Bremen

Lehrergewerkschaft kritisiert Arrest für Schulschwänzer

via dts Nachrichtenagentur

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Praxis mehrerer Bundesländer scharf kritisiert, uneinsichtige Schulschwänzer mit Jugendarrest zu bestrafen.

„Dass Jugendliche wegen wiederholten Schulschwänzens für ein paar Tage ins Gefängnis müssen, ist im Prinzip eine schulpolitische und pädagogische Bankrotterklärung und außerdem, wie oft zu hören ist, weitgehend wirkungslos oder sogar kontraproduktiv“, sagte die GEW-Vorsitzende Anja Bensinger-Stolze dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Der Fokus müsse auf Prävention statt Intervention liegen und auf Pädagogik statt Strafe, forderte sie. „Um Schulabsentismus vorzubeugen, ist dreierlei notwendig: ein schulisches Präventionskonzept, eine Art `Frühwarnsystem` und eine individuelle Betrachtung der Ursachen“, sagte die GEW-Vorsitzende.

Die Zahl der Schulverweigerer hat in den vergangenen Jahren Experten zufolge zugenommen. Besonders betroffen sind demnach Kinder aus sogenannten bildungsfernen und benachteiligten Familien.

In Deutschland landen jedes Jahr Hunderte Schüler im Jugendarrest. Niedersachsen ist bundesweit Spitzenreiter. Nirgendwo sonst müssen so viele Jugendliche Schulverweigerung mit ihrer Freiheit bezahlen. Allein im ersten Halbjahr 2025 waren es 241 Arrestanten und 114 Arrestantinnen, wie eine Anfrage des RND ergab. In den Zahlen sind auch Bremer Schüler enthalten, da das Land Bremen keinen eigenen Jugendarrest hat und dieser stattdessen in Niedersachsen vollzogen wird.

Hinter Niedersachsen liegt Hessen mit aktuell 48 Jugendlichen (Stand Oktober 2025). In den Jugendarrestanstalten in Baden-Württemberg waren es zum Zeitpunkt der Abfrage 33 in diesem Jahr, in Thüringen 25, in Schleswig-Holstein 14 und in Sachsen zwei „Schulverweigerer“. In Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Saarland gibt es keine aktuellen Fälle. Bayern, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen erheben keine Zahlen zu möglichen Schulverweigerern. Das Justizministerium Sachsen-Anhalt hat nicht auf die Anfrage des RND geantwortet.

Das niedersächsische Justizministerium verteidigte die Praxis. Der Arrest für Schulabstinenzler sei ein „grundsätzlich taugliches Mittel, um auf Jugendliche einzuwirken“. Grundsätzliche fachliche Bedenken gegen das derzeitige Sanktionierungssystem bestünden nicht.

dts Nachrichtenagentur

Foto: via dts Nachrichtenagentur

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3 Kommentare

  1. W. Lorenzen-Pranger
    3. Januar 2026 um 20.26 — Antworten

    So so, das Justizministerium. Vielleicht sollte man die mal für ihre Übergriffigkeit einbuchten? Was verstehen die von Kinderseelen?

  2. Markus
    3. Januar 2026 um 21.43 — Antworten

    Nun, da gibt es eine ganz einfache Lösung: anwesend sein. Wenn man fürs Schulschwänzen in den Knast kommt ist man halt anwesend. Mehr nicht. Ob mit jemanden, der gar nicht da sein will und massiv den Unterricht stört, sinnvoll ist, mag dahingestellt sein, aber er ist anwesend. Jawoll, zu Befehl.
    Wenn einen die Schule dann vom Unterricht ausschliesst oder gar von der Schule verweist – nunja… man war anwesend. Jawoll.

    • W. Lorenzen-Pranger
      4. Januar 2026 um 0.46 — Antworten

      Ich kann mich deutlich an eine Zeit erinnern, in der ich immer mal wieder nicht in der Schule erschien. Weils mir so dreckig ging und niemand da war – Lehrer und Eltern schon mal gar nicht. Waren sie nie auch mal mit allem im jungen Leben überfordert? Dann muß ihre Kindheit sehr glücklich gewesen sein, ich beneide sie drum.

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