Oldenburg

Wenn Kreativität auf Technik trifft

Wenn Jan Tarek Butt eine Frage zu seiner Boxuhr hat, stehen Patrick Günther und alle anderen Mitgliedern des Oldenburger Vereins Kreativität trifft Technik gerne zur Verfügung.

Wenn Jan Tarek Butt (vorne) eine Frage zu seiner Boxuhr hat, stehen Patrick Günther und alle anderen Mitgliedern gerne zur Verfügung.
Foto: Katrin Zempel-Bley

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Oldenburg (zb) – Vor vier Jahren hatte Patrick Günther die Idee, Leute zu suchen, die wie er an Technik interessiert sind, gern tüfteln und eigene technische Ideen umsetzen wollen, den Austausch suchen und vor allem ihr Wissen der Gemeinschaft zur Verfügung stellen. 24 Stunden nach seinem Aufruf im Netz haben sich 20 Gleichgesinnte gemeldet. Der Verein „Kreativität trifft Technik“ war geboren und er wurde zum Vorsitzenden gewählt.

„Heute haben wir 100 Mitglieder und sind im gesamten Nordwesten der einzige Verein dieser Art“, berichtet der Softwareentwickler. Mittlerweile befindet sich der Verein auf einer 600 Quadratmeter großen Fläche direkt neben dem Oldenburger Hauptbahnhof. Die Mitglieder teilen sich sämtliche Kosten und kommen mehrfach in der Woche zusammen, um in den Werkstätten für Fahrräder, Holz, Metall, Textil, Elektronik, etc. zu reparieren und experimentieren.

Von 18 Uhr bis Mitternacht herrscht hier täglich reger Betrieb. Da treffen Informatiker auf Handwerker, Physiker auf Schüler, Studierende auf Maschinenbauer, Azubis auf Mathematiker und interessierte Rentner auf Techniktüftler. Defekte Handys, Lautsprecher oder Staubsauger landen bei ihnen nicht auf dem Müll sondern in ihren selbst hergerichteten Werkstätten, die mittlerweile gut ausgestattet sind. Fast alle Arbeitsgeräte und Maschinen, die man hier vorfindet, sind gespendet und zum Teil von den Vereinsmitgliedern ertüchtigt worden.

Kann jemand die defekten Geräte nicht allein reparieren, spricht er andere an. Gemeinschaft ist unsere Stärke, lautet die Vereinsphilosophie. Jeder hilft jedem mit dem Effekt, dass alle ständig von den anderen lernen. Genau das gefällt Jan-Tarek Butt aus Oldenburg. Der Abiturient macht seit vier Jahren mit und konstruiert gerade seine eigene Boxuhr.

„Die kostet normalerweise viel Geld. Hier kann ich sie selbst bauen und bekomme jederzeit Hilfe, falls ich nicht weiter weiß.“ Danach sieht es aber nicht aus. Er hat hier unglaublich viel gelernt und interessante und nette Leute kennengelernt, erzählt er. Wenn er demnächst ein Ingenieurstudium beginnt, werden ihm viele Zusammenhänge bereits klar sein. „Schon während meiner Schulzeit habe ich hier extrem viel gelernt“, erzählt er.

„Oft sind es nur Kleinigkeiten und die Geräte funktionieren wieder“, sagt Patrick Günther. Erst kürzlich gab es für einen defekten Geschirrspüler kein Ersatzteil mehr. Da hat der von Vereinsmitgliedern selbst konstruierte 3D-Drucker ausgeholfen und das Ersatzteil produziert. „Alles, was wir selbst entwickeln, stellen wir ins Netz zum Nachbau, weil wir Wissen teilen“, sagt der 37-Jährige. „Und damit möglichst viele Schulen einen 3D-Drucker haben, gab es kürzlich einen Lehrerworkshop, damit die Lehrer wiederum mit ihren Schülern einen solchen Drucker bauen können.“

Einige Vereinsmitglieder lassen sich in den Sesseln nieder, andere beginnen in der offenen Küche zu kochen. Gemeinsam wird über Gott und die Welt gesprochen. „Der Austausch untereinander spielt im Verein eine große Rolle“, stellt Patrick Günther klar. Vielleicht kommen deshalb auch gern Schüler vorbei. Hier gibt es keine Ansage, hier kann jeder das tun, was er möchte. Die meisten entdecken so die Technik für sich. „Wir hoffen, manch einem Jugendlichen den Weg in technische Berufe bahnen zu können, so wie bei Jan-Tarek Butt. Denn bei uns können sie alle Richtungen ausprobieren und werden umgehend unterstützt“, nennt Patrick Günther einen weiteren Vereinsvorteil.

Eine Geschäftsidee soll aus dem Verein nicht werden. „Wir wollen keine Konkurrenz sein, wir wollen selbst etwas Abgefahrenes tun, experimentieren, Geräte umfunktionieren oder eigene Ideen verwirklichen. Und so wissen die Vereinsmitglieder seit neuestem, wo sie am meisten Strom verbrauchen. Eine entsprechende Software hat Patrick Günther entwickelt. Die Stromeinsparung wird garantiert nicht lange auf sich warten lassen.

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