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Wagenknecht warnt nach Giftanschlag auf Nawalny vor „Heuchelei“

Sahra Wagenknecht, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Die Linksfraktion im Bundestag hat vor „Heuchelei“ in der Diskussion um Sanktionen nach dem Giftanschlag auf den Kreml-Kritiker Alexei Nawalny gewarnt. Wer mit Verweis auf Nawalny ein Aus für die Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 fordere, müsse alle anderen Rohstofflieferanten Deutschlands nach den gleichen Kriterien bewerten und auch da Konsequenzen verlangen, sagte die frühere Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Alles andere sei „Heuchelei“.

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Wagenknecht sagte weiter, dass es ein abscheuliches Verbrechen sei, einen Oppositionspolitiker mit dem Nervengift Nowitschok zu vergiften. „Aber selbst wenn der Kreml dafür verantwortlich sein sollte (wofür es bisher keine Belege gibt), ist es auch nicht abscheulicher, als Oppositionelle zu köpfen oder zu Tode zu peitschen, wie es in Saudi-Arabien, von dem wir Öl beziehen, gängige Praxis ist. Es ist auch nicht abscheulicher, als unschuldige Zivilisten mit Drohnen zu zerfetzen, wie es die Vereinigten Staaten, die uns ihr Fracking-Gas liefern, in weit mehr als tausend Fällen getan haben.“ In Berlin fordern immer mehr Politiker einen Stopp der Bauarbeiten an Nord Stream 2 oder drohen damit, darunter neben Vertretern der Union und der Grünen auch Außenminister Heiko Maas. „Ich hoffe jedenfalls nicht, dass die Russen uns zwingen, unsere Haltung zu Nord Stream 2 zu ändern“, sagte Maas der „Bild am Sonntag“. Maas räumte allerdings auch ein, dass ein Stopp der fast fertig gebauten Pipeline auch deutschen und europäischen Firmen schaden würde: „Wer das fordert, muss sich der Konsequenzen bewusst sein. An Nord Stream 2 sind mehr als 100 Unternehmen aus zwölf europäischen Ländern beteiligt, etwa die Hälfte davon aus Deutschland.“ Nawalny wird seit dem 22. August in der Berliner Charité behandelt, nachdem er zwei Tage zuvor während eines Fluges in Russland zusammengebrochen war. Die Bundesregierung hatte erklärt, dass Nawalny „zweifelsfrei“ mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der sogenannten Nowitschok-Gruppe vergiftet worden sei. Mit ihren EU-Partnern berät sie bereits über mögliche Sanktionen gegen Russland. Die Regierung in Moskau bestreitet unterdessen eine Verwicklung Russlands in die Vergiftung des 44 Jahre alten Oppositionellen.

Foto: Sahra Wagenknecht, über dts Nachrichtenagentur

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2 Kommentare

  1. Markus
    6. September 2020 um 14.19 — Antworten

    Die USA versuchen einfach ALLES, um Nordstream2 zu verhindern. Da wird dann auch mal jemand ein wenig vergiftet, um mit dem Finger auf die bösen Russen zeigen zu können. Dabei ist dieser Krawallny in Russland so dermassen unbedeutend, dass er den Aufwand einfach nicht wert ist.
    Ich bin ja mal gespannt, wie weit die Amis noch eskalieren, sollte die Pipeline doch noch fertiggebaut werden. Zeit, der Bande in Washington mal gräftig ihre Grenzen aufzuzeigen.

  2. W. Lorenzen-Pranger
    6. September 2020 um 14.21 — Antworten

    Nord Stream 2 ist kein unmittelbares Regierungsprojekt, sondern eines eines Firmenkonsortiums aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Schon deswegen ist es dummes Zeug, das als politisches Druckmittel gegen Rußland nutzen zu wollen – mal abgesehen davon, daß, wie im Artikel richtig dargestellt, es bisher keinerlei Beweise gibt, daß offizielle russische Stellen in diesem Mordversuch involviert sind. Seit wann, egal wie unappetitlich der Vorgang auch immer war, mischt sich die deutsche Regierung in Straftaten in anderen Ländern ein?
    Zieht die Bundesregierung auch Sanktionen gegenüber den USA in Erwägung wegen des Todes von George Floyd, der immerin nachweislich von offiziellen amerikanischen Behördenvertretern ermordet wurde?

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