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In 25 Jahren 14 Nachlässe aufgearbeitet

Seit 1990 hat der heute 89-jährige Herwig Witte 14 Nachlässe in der Landesbibliothek Oldenburg am Pferdemarkt, darunter den von Hein Bredendiek, Oswald Andrae oder Paul Raabe, ehrenamtlich aufgearbeitet.

Herwig Witte hat in den vergangenen 25 Jahren 14 Nachlässe ehrenamtlich aufgearbeitet.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg / zb – Regelmäßig werden der Landesbibliothek am Pferdemarkt in Oldenburg Nachlässe übergeben. Die meisten von ihnen sind nicht gut sortiert, so dass Fachleute sich mit ihnen beschäftigen müssen, ehe die Nutzer der Bibliothek auf sie zurückgreifen können. Doch die sind rar und vor allem mit anderen Aufgaben ziemlich ausgelastet. Da kam Herwig Witte gerade zum rechten Zeitpunkt. Seit 1990 hat der heute 89-Jährige 14 Nachlässe, darunter den von Hein Bredendiek, Oswald Andrae oder Paul Raabe, ehrenamtlich aufgearbeitet, die sonst weiter in Kisten schlummern würden.

„Es war reiner Zufall“, erzählt der Bücherliebhaber. „Ich hatte bei dem Pädagogen Diedrich Rodiek studiert und als es um seinen Nachlass ging, fragte mich ein ehemaliger Kollege, ob ich den nicht bearbeiten könnte. Seither hat mich diese Arbeit gefangen genommen“, erzählt Herwig Witte, der die Atmosphäre in der Landesbibliothek besonders mag. „Hier arbeiten rund 50 Leute und wir kennen und schätzen uns alle. Außerdem führen wir interessante Gespräche über Bücher und natürlich Nachlässe.“

Der 89-Jährige, der drei halbe Tage pro Woche in der Bibliothek anzutreffen ist, kann sich jederzeit an Dr. Klaus Peter Müller, stellvertretender Leiter der Landesbibliothek, wenden. „Er ist mein Chef“, sagt Herwig Witte und schätzt die Zusammenarbeit außerordentlich. „Sie glauben ja nicht, was ich hier noch alles lerne.“

Wer meint, der gelernte Lehrer, der später bei der Bezirksregierung Weser-Ems Dezernent wurde, würde nur Papiere sortieren, der irrt gewaltig. Nachlässe bearbeiten ist eine Wissenschaft für sich und erfordert viel Konzentration, Sorgfalt, ein gutes Gedächtnis und vor allem Geist. Es gibt eigens feste Regeln zur Erschließung von Nachlässen, an die er sich strikt halten muss. Und so saß er an manch einem Nachlass Jahre. Meterlang ist der von dem Theaterwissenschaftler und Volkskundler Karl Veith Riedel, der ihn sechs Jahre beschäftigte.

„Ich finde die Arbeit spannend, weil ich sehr viel über Menschen erfahre. Manchmal ist auch Persönliches dabei. Ich erfahre, wen sie kannten, mit wem sie verkehrten, was sie geleistet aber auch erlitten haben. Und nicht selten bin ich dadurch inspiriert. Gerade wenn es um geschichtliche Fragen geht. Dann forsche ich in der Bibliothek nach, um Zusammenhänge exakt zu verstehen“, erzählt er.

„Für uns ist Herwig Witte ein Glücksfall“, sagt Klaus-Peter Müller. „Er ist absolut routiniert, beherrscht die Nachlassbearbeitung perfekt und wenn wir ihn nicht hätten, würden die Nachlässe liegen bleiben. Seine Arbeit ist also ausgesprochen wertvoll für die Landesbibliothek aber auch für die Gesellschaft.“

„Wenn mal wieder ein Nachlass abgeschlossen ist, erfüllt es mich mit Freude“, sagt Herwig Witte, der so lange weitermachen wird, wie es seine Gesundheit zulässt. Und wenn er nicht in der Landesbibliothek anzutreffen ist, arbeitet er in seinem Garten oder trifft sich mit Bekannten. „Und natürlich lese ich zu gern ein Buch“, sagt er abschließend.

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