, die das Konzept für das Lernlabor gemeinsam mit dem Meeresbiologen Dr. Holger Winkler vom ICBM entwickelt hat.

Rund 10.000 Arten leben im Wattenmeer. Die Salzwiesen beherbergen rund 2300 Pflanzen- und Tierarten, die marinen und brackwasserhaltigen Zonen zirka 2700 weitere Arten. Zu den im Wattenmeer lebenden Säugetieren zählen Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale. Im Schlick tummeln sich Muscheln und Krebse, Faden- und Strudelwürmer. Das Watt ist Laichplatz von zahlreichen Meeresfischen wie Scholle und Seezunge. „Das große Nahrungsangebot macht das Wattenmeer unentbehrlich als Zwischenstopp für Zugvögel. Auf ihrem Weg von Südafrika entlang der Atlantikküste nach Nordsibirien oder Kanada ist das Wattenmeer als Rast-, Mauser- und Überwinterungsgebiet überlebenswichtig. Durchschnittlich ziehen jährlich zehn bis zwölf Millionen Zugvogel durch das Gebiet“, klärt Imke Zwoch auf.

„Das Wattenmeer ist jedoch ein sehr empfindliches System“, macht Holger Winkler deutlich. „Wenn wir es nicht schützen, kann es sehr schnell zusammenbrechen mit ungeahnten Folgen.“ Schützen können wir es alle, indem wir uns informieren und unser Verhalten ändern. Das ist kinderleicht. Deshalb sollten wir nicht absichtlich Miesmuscheln kaputt treten, denn sie sind wahre Wundertiere und am Tag der offenen Tür zeigen sie ihr Können. Die „Kläranlagen des Meeres“ filtern schädliche Bestandteile. Sie pumpen in einer Stunde rund einen Liter Wasser durch ihre Kiemen. Auf diese Weise filtrieren sie das ganze Wattenmeer auf natürliche Weise.

Im Lernlabor lernen die Schüler gefährlichen Mikromüll kennen, der leichtfertig im Meer landet. Das kann einerseits die Plastikflasche sein, die wir dort achtlos versenken. Auch Fleecepullover geben bei jedem Waschgang eine Menge an Mikroplastik ab, ebenso wie Zahnpasta und Duschgel. Das Abwasser erreicht irgendwann die Nordsee. Plastik wird von der Natur aber nicht abgebaut, so dass winzige Plastikteilchen von Tieren aufgenommen werden und über die Nahrungskette in den menschlichen Organismus gelangen. Was sie bewirken, ist bislang nicht ausreichend erforscht. Das Umweltbundesamt und das Bundesforschungsministerium haben Wissenschaftler damit beauftragt, genau das herauszufinden.

Eine weitere Gefahr für das System Wattenmeer sind Ölkatastrophen. In diesem Zusammenhang erfahren die Schüler, dass nur 0,5 Prozent der Vögel, die nach einer Ölkatastrophe gereinigt werden, das Fiasko überstehen, was allgemein für eine Überraschung sorgt. „Es wird ja gern suggeriert, dass wir Ölkatastrophen im Griff hätten“, sagt Corinna Hößle. „Das stimmt so leider nicht.“

Im Lernlabor Wattenmeer werden also naturwissenschaftliche Kompetenzen vermittelt, die Kindern Impulse geben und ihnen die Möglichkeit eröffnen sollen, über ihre Verantwortung gegenüber der Natur nachzudenken und ihr Verhalten zu ändern. „Wir zeigen immer eine Perspektive auf und erläutern den praktischen Nutzen bzw. die Nachhaltigkeit“, sagt Corinna Hößle. „Nur wenn die Schüler das Wattenmeer verstehen, können sie es auch schützen. Und das beginnt in den eigenen vier Wänden.“

Tatsächlich ist vielen Kindern aus der Region ebenso wie den Studierenden das Wattenmeer mit seiner weltweiten Bedeutung nicht bekannt. Viele haben es nicht einmal gesehen, geschweige denn ihren Fuß hineingestellt. Genau das wollen die Didaktiker ändern, weshalb nicht nur Schüler sondern auch angehende Biologielehrer in das Lernlabor einbezogen werden. „Schüler und Studierende sind sich nach unseren Erfahrungen noch sehr nahe“, beobachtet die Biologin Anja Wübben. Deshalb haben nur sie Zutritt zum den beiden modernen Labors. Lehrer müssen draußen bleiben. Gemeinsam experimentieren sie und bestimmen selbst die Vorgehensweise, was die Schüler genießen.

Lehrer, die sich für das Thema Wattenmeer interessieren, haben ab sofort die Möglichkeit, an Fortbildungen teilzunehmen, die die Biologiedidaktik anbietet. Am Samstag ab 11 Uhr können sich Schüler, Eltern, Lehrer und alle sonstigen Interessierten über die Angebote des Lernlabors im Gebäude des ICBM auf dem Campus in Wechloy informieren und Experimente zum Thema Watt im Labor ausprobieren.

„Wir hoffen, dass Schüler auf den Geschmack kommen und ihrer Klasse vorschlagen, dem Lernlabor Wattenmeer einen Besuch abzustatten vielleicht auch mit dem Ziel, anschließend das Wattenmeer mit seiner ganzen Schönheit wahrhaftig zu erleben“, sagt Corinna Hößle abschließend.

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