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Ukrainischer Präsident: Nord Stream 2 kann noch scheitern

Bau von Nord Stream 2, über dts Nachrichtenagentur

Kiew (dts Nachrichtenagentur) – Nach Ansicht des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj kann das deutsch-russische Gas-Pipeline-Projekt Nord Stream 2 noch scheitern. „Selbst wenn die Pipeline fertiggebaut ist, gibt es noch ein großes Fragezeichen, ob sie auch in Betrieb gehen kann“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben).

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Die Chancen, dass das Projekt doch nicht zum Zuge kommt, lägen bei 30 bis 40 Prozent. „Es ist eine Sache, die Gas-Pipeline zu bauen. Eine andere ist die Inbetriebnahme, das braucht Zeit.“ Internationales Recht müsse befolgt, internationale Energie-Standards müssten eingehalten werden. „Dazu kommen noch Versicherungen. Wir werden die Zeit nutzen, um unsere eigenen Interessen zu verteidigen“, so der ukrainische Staatschef. Das Thema stehe bei seinem Treffen mit US-Präsident Joe Biden am 30. August in Washington ganz oben auf der Agenda. Durch den Verzicht auf den Gastransit verliere die Ukraine rund zwei Milliarden Dollar pro Jahr. „Wir können erwarten, dass die Gaspreise für die ukrainischen Verbraucher steigen werden, weil weniger durch unsere Pipelines transportiert wird“, sagte Selenskyj. „Nord Stream 2 ist eine Waffe.“ Moskau sei in der Lage, auf dem Gasmarkt für eine Verknappung des Angebots zu sorgen und damit den Preis nach oben zu treiben. „In der heutigen Welt braucht man keine Maschinengewehre zu kaufen, um einem Land Schaden zuzufügen. Es reicht, wirtschaftliche Instrumente einzusetzen“, so der Präsident. Die Möglichkeit, radikal auf grünen Wasserstoff umzuschwenken, sieht Selenskyj skeptisch. „Das mag in einigen Jahren möglich sein, wenn es Verfahren zur günstigen Erzeugung von grünem Wasserstoff gibt. Technisch wären wir sogar in der Lage, den grünen Wasserstoff durch unsere Gas-Pipelines zu transportieren. Aber wir stehen da noch ganz am Anfang.“

Foto: Bau von Nord Stream 2, über dts Nachrichtenagentur

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1 Kommentar

  1. Markus
    20. August 2021 um 14.36

    Due Ukraine hat Angst, nicht mehr hemmungslos Gas aus der Pipeline ohne Bezahlung abzapfen zu können (vulgo: zu stehlen) und bei Ermehnung damit zu drohen, den Transfer zu blockieren. In Zukunft heisst es also, den realen Verbrauch zu bezahlen, und zwar zu Marktpreisen.