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Meteoritenfall im Nordwesten – Augenzeugen gesucht

Die All-Sky-Kamera auf dem Dach des Universitätsgebäudes in Wechloy registrierte den Feuerball trotz des stark bedeckten Himmels.

Die All-Sky-Kamera auf dem Dach des Universitätsgebäudes in Wechloy registrierte den Feuerball trotz des stark bedeckten Himmels.
Foto: Universität Oldenburg

Oldenburg (pm) Ein seltenes Naturphänomen erleuchtete am vergangenen Samstag den Himmel über Nordwestdeutschland: Gegen 17.44 Uhr zog eine helle Feuerkugel von Voltlage westlich von Bramsche bis Friesoythe über das Firmament. Strahlenphysiker der Universität Oldenburg um Prof. Dr. Björn Poppe registrierten das Ereignis mit einer so genannten All-Sky-Kamera, die sich auf dem Dach des Universitätsgebäudes in Wechloy befindet und permanent den gesamten Himmel beobachtet.

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„Die Feuerkugel – eine besonders helle Sternschnuppe – wurde von einem etwa 30 Kilogramm schweren extraterrestrischen Objekt erzeugt“, berichtet Poppe, Leiter der Abteilung für Medizinische Strahlenphysik. Ersten Berechnungen zufolge könnte ein kleiner Teil des Objekts den Sturz auf die Erde überstanden haben. „Wir untersuchen derzeit noch, ob tatsächlich Teile des Meteors am Erdboden zu finden sein könnten oder ob er komplett verdampft ist“, sagt Poppe. Um den möglichen Ort des Einschlags eingrenzen zu können, suchen er und seine Kolleginnen und Kollegen nach Personen, die sich an den Ort und die ungefähre Richtung der Feuerkugel erinnern können.

Augenzeugen können ihre Beobachtungen online unter vsw.imo.net eingeben oder sich telefonisch unter 0441 2291828 melden.

Den Berechnungen der Forscher zufolge trat der Meteor mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 45.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre ein. Die Lufthülle bremste das Objekt, das aus Richtung Süden kam, schnell auf etwa 15.000 Kilometer pro Stunde ab. Vermutlich explodierte es noch in der Atmosphäre. Neben der Oldenburger Kamera nahm eine weitere wissenschaftliche Kamera in Denekamp (Niederlande) das Ereignis auf. Mit Hilfe der beiden Bilder konnte das Oldenburger Team die Flugbahn der Feuerkugel genau berechnen. Die beiden Geräte gehören zu einem Netzwerk namens FRIPON (Fireball Recovery and InterPlanetary Observation Network), das Feuerkugeln am Himmel mit Hilfe von Kameras beobachtet. Das ursprünglich rein französische Netzwerk besteht derzeit aus mehr als 170 Kameras, die den Himmel über Frankreich und einigen Nachbarländern beobachten. Poppe und sein Team arbeiten daran, das Netzwerk in Deutschland auszubauen. „Feuerkugeln kann man aus einigen hundert Kilometern Entfernung sehen“, berichtet der Forscher. Wenn mehrere Kameras dasselbe Ereignis beobachten, können Physiker die Flugbahn präzise berechnen und außerdem ein Streufeld eingrenzen, in dem Meteorite auf die Erde gefallen sein könnten. Ziel der Forschung an Meteoren und Meteoriten ist es, die Weltraumumgebung der Erde besser zu verstehen.

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1 Kommentar

  1. Rudolf Leopold
    23. Januar 2020 um 14.44 — Antworten

    Im Stade Tageblatt vom 23.1.20 bittet man um Meteoritensichtung.
    Also ich habe am Samstagabend kurz vor 18.00 Uhr, eine ganz kurz aufleuchtende Scheibe (vielleicht 1/4 des Mondes) nordwestlich von Harsefeld gesehen.
    Harsefeld liegt 16 km südlich von Stade, 12 kam westlich von Buxtehude und 22 km östlich von Bremervörde.

    (Ein Flugzeug ist es nicht gewesen, obwohl wir in der Ein- und Abflugschneise liegen.)

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